Deutschland, Umwelt

GeschÀftsmodell Moor: Bund fördert WiedervernÀssung

17.04.2026 - 13:24:08 | dpa.de

Pflanzen fĂŒr Papier oder Kartons, Fleisch von WasserbĂŒffeln: auch mit Mooren lĂ€sst sich Geld verdienen. Damit das mehr Landwirte tun, gibt es nun Geld vom Bund. Das soll dem Klima helfen.

  • Eine mögliche Bewirtschaftung fĂŒr nasse FlĂ€chen bieten WasserbĂŒffel, die mit dem feuchten Untergrund gut zurechtkommen. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Umweltminister Carsten Schneider (SPD); hier bei einem Besuch der wiedervernĂ€ssten Möllmer Seewiesen in Brandenburg, glaubt: Von nasseren Mooren kann nicht nur das Klima profitieren, auch die Landwirte gewinnen. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Die WiedervernĂ€ssung von Mooren, wie hier in Schleswig-Holstein, soll Treibhausgase im Boden halten. (Archivbild) - Foto: Frank Molter/dpa
Eine mögliche Bewirtschaftung fĂŒr nasse FlĂ€chen bieten WasserbĂŒffel, die mit dem feuchten Untergrund gut zurechtkommen. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Umweltminister Carsten Schneider (SPD); hier bei einem Besuch der wiedervernĂ€ssten Möllmer Seewiesen in Brandenburg, glaubt: Von nasseren Mooren kann nicht nur das Klima profitieren, auch die Landwirte gewinnen. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Die WiedervernĂ€ssung von Mooren, wie hier in Schleswig-Holstein, soll Treibhausgase im Boden halten. (Archivbild) - Foto: Frank Molter/dpa

Mit staatlicher Förderung will Bundesumweltminister Carsten Schneider die klimaschonende Bewirtschaftung von Mooren attraktiv machen. Die Moore könnten so «wieder die natĂŒrliche Klima-Anlage werden, die sie jahrtausendelang waren», sagte der SPD-Politiker in Berlin. 

Mehr als 90 Prozent der ursprĂŒnglichen Moorböden in Deutschland sind heute nach Angaben des Ministeriums trockengelegt. Nass seien nur noch rund 100.000 Hektar. Die Förderung soll diese FlĂ€che um 90.000 Hektar erweitern, also fast verdoppeln. 

Was Moore fĂŒr das Klima leisten

Moore können viel schÀdliche Treibhausgase speichern und helfen so beim Klimaschutz. Wenn sich die torfigen Moorböden im trockenen Zustand zersetzen, geben sie Kohlenstoff ab. Wenn die Böden wieder nass werden, wird dieser Prozess gestoppt oder sogar umgekehrt. 

Großes Lob kam von UmweltverbĂ€nden. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sprach von einem Meilenstein. «In Zeiten von DĂŒrre und Starkregen sind nasse Moore unverzichtbar: Sie speichern Wasser, sichern Ernten und stabilisieren unsere Trinkwasserversorgung.» Nötig seien nun aber auch deutlich schnellere Genehmigungsverfahren, Anreize etwa fĂŒr die RĂŒckhaltung von Wasser und die klare Verankerung des Moorschutzes in der Raumplanung. 

Moore als Klimaschutz-«VerbĂŒndete»

Der Deutsche Naturschutzring nannte die PlĂ€ne einen «Game Changer», die WiedervernĂ€ssung sei einer der wirksamsten Hebel, um die Treibhausgasemissionen in der Landnutzung zu senken. «WĂ€hrend entwĂ€sserte Moorböden in Deutschland enorme Mengen CO? freisetzen, sind nasse Moore unsere natĂŒrlichen VerbĂŒndeten im Kampf gegen die Klimakrise.»

Über geförderte Naturschutzprojekte sei es bislang gelungen, 1.600 Hektar Moor wieder zu vernĂ€ssen, sagte Schneider. «Wir können dabei aber nicht stehen bleiben, sondern brauchen mehr, denn ĂŒber 80 Prozent der entwĂ€sserten Moorböden werden bisher land- und forstwirtschaftlich genutzt.»

