Pflege, Initiative

Pflege: Warnung vor weiter wachsender Personalnot

26.06.2023 - 14:27:00

PflegekrÀfte werden in Deutschland hÀnderingend gesucht. Eine Initiative schlÀgt Alarm: Bis 2030 könnte es einen zusÀtzlichen Bedarf von fast 100.000 Vollzeitstellen geben.

Bei PflegekrĂ€ften in Pflegeheimen und bei ambulanten Diensten droht sich die Personalnot laut einer Berechnung weiter zu verschĂ€rfen. Bis 2030 könnte es einen zusĂ€tzlichen Bedarf von bis zu 99.000 Vollzeitstellen geben - ausgehend von 655.000 Stellen 2021, teilte die «Initiative fĂŒr eine nachhaltige und generationengerechte Pflegereform» nach einer eigenen Hochrechnung auf Basis verschiedener Szenarien mit.

Ihr gehören VerbĂ€nde von Arbeitgebern und privater Krankenversicherung an. Nach Angaben der Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) bleibt die Branche massiv von Personalmangel betroffen.

«Die Pflege gehört seit vielen Jahren zu den Engpassberufen», sagte BA-Vorstandsmitglied Daniel Terzenbach der Deutschen Presse-Agentur in NĂŒrnberg. Die Zahl der Mitarbeitenden sei auf 1,7 Millionen Menschen im September 2022 gestiegen - ein Plus von zehn Prozent in fĂŒnf Jahren. Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten ĂŒber alle Branchen im selben Zeitraum sei um sechs Prozent gestiegen.

Qualifizierung von Bedeutung

Jedoch fehle es an FachkrĂ€ften. «Der Bedarf ist ungebrochen hoch», betonte er. «Die Zahl der gemeldeten Stellen ĂŒbersteigt die Zahl der Arbeitslosen deutlich». Allerdings: Bei den weniger qualifizierten Pflegehelfern sei die Situation umgekehrt. Dort gebe es mehr Bewerber als Stellen.

Deshalb sei die Qualifizierung - auch im Betrieb - eine entscheidende Komponente, erlĂ€uterte Terzenbach. Ein wichtiger Schritt sei durch die Erstattung des frĂŒher von Auszubildenden zu zahlenden Schulgeldes erfolgt. Dennoch könnten auch die Arbeitgeber noch etwas mehr tun. «Wir können das fördern», sagte der BA-Vorstand.

Ziel sei, aus der HelfertĂ€tigkeit heraus in die FachkrafttĂ€tigkeit zu qualifizieren. Dies sei insbesondere ein Thema fĂŒr Menschen, die aus dem Ausland kĂ€men. Reglementierungen im deutschen System bei der Anerkennung auslĂ€ndischer Ausbildungen fĂŒhrten dazu, dass die Menschen nur als Hilfskraft eingesetzt werden könnten. Die Frage mĂŒsse gelöst werden.

Forderungen der Initiative

Die Initiative erlĂ€uterte, laut ihrer Hochrechnung könnten bis 2040 rund 190.000 zusĂ€tzliche Vollzeitstellen benötigt werden, und mahnte: Allein auf Zuwanderung von PflegekrĂ€ften zu hoffen, reiche nicht aus. Potenziale im Inland mĂŒssten genutzt werden.

Um die AttraktivitĂ€t des Berufes zu steigern, sollten FachkrĂ€fte mehr Befugnisse erhalten und mit Digitalisierung von bĂŒrokratischen Aufgaben entlastet werden. Bei Personaleinsatz und Personalvorgaben sei mehr FlexibilitĂ€t nötig. GestĂ€rkt werden sollten Maßnahmen zur Vorbeugung. Es gelte besonders, die Kompetenzen Ă€lterer Menschen zu stĂ€rken und ihnen einen lĂ€ngeren Verbleib zu Hause zu ermöglichen.

Selbst in einem Szenario mit moderater demografischer Entwicklung, anteilig sinkender Pflegeheimbewohnerschaft an der Gesamtzahl der PflegebedĂŒrftigen und einer gleichbleibenden Personalausstattung im ambulanten Sektor steige der Bedarf an zusĂ€tzlichen Stellen in den nĂ€chsten 10 bis 15 Jahren deutlich, heißt es in der Analyse.

Der Initiative gehören unter anderem der Arbeitgeberverband Pflege, der Bundesverband der Betreuungsdienste, die Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbÀnde, die VerbÀnde der Familienunternehmer, der Jungen Unternehmer und der privaten Krankenversicherung an.

@ dpa.de