Olympia-Bewerbung, München

Olympia-Bewerbung: München gegen Köln-Rhein-Ruhr – das spricht für die Kandidaten

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

München gilt vor der geheimen DOSB-Abstimmung als Favorit für die deutsche Olympia-Bewerbung. Köln-Rhein-Ruhr setzt auf große Kulissen, regionale Vielfalt und nachhaltige Nachnutzung – und bleibt damit ein ernsthafter Konkurrent.

  • München wirbt auch mit seinem olympischen Erbe. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
    München wirbt auch mit seinem olympischen Erbe. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst legte sich mächtig für die Bewerbung von Köln-Rhein-Ruhr ins Zeug. (Archivbild) - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst legte sich mächtig für die Bewerbung von Köln-Rhein-Ruhr ins Zeug. (Archivbild) - Bild: Christoph Reichwein/dpa
München wirbt auch mit seinem olympischen Erbe. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst legte sich mächtig für die Bewerbung von Köln-Rhein-Ruhr ins Zeug. (Archivbild) - Bild: Christoph Reichwein/dpa

München und Köln-Rhein-Ruhr kämpfen heute in Baden-Baden um die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.

München mit kurzen Wegen

Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet bei seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung ab 13.45 Uhr über den deutschen Kandidaten. Stimmberechtigt sind 42 olympische Spitzenverbände mit insgesamt 126 Stimmen, acht persönliche Mitglieder und zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums.

München gilt als Favorit. Für die Stadt sprechen kurze Wege, das Gros der Veranstaltungen innerhalb Münchens und der Olympiapark von 1972 mit dem renovierten Stadion. Fast alle Wettkampfstätten sind bereits vorhanden. Die Stadt erhielt bei einer Volksbefragung 66,42 Prozent Zustimmung; auch die politische Unterstützung durch Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) ist groß.

Rhein-Ruhr wirbt mit Rekordkulissen

Köln-Rhein-Ruhr setzt auf eine dichte Sportstättenlandschaft und vorhandene Infrastruktur. Schwimmwettbewerbe könnten auf Schalke stattfinden, Basketball in der Düsseldorfer Arena und Fußball in Dortmund. Geplant sind lediglich ein temporäres Leichtathletikstadion sowie ein Olympisches Dorf in Köln, das später Wohnraum für rund 10.000 Menschen bieten soll.

Bis zu 17,6 Millionen Tickets sollen für große Kulissen sorgen. Die beteiligten Kommunen stimmten der Bewerbung zu 66 Prozent zu. Zudem verweist Nordrhein-Westfalen auf Erfahrungen mit internationalen Großveranstaltungen.

Risiken der Münchner Bewerbung

Gegen München sprechen frühere Rückschläge. Die Bewerbung um die Winterspiele 2018 scheiterte, und die Bürger lehnten Olympia 2022 in einer Befragung ab. Bei der DOSB-Evaluierung schnitt München beim Ticketpotenzial schwächer ab. Zudem könnte die Entscheidung für Kiel als Segelstandort Stimmen aus Ostdeutschland kosten.

Probleme bei Köln-Rhein-Ruhr

Bei Köln-Rhein-Ruhr bleibt das internationale Standortimage eine Schwäche. Auch die Verkehrswege könnten zum Problem werden: Nordrhein-Westfalen gilt als staureich, zudem gibt es häufig Zugverspätungen. Kritiker bezweifeln deshalb, dass die Wege vom Olympischen Dorf zu allen Wettkampfstätten wie angekündigt in weniger als einer Stunde zu bewältigen sind.

Einige Anlagen liegen außerdem außerhalb großer Städte, etwa in Aachen, Gelsenkirchen oder Mönchengladbach. Die DOSB-Mitglieder entscheiden geheim; nach der Abstimmung bleibt dem Gewinner zunächst der weitere Weg zu einer internationalen Bewerbung.

Entscheidung mit langer Vorgeschichte

Der DOSB bestimmt in Baden-Baden zunächst nur den deutschen Bewerber. Die Auswahl ist ein Zwischenschritt: Über den Austragungsort der Spiele 2036, 2040 oder 2044 würde später das Internationale Olympische Komitee entscheiden. Deutschland steht dabei im Wettbewerb mit weiteren Interessenten, darunter Indien, Katar und die Türkei.

Die Ausgangslage ist ungewöhnlich eng. In der DOSB-Evaluierung lag München mit 87,03 Punkten nur knapp vor Köln-Rhein-Ruhr mit 85,02 Punkten; beide Konzepte wurden als sehr gut bewertet. Berlin, das zunächst ebenfalls kandidiert hatte, zog seine Bewerbung in dieser Woche zurück. Damit konzentriert sich die Abstimmung auf zwei grundsätzlich unterschiedliche Modelle.

Infrastruktur gegen Reichweite

München kann auf den Olympiapark von 1972 und kurze Wege verweisen. Nach der Evaluierung sollen Athletinnen und Athleten dort im Durchschnitt deutlich schneller zu den Wettkampfstätten gelangen. Köln-Rhein-Ruhr setzt dagegen auf eine größere regionale Verteilung, hohe Zuschauerkapazitäten und die spätere Nutzung des Olympischen Dorfs als Wohnraum.

Für die Bevölkerung geht es deshalb nicht nur um Sport, sondern auch um Verkehr, öffentliche Investitionen und die langfristige Nutzung von Anlagen. Entscheidend wird sein, ob die vorhandene Infrastruktur tatsächlich ausreicht und wie überzeugend die Finanzierung, Mobilität und Nachhaltigkeit organisiert werden. Die geheime Abstimmung der DOSB-Mitglieder macht den Ausgang trotz Münchner Favoritenrolle offen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: „Olympia-Bewerbungen aus NRW und München auf Augenhöhe“ (24.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, dass München und Köln-Rhein-Ruhr in der DOSB-Bewertung eng beieinanderlägen und beide Konzepte als sehr gut eingestuft worden seien. Anders als die dpa-Meldung betone der WDR die politische Entwicklung der NRW-Bewerbung und die Rolle Kölns als führende Stadt; offen bleibe die Entscheidung der Verbände.

BR24: „Olympia-Comeback in München? So stehen die Chancen“ (25.09.2026)

BR24 schreibe, München liege in der Evaluierung knapp vorn und profitiere besonders bei sportfachlicher und operativer Eignung von kurzen Wegen. Der Beitrag setze stärker als die dpa-Meldung auf mögliche finanzielle und stadtentwicklungspolitische Risiken der Münchner Bewerbung; zugleich bestätige er die offene Ausgangslage vor der Abstimmung.

Beide Berichte bestätigten den engen Zweikampf und die jeweiligen infrastrukturellen Vorteile. Unterschiede lägen vor allem bei der Gewichtung politischer Unterstützung, der Bürgerbeteiligung und möglicher Folgekosten.

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