Parteienforscher warnt BSW nach AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 09:50 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Parteienforscher Constantin Wurthmann warnt das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) eindringlich vor einer Zusammenarbeit mit der AfD in Sachsen-Anhalt. Anlass ist die Haltung des BSW-Landesverbands, einem möglichen AfD-Ministerpräsidenten durch Enthaltung im Landtag ins Amt zu verhelfen.
Wurthmann sieht Gründungskonsens des BSW gefährdet
Das BSW müsse sich nun endgültig festlegen, sagte Wurthmann der "Rheinischen Post". Die Partei sei auch mit dem Anspruch gegründet worden, eine Alternative zur AfD zu bieten. Zuletzt habe sie jedoch den Eindruck erweckt, sich an die AfD anbiedern zu wollen.
Der Politikwissenschaftler von der Universität Mainz betonte, sein Eindruck sei, dass im BSW bisher nicht angekommen sei, wie sehr ein solches Vorgehen Wähler verprelle. Viele der bisherigen Unterstützer erwarteten eine kritische, aber konstruktive Kraft, die dem ursprünglichen Gründungskonsens einer klaren Abgrenzung zur AfD verpflichtet bleibt.
Auslöser: AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt
Hintergrund der Warnung ist der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt. Nach der Landtagswahl steht die Partei als stärkste Kraft vor der Aufgabe, eine Regierung zu bilden und einen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten zu nominieren.
Das BSW in Sachsen-Anhalt hat am Montag seine Bereitschaft bekräftigt, einem AfD-Ministerpräsidenten im Landtag den Weg zu ebnen. Sollte sich der erfolgreiche AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur Wahl stellen, will das BSW in einem möglichen dritten Wahlgang im Landtag an seiner Linie festhalten, sich zu enthalten.
BSW-Spitzenkandidat Schulze bekräftigt Enthaltung
BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte im Deutschlandfunk, dass der Landesverband bei einer Kandidatur Siegmunds im dritten Wahlgang im Landtag bei seiner Enthaltung bleiben werde. In diesem Wahlgang würde eine Enthaltung de facto dazu beitragen, dass der AfD-Kandidat die notwendige Mehrheit erreichen könnte.
Damit steht das BSW im Zentrum einer Debatte darüber, ob eine Enthaltung in einer entscheidenden Abstimmung als indirekte Unterstützung einer AfD-Regierung zu werten ist. Wurthmanns Warnung unterstreicht, dass diese Frage nicht nur taktische, sondern grundsätzliche Bedeutung für die weitere Positionierung des BSW im deutschen Parteiensystem hat.
Die Warnung des Parteienforschers Constantin Wurthmann richtet sich an das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in einer Phase, in der die parteipolitische Landschaft in Ostdeutschland stark in Bewegung ist. Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt und die angekündigte Enthaltung des BSW in einem möglichen dritten Wahlgang für einen AfD-Ministerpräsidenten berühren zentrale Fragen nach Abgrenzung oder Kooperation mit einer rechtspopulistischen Partei.
Strategische Abgrenzung und Wählererwartungen
Wurthmann erinnert daran, dass das BSW angetreten ist, um eine Alternative zur AfD zu bieten. Wenn die Partei nun signalisiert, sie könne einem AfD-Kandidaten indirekt ins Amt verhelfen, droht ein Bruch mit diesem Gründungskonsens. Für Wähler, die sich eine kritische, aber konstruktive Kraft wünschen, spielt klare Distanz zur AfD eine wichtige Rolle. Eine Enthaltung in einem entscheidenden Wahlgang wird von Kritikern als faktische Unterstützung interpretiert, auch wenn das BSW formal keine Ja-Stimme abgibt.
Ostdeutsche Mehrheitsverhältnisse und Signalwirkung
In ostdeutschen Bundesländern sind komplexe Mehrheitsverhältnisse ohne klassische Volksparteien inzwischen häufig. Minderheitsregierungen, Tolerierungsmodelle und Duldung durch andere Fraktionen werden vermehrt diskutiert. Vor diesem Hintergrund ist die Position des BSW in Sachsen-Anhalt auch ein Testfall dafür, wie neue Parteien mit der Stärke der AfD umgehen. Eine Enthaltung kann die Bildung einer Regierung ermöglichen und hätte somit bundesweite Signalwirkung, weil sie zeigt, ob und wie andere Parteien bereit sind, der AfD Gestaltungsmacht zu verschaffen.
Langfristige Folgen für das BSW
Für das BSW steht mehr als ein einzelner Landtagsentscheid auf dem Spiel. Die Partei muss klären, ob sie sich dauerhaft als eigenständige Kraft zwischen Regierung und Opposition positioniert oder ob sie punktuell Kooperationen mit der AfD nicht ausschließt. Diese Entscheidung wird prägen, wie andere Parteien und potenzielle Koalitionspartner auf das BSW reagieren und ob es als verlässliche Alternative zur AfD wahrgenommen wird oder als Akteur, der rechtspopulistische Mehrheiten möglich macht.
