Olympia-Bewerbung: München und NRW kämpfen um deutschen Zuschlag
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 11:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm engen Olympia-Finale zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund am Samstag in Baden-Baden über den deutschen Bewerber für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.
Entscheidung in Baden-Baden
Die letzte öffentliche Phase des Auswahlkampfs ist von politischen Gesprächen und Lobbyarbeit geprägt. Die Vorabend-Veranstaltung im Kurhaus findet hinter verschlossenen Türen statt; Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll den Sieger um 13.45 Uhr bekanntgeben.
Sport-Staatsminister Ronald Rauhe erklärte, Deutschland müsse mit der Stadt oder Region antreten, die international die größten Chancen habe. Die Entscheidung treffe der Sport mit großer Verantwortung. Rauhe selbst besitzt kein Stimmrecht.
München setzt auf Tradition
München wirbt mit den Olympischen Spielen von 1972, einer kompakten Bewerbung und dem Sportstandort Bayern. Ministerpräsident Markus Söder verbindet die möglichen Spiele mit dem Oktoberfest und dem FC Bayern.
Die Münchner Bewerbung geht nach der DOSB-Evaluierung mit einem knappen Vorsprung in die Abstimmung. Im Prüfbericht erhielt sie 87 von 100 Punkten; Köln-Rhein-Ruhr kam auf 85 Punkte. Für die Wahlberechtigten ist die Bewertung jedoch nicht bindend.
NRW lockt mit Arenen und vielen Tickets
Ministerpräsident Hendrik Wüst setzt auf die Größe und Vielfalt der Rhein-Ruhr-Region. Nach den Plänen könnten 17,6 Millionen Eintrittskarten verkauft werden. Als besonderes Veranstaltungsformat sind unter anderem Schwimmwettbewerbe in der Arena auf Schalke vorgesehen.
Schwächen sieht der DOSB-Prüfbericht vor allem beim Verkehrssystem. Die Kampagne versucht, mit Rostock-Warnemünde für das Segeln und Markkleeberg für Wildwasser-Kanu auch ostdeutsche Standorte einzubinden. Wüst bezeichnete dies als Zeichen für ein vereintes Deutschland.
Wer abstimmen darf
Die 42 olympischen Spitzenverbände verfügen jeweils über drei Stimmen. Hinzu kommen zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums und acht persönliche Mitglieder des Dachverbands; drei von ihnen haben ihre Teilnahme abgesagt. Nicht stimmberechtigt sind die Landessportbünde, nicht-olympische Spitzenverbände und der Deutsche Behindertensportverband.
Nach dem Rückzug Berlins entscheidet sich das Rennen zwischen zwei Bewerbungen. Hamburg war bereits Ende Mai nach einem negativen Bürgerentscheid ausgeschieden. In München hatten sich rund zwei Drittel der Teilnehmenden für die Olympia-Pläne ausgesprochen; in den beteiligten NRW-Kommunen fiel die Zustimmung bei einem Bürgerentscheid ähnlich aus.
Knappes Votum mit großer Tragweite
Die Entscheidung des DOSB ist zunächst eine nationale Vorauswahl, aber sie legt die Grundlage für eine mögliche internationale Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. München und Köln-Rhein-Ruhr treten dabei mit unterschiedlichen Profilen an: München setzt auf die kompakte Struktur, das olympische Erbe von 1972 und die Erfahrung großer Sportveranstaltungen. Nordrhein-Westfalen stellt die Vielzahl vorhandener Arenen, die regionale Breite und ein möglichst publikumsnahes Veranstaltungskonzept heraus.
Der Abstand im Prüfbericht ist gering: München erhielt 87 von 100 Punkten, Köln-Rhein-Ruhr 85. Besonders relevant ist der Zielkonflikt zwischen Kompaktheit und Eventpotenzial. Während München bei der Gesamtbewertung knapp vorne liegt, punktet die NRW-Bewerbung mit einer hohen Zahl möglicher Zuschauerplätze und spektakulären Austragungsorten. Gleichzeitig bleibt die Verkehrsinfrastruktur eine zentrale Herausforderung für die Rhein-Ruhr-Region.
Entscheidung durch begrenzten Kreis
Über den deutschen Bewerber entscheidet nicht die Bevölkerung unmittelbar, sondern ein auf den organisierten Sport begrenztes Wahlgremium. Bürgerentscheide in München und den beteiligten NRW-Kommunen liefern politische Rückendeckung, ersetzen aber nicht das Votum der DOSB-Mitglieder. Nach dem Berliner Rückzug konzentriert sich die Abstimmung auf zwei Konzepte; dadurch kann jede einzelne Stimme stärker ins Gewicht fallen.
Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Auswahl vor allem eine langfristige Weichenstellung bei Infrastruktur, öffentlichen Ausgaben und der internationalen Wahrnehmung Deutschlands. Der DOSB-Prüfbericht ist dabei eine Orientierung, aber nicht bindend. Der Sieger muss anschließend ein überzeugendes Finanzierungs-, Verkehrs- und Nachhaltigkeitskonzept für das internationale Auswahlverfahren weiterentwickeln.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Olympia-Bewerbungen aus NRW und München auf Augenhöhe“ (24.09.2026)
Der Bericht bestätige das enge Rennen und ordne die DOSB-Bewertung als wichtigen, aber nicht bindenden Orientierungspunkt ein. Er hebe hervor, dass Köln-Rhein-Ruhr nach einem Führungswechsel in der Bewerbung und dem positiven Bürgerentscheid deutlich aufgeholt habe; außerdem beschreibe er die Entscheidung für Rostock-Warnemünde als Segelstandort.
Merkur: „Vorteil für München? Ex-Bayern-Star Goretzka stimmt über Olympia-Bewerbung ab“ (25.09.2026)
Der Artikel bestätige, dass München und Köln-Rhein-Ruhr nach dem Berliner Rückzug allein um die deutsche Kandidatur konkurrierten. Er setze einen anderen Schwerpunkt auf die persönliche Stimme Leon Goretzkas und die Zusammensetzung des Wahlgremiums; zugleich stelle er Münchens knappen Favoritenstatus dem Ticketpotenzial der NRW-Bewerbung gegenüber.
Beide Berichte beschrieben München und Köln-Rhein-Ruhr als nahezu gleichauf und verwiesen auf die Bedeutung der nicht bindenden DOSB-Evaluierung. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung politischer Unterstützung, der Infrastruktur und einzelner Wahlstimmen; offen bleibe bis zur Abstimmung, welches Konzept die Mehrheit der Delegierten erreiche.
