OECD-Bildungsbericht, Lehrkräftemangel

OECD-Bildungsbericht 2026: Deutschland macht Fortschritte – doch Lehrkräfte fehlen

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 11:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die OECD bescheinigt Deutschland Fortschritte bei Bildungsabschlüssen, MINT-Fächern und frühkindlicher Betreuung. Bildungsministerin Karin Prien sieht dennoch dringenden Nachholbedarf bei Unterrichtsqualität und Lehrkräfteversorgung.

  • Bundesbildungsministerin Karin Prien sieht Verbesserungen im Bildungssystem, aber dennoch starken Reformbedarf. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
    Bundesbildungsministerin Karin Prien sieht Verbesserungen im Bildungssystem, aber dennoch starken Reformbedarf. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
  • Bildungsforscher Andreas Schleicher stellt die neue Studie «Bildung auf einen Blick 2026» vor. (Archivbild) - Bild: Wolfgang Kumm/dpa
    Bildungsforscher Andreas Schleicher stellt die neue Studie «Bildung auf einen Blick 2026» vor. (Archivbild) - Bild: Wolfgang Kumm/dpa
Bundesbildungsministerin Karin Prien sieht Verbesserungen im Bildungssystem, aber dennoch starken Reformbedarf. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa Bildungsforscher Andreas Schleicher stellt die neue Studie «Bildung auf einen Blick 2026» vor. (Archivbild) - Bild: Wolfgang Kumm/dpa

Die OECD bescheinigt Deutschland Fortschritte im Bildungssystem, sieht aber zugleich erheblichen Handlungsbedarf bei Unterrichtsqualität und Lehrkräfteversorgung.

Mehr AbschlĂĽsse und hohe Kita-Beteiligung

Der Bericht «Bildung auf einen Blick 2026» nennt den Anteil von 34 Prozent Uni-Abschlüssen in MINT-Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften als höchsten Wert im OECD-Vergleich. 41 Prozent der jungen Menschen in Deutschland erreichen inzwischen einen Hochschul- oder höheren beruflichen Abschluss – elf Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.

Auch bei der frühkindlichen Bildung liegt Deutschland über dem Durchschnitt: 96 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besuchen einen Kindergarten. In den OECD-Ländern insgesamt sind es 90 Prozent.

Prien sieht Defizite bei der Qualität

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte in Berlin, Deutschland sei in vielen Bereichen gut vorangekommen. Zugleich verwies sie auf die zuletzt historisch schwachen deutschen Ergebnisse in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften bei der PISA-Vergleichsstudie.

Deutschland gebe im OECD-Vergleich pro Schüler viel Geld für Bildung aus, sei dabei aber nicht effektiv genug, sagte Prien. Die Qualität des Unterrichts müsse sich verbessern; auch in den Kitas müssten Kinder stärker an Bildung herangeführt werden.

Lehrkräftemangel belastet Schulen

Der Schwerpunkt der neuen OECD-Studie liegt auf dem Lehrkräftemangel. In Deutschland besuchen demnach 55 Prozent der Kinder und Jugendlichen Schulen, deren Leitung angibt, dass fehlende Lehrkräfte den Lernerfolg schmälerten.

18,6 Prozent der Lehrkräfte haben den Angaben zufolge keine passende oder keine abgeschlossene Ausbildung. OECD-Bildungsforscher Andreas Schleicher sagte zudem, fast die Hälfte der ausgebildeten Lehrkräfte arbeite nicht an Schulen.

Vorschläge für Ausbildung und Schulalltag

Schleicher regte eine gezieltere Auswahl von Studierenden für das Lehramtsstudium an. Außerdem sollten Lehrkräfte Aufgaben wie Unterrichtsvorbereitung oder die individuelle Unterstützung von Schülern stärker im Team in der Schule erledigen, statt sie allein zu Hause zu bewältigen.

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Fortschritte bei AbschlĂĽssen und frĂĽher Bildung

Die OECD-Zahlen zeichnen ein gemischtes Bild: Deutschland hat den Anteil junger Menschen mit Hochschul- oder höherem Berufsabschluss binnen zehn Jahren deutlich gesteigert. Auch die hohe Beteiligung Drei- bis Fünfjähriger an der frühkindlichen Betreuung und der starke Anteil von MINT-Abschlüssen zählen zu den strukturellen Stärken.

Diese Fortschritte lösen jedoch das zentrale Qualitätsproblem nicht. Wenn ein großer Teil der Schulen wegen fehlender Lehrkräfte Nachteile für den Lernerfolg meldet und zugleich viele ausgebildete Lehrkräfte den Schuldienst verlassen, entsteht eine Lücke zwischen formaler Bildungsbeteiligung und tatsächlichen Kompetenzen. Für Familien zeigt sich das besonders bei Unterrichtsausfällen, größeren Klassen oder fehlender individueller Förderung.

Lehrkräftemangel als entscheidender Hebel

Die von Andreas Schleicher vorgeschlagenen Maßnahmen zielen deshalb nicht nur auf mehr Personal, sondern auf eine andere Organisation des Berufs. Teamarbeit in der Schule könnte Lehrkräfte bei Vorbereitung, Förderangeboten und Verwaltung entlasten. Eine gezieltere Auswahl im Lehramtsstudium könnte zudem die Passung zwischen Ausbildung und späterem Beruf verbessern.

Politisch bleibt die Umsetzung anspruchsvoll, weil Bildung in Deutschland vor allem Sache der Länder ist und sich Personalbedarf regional stark unterscheidet. Für Eltern und Schüler entscheidet sich der Erfolg der Reformen letztlich daran, ob Unterricht verlässlich stattfindet und Basiskompetenzen wie Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nachhaltig gestärkt werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR24: „Lehrerverbands-Präsidentin: Das muss sich nach PISA ändern“ (27.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, dass die jüngsten PISA-Ergebnisse den Handlungsdruck an deutschen Schulen erhöht hätten. Die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann fordere gezieltere Unterstützung für benachteiligte Kinder, besser qualifiziertes Personal in Kitas und Schulen sowie mehr Eigenverantwortung für einzelne Schulen; damit setze der Beitrag einen stärkeren Schwerpunkt auf Bildungsungleichheit und konkrete Reformen als die OECD-Meldung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Berliner Zeitung: „Lehrerin: 'Manche Schüler schlagen schon das Buch von der falschen Seite auf'“ (28.09.2026)

Der Artikel beschreibe die jüngsten OECD-Schulleistungsergebnisse als schlechter als bei der ersten Erhebung im Jahr 2000 und ergänze die Debatte um die Perspektive einer Lehrerin aus Berlin. Anders als die OECD-Studie, die auch strukturelle Fortschritte bei Abschlüssen und MINT-Fächern herausstelle, konzentriere sich der Beitrag auf den Leistungsabfall im Schulalltag.

Beide Beiträge bestätigten den Reformbedarf bei Unterrichtsqualität und schulischen Rahmenbedingungen, setzten aber unterschiedliche Akzente: Der BR24-Bericht betone Bildungsungleichheit und Handlungsvorschläge, während die Berliner Zeitung den wahrgenommenen Kompetenzverlust im Unterricht in den Mittelpunkt rücke.

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