Was passiert, wenn Moore trockengelegt werden

In der Vergangenheit wurden Moore entwĂ€ssert, um Wiesen und Äcker zu gewinnen und Torf abzubauen, der als Brennstoff genutzt wurde. Doch inzwischen wisse man um die Nebenwirkungen, sagte Schneider. «Landwirtschaft auf trockenen Moorböden wird mit der Zeit immer schwieriger und irgendwann unmöglich. Wasser geht der Region verloren, der Grundwasserspiegel sinkt ab, WĂ€lder vertrocknen immer mehr und der im Boden gebundene Kohlenstoff entweicht in die AtmosphĂ€re und heizt den Planeten immer weiter auf.» 

Obwohl Moore nur einen kleinen Teil der LandesflĂ€che ausmachten, verursachten sie rund 7 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen, ĂŒber 50 Millionen Tonnen. 

Was Schneider fördern will

Nach Jahrhunderten der EntwĂ€sserung gehe es nun um «eine historische Trendwende im VerhĂ€ltnis zwischen Mensch und Natur», sagte Schneider. Die Grundidee der UnterstĂŒtzung: Eine schonende Bewirtschaftung der wertvollen FlĂ€chen soll sich finanziell lohnen. Mit dem Ansatz ist Deutschland laut Schneider in Europa Pionier. 

«Mit diesem Angebot können wir den Moor-Regionen in Deutschland und vor allem den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben eine echte Zukunftsperspektive geben», erklĂ€rte Schneider. Die Wirkung reiche weit ĂŒber die geförderte FlĂ€che hinaus. 

Mit der «nassen Landwirtschaft» könne man das Wasser in der FlÀche halten, ohne die wirtschaftliche Nutzung aufzugeben. Rund sieben Prozent der deutschen AgrarflÀche entfalle auf entwÀsserte Moorböden.

«Niemand wird gezwungen»

Schneider betonte, dass es um die Zusammenarbeit mit den Landwirten gehe. «Niemand wird gezwungen, seine FlĂ€chen nass zu bewirtschaften», versprach er. Der Deutsche Bauernverband mahnte an, eine Förderung könne nur erfolgreich sein, wenn es auch lĂ€ngerfristig wirtschaftliche Perspektiven mit marktbasierten AnsĂ€tzen fĂŒr eine dauerhafte Nutzung der FlĂ€chen gebe. 

Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der die neue Förderung mit erarbeitet hat, sagte, das sei eine riesige Chance fĂŒr die Forst- und Landwirtschaft. «Moorböden wiederzuvernĂ€ssen ist Klimaschutz als GeschĂ€ftsmodell. Sei es der Anbau von Schilf als Baustoff fĂŒr DĂ€cher oder Fleisch aus der Haltung von WasserbĂŒffeln – hier liegen neue Einkommenschancen fĂŒr unsere Höfe. Auch innovative Nutzungsformen wie Moor-Photovoltaik sind möglich.»

Was sich aus Moorpflanzen machen lÀsst

Geld soll fließen fĂŒr die WiedervernĂ€ssung, fĂŒr den Ausgleich von Wertverlusten bei Eigentum und Nutzung und den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten fĂŒr Produkte aus Moorpflanzen. Das können laut Ministerium zum Beispiel Fasern fĂŒr Papier, Kartons oder Baumaterialien sein. Bewerben können sich EigentĂŒmer, Bewirtschafter und VerbĂ€nde. ZuschĂŒsse sollen bis zu 100 Prozent möglich sein. 

Die Bundesregierung stellt dafĂŒr bis Ende 2029 rund 1,75 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. Die EU-Kommission hat die Förderung bereits genehmigt. FörderfĂ€hig ist neben einer schonenden Bewirtschaftung auch eine Stilllegung von FlĂ€chen.

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