Deutschland, Bildung

Studie zu KitaqualitÀt: Fachkraftquote variiert nach Wohnort

30.09.2025 - 05:01:20

PĂ€dagogisch qualifiziertes Personal gilt als Basis fĂŒr gute frĂŒhkindliche Bildung. Die Fachkraftquote sinkt laut Studie in fast allen BundeslĂ€ndern und variiert auch je nach Wohnort. Es hagelt Kritik.

  • Die Fachkraftquote fĂ€llt regional stark unterschiedlich aus. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa

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  • Ostdeutschland schneidet laut einer Studie bei der Kita-FachkrĂ€ftequote besser ab als die westdeutschen BundeslĂ€nder. (Archivbild) - Foto: Maximilian von Klenze/dpa

    Maximilian von Klenze/dpa

Die Fachkraftquote fÀllt regional stark unterschiedlich aus. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpaOstdeutschland schneidet laut einer Studie bei der Kita-FachkrÀftequote besser ab als die westdeutschen BundeslÀnder. (Archivbild) - Foto: Maximilian von Klenze/dpa

Der Anteil der Kitas, in denen viele pĂ€dagogisch qualifizierte FachkrĂ€fte arbeiten, ist einer Studie zufolge in den meisten BundeslĂ€ndern gesunken. Bei der Fachkraftquote – ein wesentlicher Faktor fĂŒr die QualitĂ€t von Kitas – sind die Unterschiede unter den BundeslĂ€ndern erheblich, wie aus dem «LĂ€ndermonitor FrĂŒhkindliche Bildungssysteme» der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Und auch innerhalb der einzelnen LĂ€nder variiert demnach die Fachkraftquote je nach Wohnort in StĂ€dten und Kreisen deutlich.

Analyse sieht Trend zu sinkendem Qualifikationsniveau

Weil Fachpersonal fehle und Kommunen unter Kostendruck seien, setzte sich insgesamt der Trend sinkender Fachkraftquoten fort. Immer mehr Personen aus anderen Berufsgruppen dĂŒrften pĂ€dagogische Aufgaben ĂŒbernehmen. In fĂŒnf BundeslĂ€ndern gab es zum Stichtag 1. MĂ€rz 2024 laut Analyse aber einen leichten Anstieg von Kitas mit hohem Fachkraftanteil, das grĂ¶ĂŸte Plus verzeichnete dabei Sachsen.

In allen BundeslĂ€ndern werden inzwischen in unterschiedlichem Ausmaß auch Personen ohne fachliche einschlĂ€gige Qualifikation als FachkrĂ€fte bezeichnet, wie die Stiftung kritisiert. Der Fachkraft-Begriff dĂŒrfe nicht aufgeweicht werden. Es zeichne sich eine Tendenz zur «De-Professionalisierung» ab und damit zu einer «strukturellen Absenkung des Qualifikationsniveaus». An dem Trend kam viel Kritik unter anderem von Gewerkschaftsseite. 

Ostdeutsche LĂ€nder vorn und Bayern hinten

Schaut man sich die Fachkraftquote an, so fĂ€llt der durchschnittliche Anteil von FachkrĂ€ften an allen pĂ€dagogisch TĂ€tigen pro Kita besonders niedrig in Bayern aus – dort betrĂ€gt er lediglich 54,5 Prozent. Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen gehört mit 74,1 Prozent zum Mittelfeld.

Besonders gut schneidet ThĂŒringen ab – mit einem Fachkraftanteil von durchschnittlich 94,3 Prozent pro Kita-Team. In den ostdeutschen LĂ€ndern sieht es bei der Fachkraftquote mit 87 Prozent deutlich besser aus als im Westen mit einem Niveau von 69 Prozent.

Genauer Blick mit Hilfe von vier Kategorien

Aussagestark ist es nach Angaben der Studienautorinnen, wenn man in vier Kategorien unterteilt, angefangen mit einer schwachen Fachkraftquote von unter 50 Prozent. Die höchste Kategorie betrĂ€gt danach 82,5 Prozent und mehr pro Kita – das bedeutet also, dass unter allen pĂ€dagogisch TĂ€tigen in einer Kita rechnerisch mindestens 82,5 Prozent einschlĂ€gig qualifizierte FachkrĂ€fte sind. 

In Bayern mĂŒssen unter allen BundeslĂ€ndern die meisten Kitas mit dem sehr geringen Fachkraftanteil von unter 50 Prozent auskommen – die Quote liegt dort bei 31,5 Prozent, das entspricht 2.997 Kitas.

Schaut man hingegen auf eine hohe Fachkraftquote von mindestens 82,5 Prozent, so ist Bayern Schlusslicht mit nur 3,6 Prozent der Kitas, die diesen guten Anteil erreichen, gefolgt von Hamburg mit 14,0 Prozent. Spitzenreiter sind ThĂŒringen (89,7 Prozent), Sachsen (85,9) und Brandenburg (81,2).

Wer gilt als Fachkraft mit formaler pÀdagogischer Qualifikation? 

Einen einschlÀgigen Hochschul- oder Fachschulabschluss und damit die formale pÀdagogische Qualifikation haben laut Stiftung etwa SozialpÀdagogen, Sozialarbeiter, Erzieherinnen, Erziehungswissenschaftler, KindheitspÀdagogen oder auch HeilpÀdagogen und Heilerzieher. Der Zusammenhang zwischen Fachkraftquote und Kita-QualitÀt sei wissenschaftlich belegt. Je nach Bundesland fallen die Regelungen, wer ohne formale pÀdagogische Voraussetzung in einer Kita arbeiten darf, sehr unterschiedlich aus. 

Detaillierter Blick auf Kreise und StÀdte

Betrachtet man die Fachkraftquote noch detaillierter auf Ebene der 400 Kreise und kreisfreien StĂ€dte in Deutschland, so treten ebenfalls erhebliche Unterschiede zutage. Ein Beispiel: Eine hohe Fachkraftquote von 82,5 Prozent plus erreichen im bayerischen Landkreis Augsburg nur 2,3 Prozent der Kitas – letzter Platz bundesweit. Auf den deutschlandweit höchsten Anteil (94 Prozent der Kitas) kommt der thĂŒringische Landkreis Sömmerda.

Kritik an ungleichen Bedingungen 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach von einer alarmierenden Entwicklung. Es brauche ein Kita-BundesqualitĂ€tsgesetz mit verbindlichen Standards fĂŒr Ausbildung und Fachkraft-Kind-Relation. Nur so könnten ein Mindestmaß an QualitĂ€t gesichert und regionale Unterschiede abgebaut werden. Zudem mĂŒsse massiv in Ausbildung und Nachqualifizierung investiert werden, um FachkrĂ€fte zu gewinnen und zu halten. 

Verdi kritisierte, dass die Kassenlage der Kommunen damit faktisch ĂŒber den Einsatz qualifizierter FachkrĂ€fte bestimme. Die Dienstleistungsgewerkschaft verlangte «eine auskömmliche und nachhaltige Finanzierung durch Bund und LĂ€nder ebenso wie eine Ausbildungsoffensive fĂŒr FachkrĂ€fte und die Einrichtung eines Fonds zum Ausbau von Kinder- und Jugendeinrichtungen.»

Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek forderte ein sofortiges Umsteuern der Politik - «besonders im Hinblick auf den im nÀchsten Jahr anstehenden Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagesbetreuung in Grundschulen, denn dann drohen weitere FachkrÀfte das Kita-System zu verlassen».

@ dpa.de