OECD-Bildungsstudie 2026, Karin Prien

OECD-Bildungsstudie 2026: Deutschland macht Fortschritte – doch die Schülerleistungen bleiben schwach

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 13:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die OECD sieht Fortschritte bei Betreuung, Abschlüssen und MINT-Fächern, zugleich bleiben die Lernergebnisse schwach. Bildungsministerin Karin Prien will deshalb frühe Förderung, Unterricht und Leistungsorientierung reformieren.

  • Bildungsministerin Karin Prien legt ihr Augenmerk vor allem auf die frühe Bildungsphase. (Symbolbild) - Bild: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
    Bildungsministerin Karin Prien legt ihr Augenmerk vor allem auf die frühe Bildungsphase. (Symbolbild) - Bild: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
  • Ministerin Prien bleibt dabei, ihre Reformen durchzusetzen. (Archivbild) - Bild: Carsten Koall/dpa
    Ministerin Prien bleibt dabei, ihre Reformen durchzusetzen. (Archivbild) - Bild: Carsten Koall/dpa
  • Bildungsforscher Andreas Schleicher stellte die neue Studie «Bildung auf einen Blick 2026» vor. (Archivbild) - Bild: Wolfgang Kumm/dpa
    Bildungsforscher Andreas Schleicher stellte die neue Studie «Bildung auf einen Blick 2026» vor. (Archivbild) - Bild: Wolfgang Kumm/dpa
  • Unterrichtsausfall ist an vielen Schulen ein großes Thema. (Symbolbild) - Bild: Caroline Seidel/dpa
    Unterrichtsausfall ist an vielen Schulen ein großes Thema. (Symbolbild) - Bild: Caroline Seidel/dpa
Bildungsministerin Karin Prien legt ihr Augenmerk vor allem auf die frühe Bildungsphase. (Symbolbild) - Bild: Mohssen Assanimoghaddam/dpa Ministerin Prien bleibt dabei, ihre Reformen durchzusetzen. (Archivbild) - Bild: Carsten Koall/dpa Bildungsforscher Andreas Schleicher stellte die neue Studie «Bildung auf einen Blick 2026» vor. (Archivbild) - Bild: Wolfgang Kumm/dpa Unterrichtsausfall ist an vielen Schulen ein großes Thema. (Symbolbild) - Bild: Caroline Seidel/dpa

Deutschland hat nach einer neuen OECD-Studie bei Bildungsbeteiligung, Abschlüssen und MINT-Fächern Fortschritte gemacht, erreicht bei den tatsächlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern aber weiterhin keine überzeugenden Ergebnisse.

Hoher MINT-Anteil und mehr Abschlüsse

34 Prozent der Studienabgänger mit Abitur oder Fachabitur schließen ein MINT-Fach ab. Das ist laut OECD der höchste Anteil im Vergleich der Mitgliedstaaten.

41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügen inzwischen über einen Hochschulabschluss oder einen höheren beruflichen Abschluss. Gegenüber vor zehn Jahren entspricht das einem Anstieg um elf Prozentpunkte.

Viele Kinder besuchen eine Kita

96 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen nehmen in Deutschland ein Betreuungsangebot wahr; im OECD-Schnitt sind es 90 Prozent. Auf eine Fachkraft kommen statistisch 7,5 Kinder, gegenüber 9,4 Kindern im Durchschnitt der OECD.

Für Bildungseinrichtungen von der Kita bis zur Hochschule werden pro Schülerin, Schüler oder Studierendem jährlich 16.430 US-Dollar aus öffentlichen und privaten Mitteln aufgewendet. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 14.861 Dollar. Gemessen an der Wirtschaftsleistung fällt der deutsche Anteil mit 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts allerdings geringer aus als der OECD-Schnitt von 4,7 Prozent.

Prien sieht Reformbedarf

Bundesbildungsministerin Karin Prien erklärte, Deutschland sei in vielen Bereichen gut vorangekommen. Zugleich sagte sie: „Wir sind nicht effektiv.“ Das Zeitfenster für Reformen müsse genutzt werden, solange die Erinnerung an den PISA-Schock präsent sei.

Prien plant unter anderem Sprachtests für alle Vierjährigen und bei Bedarf anschließende Förderung. Die Ministerin will Kitas stärker als Bildungsorte etablieren und zusätzliche Mittel auf Stadtviertel mit besonders vielen Kindern mit schlechten Startchancen konzentrieren. Außerdem fordert sie, mehr auf Leistung zu setzen und Schülerinnen und Schüler stärker zu unterstützen.

Lehrkräftemangel als Belastung

Die OECD-Daten weisen zugleich auf Engpässe beim Schulpersonal hin. 55 Prozent der Kinder und Jugendlichen besuchen Schulen, deren Leitungen einen Lehrkräftemangel als lernhemmend bezeichnen. Der Anteil der Lehrkräfte mit nicht passender oder noch nicht abgeschlossener Ausbildung liegt bei 18,6 Prozent.

Der OECD-Bildungsforscher Andreas Schleicher plädierte für eine gezieltere Auswahl im Lehramtsstudium und eine andere Organisation des Schulalltags. Lehrkräfte sollten mehr Aufgaben gemeinsam in der Schule erledigen können, etwa Unterrichtsvorbereitung und individuelle Hilfen.

Rahmenbedingungen und Lernergebnisse

Der OECD-Bericht und die PISA-Ergebnisse betrachten unterschiedliche Ebenen des Bildungssystems. „Bildung auf einen Blick“ erfasst vor allem Beteiligung, Bildungsabschlüsse, Ausgaben und Personal; PISA misst dagegen, welche Kompetenzen 15-Jährige in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften tatsächlich erreichen.

Damit lässt sich der Widerspruch einordnen: Deutschland investiert vergleichsweise viel pro Lernendem, erreicht eine hohe Betreuungsquote im Kindergarten und verzeichnet mehr höhere Bildungsabschlüsse. Diese günstigen Voraussetzungen führen jedoch nicht automatisch zu besseren Basiskompetenzen. Entscheidend ist, wie wirksam Förderung, Unterricht und Übergänge zwischen Kita und Schule organisiert sind.

Frühe Förderung als Schlüssel

Besonders bedeutsam ist die Verbindung von Bildungsqualität und sozialer Herkunft. Die jüngsten PISA-Ergebnisse zeigen, dass Deutschland Bildungsungleichheit nur begrenzt ausgleicht. Sprachdiagnostik, verlässliche Förderung und gezielte Unterstützung benachteiligter Schulen können deshalb größere Wirkung entfalten als pauschale Programme.

Personalfrage belastet Reformen

Der Lehrkräftemangel verschärft das Problem. Wo Personal fehlt oder nicht ausreichend auf die jeweiligen Aufgaben vorbereitet ist, bleiben zusätzliche Förderangebote und individuelle Betreuung schwer umsetzbar. Reformen müssen daher nicht nur Standards festlegen, sondern auch Arbeitsbedingungen, Ausbildung und Teamstrukturen an Schulen verbessern.

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