Lehrerverband: Werbeplakate an jede Schule
16.06.2023 - 04:26:01Der akute LehrkrĂ€ftemangel bremst nach EinschĂ€tzung des PrĂ€sidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, auch die Lösung vieler anderer Probleme im Bildungssystem aus. Es gebe riesige Herausforderungen, «und da ist dieser LehrkrĂ€ftemangel natĂŒrlich wie eine bleierne Decke, die auf allem liegt», sagte Meidinger der Deutschen Presse-Agentur.
Er verwies etwa auf die mehr als 200.000 ukrainischen Kinder und Jugendlichen, die von den Schulen aufgenommen wurden, die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, schlechte Lese- und Matheergebnisse bei GrundschĂŒlern und die notwendige individuelle Förderung von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern.
«Sinnstiftender, gesellschaftlich wichtiger Beruf»
Zugleich warb der scheidende VerbandsprĂ€sident anlĂ€sslich der Wahl seines Nachfolgers heute bei aller Krisenstimmung auch fĂŒr einen positiven Blick auf das deutsche Bildungssystem und den Lehrerberuf. «Es kann einer der schönsten Berufe sein. Man bekommt enorm viel zurĂŒck. Es ist ein sehr sinnstiftender, gesellschaftlich wichtiger Beruf. Und deswegen hat die Politik die Aufgabe, dass sie dieses Berufsbild wieder attraktiv macht.»
Eine Delegiertenversammlung des Deutschen Lehrerverbands wĂ€hlt an diesem Freitag in Berlin einen neuen VerbandsprĂ€sidenten. Der aus einer Lehrerfamilie stammende Meidinger tritt nach sechs Jahren an der Spitze nicht mehr an. Die Amtzeit des ehemaligen Leiters eines Gymnasiums im bayerischen Deggendorf endet offiziell am 30. Juni. Nachfolger wird voraussichtlich der Augsburger Schulleiter Stefan DĂŒll.
LehrkrĂ€ftemangel der gröĂte seit 50 Jahren
In anderen LĂ€ndern sei Bildung extrem teuer, in Deutschland kostenfrei. «Also ich wĂŒrde insofern die Kirche im Dorf lassen. Im internationalen Vergleich kann Deutschland durchaus noch gut mithalten mit seinem Schulsystem», sagte Meidinger. Er sieht aber Herausforderungen, die es in diesem AusmaĂ in der Vergangenheit nicht gegeben habe. Der LehrkrĂ€ftemangel sei der gröĂte seit 50 Jahren. «Und was natĂŒrlich besonders schlimm ist, es ist kein Ende abzusehen.» Experten rechnen mit einer anhaltend angespannten Lage ĂŒber die nĂ€chsten 10 bis 20 Jahre. «FrĂŒher haben sich Phasen des Lehrermangels und Phasen der Lehrerarbeitslosigkeit abgewechselt.»
Kurzfristig gehe es darum, Quereinsteiger zu gewinnen, LehrkrÀfte von anderen Aufgaben durch mehr Verwaltungspersonal, Sozialarbeiter und IT-Personal zu entlasten, Lehrerinnen und Lehrer in Teilzeit zu motivieren, wieder aufzustocken oder PensionÀre, wenn sie möchten, lÀnger arbeiten zu lassen.
Attraktiver, moderner, herausfordernder
Insgesamt mĂŒsse der Lehrerberuf aber langfristig attraktiver, moderner und herausfordernder gemacht werden. «Also diese jetzige Praxis, ich entscheide mich fĂŒr einen Beruf und das ist die EinbahnstraĂe dann. Ich mache am ersten Tag des Berufslebens dasselbe wie am letzten. Die ist fĂŒr junge Menschen heute nicht mehr attraktiv. Wir mĂŒssen uns da eine Modernisierung des Berufsbilds vorstellen.»
Der scheidende VerbandsprĂ€sident sprach sich zudem fĂŒr eine groĂe Werbeaktion aus: «Also ich wundere mich, warum nicht an jeder Schule ein Plakat hĂ€ngt, auf dem gesagt wird «LehrkrĂ€fte gesucht, kommt zu uns» und auch deutlich gemacht wird, was das fĂŒr ein erfĂŒllender Beruf ist. Im Gegenzug mĂŒsste allerdings die Politik dann tatsĂ€chlich auch MaĂnahmen ergreifen, damit dieser Beruf wieder attraktiv wird.»





