Kirchenrechtler, SchĂŒller

Kirchenrechtler SchĂŒller erwartet schwieriges Konklave

21.04.2025 - 12:19:23

Papst Franziskus hat viele neue KardinĂ€le aus unterschiedlichsten Erdteilen ernannt. Das werde jetzt Folgen fĂŒr die Wahl des neuen Papstes haben, erwartet einer der bekanntesten deutschen Theologen.

Der Kirchenrechtler Thomas SchĂŒller erwartet nach dem Tod von Papst Franziskus ein schwieriges Konklave. Die Versammlung zur Neuwahl des Papstes werde sich vermutlich lĂ€nger hinziehen, sagte der renommierte Experte von der UniversitĂ€t MĂŒnster der Deutschen Presse-Agentur. «Es wird, glaube ich, ein lĂ€ngeres Konklave, ein komplexeres Konklave, weil die WĂ€hlergruppe heterogen ist.» Viele der in den vergangenen Jahren von Franziskus ernannten KardinĂ€le aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt ließen sich im Vorhinein kaum in bestimmte Fraktionen und Richtungen einteilen. Sie hĂ€tten auch keine Erfahrung damit, im sogenannten Vor-Konklave bereits die Weichen zu stellen, sagte SchĂŒller.

«Es wird spannend zu beobachten sein: Erstens: Wird die reformorientierte Gruppe sich durchsetzen und sich auf einen Kandidaten einigen? Und zweitens: Wie sind die Freeplayer zu sehen? Die aus der Mongolei, aus Timor oder wo auch immer der Papst KardinĂ€le ernannt hat, die gar nicht mit den römischen GebrĂ€uchen vertraut sind, aber hoffentlich die innere Freiheit haben, den zu wĂ€hlen, den sie fĂŒr den besten halten?»

Papst hat den Eurozentrismus der Kirche beendet

SchĂŒller sagte, das Hauptverdienst des verstorbenen Papstes bestehe darin, den Eurozentrismus der katholischen Kirche – die Fixierung auf Europa – aufgebrochen und die Kirche an die RĂ€nder gefĂŒhrt zu haben. «Das sieht man eben auch daran, dass im Kardinalskollegium jetzt alle Völker und Nationen vertreten sind.» Inwieweit der Reformkurs von Franziskus Bestand haben werde, hĂ€nge davon ab, wer jetzt zu seinem Nachfolger gewĂ€hlt werde. «Aber sagen wir mal so: Das hat man ja 1989 gesehen: Wenn einmal dieser Geist der Freiheit geweckt ist, dann lĂ€sst er sich nicht in die Tube zurĂŒckdrĂ€ngen. Und dazu hat Franziskus die GlĂ€ubigen ermĂ€chtigt.»

Im Übrigen sei der erste Papst aus SĂŒdamerika ein Elite-kritischer Papst gewesen. «Die wirtschaftlichen, auch die theologischen Eliten, die hat er nie so gemocht. Das hat er aus einem bewussten Ansatz der Nachfolge Jesu heraus getan: Die Seelsorge gebĂŒhrt den Ärmsten und Entrechteten.» Seine Nachfolger wĂŒrden daran gemessen werden.

@ dpa.de