Physik-Nobelpreis, Francis Halzen

Physik-Nobelpreis 2026 geht an Francis Halzen für IceCube und Neutrino-Forschung

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 11:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der belgisch-amerikanische Teilchenforscher Francis Halzen erhält den Physik-Nobelpreis 2026 für entscheidende Beiträge zum Neutrino-Observatorium IceCube. Mit der Anlage im antarktischen Eis lassen sich hochenergetische Neutrinos aus dem fernen Universum nachweisen.

  • Die Rückseite der Nobel-Medaille für Physik stellt die Natur in Form einer Göttin dar, die aus den Wolken auftaucht und ein Füllhorn hält. (Illustration) - Bild: Stefanie Loos/AP-Pool/dpa
    Die Rückseite der Nobel-Medaille für Physik stellt die Natur in Form einer Göttin dar, die aus den Wolken auftaucht und ein Füllhorn hält. (Illustration) - Bild: Stefanie Loos/AP-Pool/dpa
  • Der renommierte Preis wird in der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm verkündet. - Bild: Steffen Trumpf/dpa
    Der renommierte Preis wird in der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm verkündet. - Bild: Steffen Trumpf/dpa
  • Ellen Moons ist die erste Generalsekretärin in der Geschichte der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften. - Bild: Patrik Lundin/KVA/dpa
    Ellen Moons ist die erste Generalsekretärin in der Geschichte der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften. - Bild: Patrik Lundin/KVA/dpa
Die Rückseite der Nobel-Medaille für Physik stellt die Natur in Form einer Göttin dar, die aus den Wolken auftaucht und ein Füllhorn hält. (Illustration) - Bild: Stefanie Loos/AP-Pool/dpa Der renommierte Preis wird in der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm verkündet. - Bild: Steffen Trumpf/dpa Ellen Moons ist die erste Generalsekretärin in der Geschichte der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften. - Bild: Patrik Lundin/KVA/dpa

Der Physik-Nobelpreis 2026 geht an den belgisch-amerikanischen Teilchenforscher Francis Halzen für entscheidende Beiträge zum Neutrino-Observatorium IceCube und zur Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs.

Detektor im antarktischen Eis

Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Halzen erkannte, dass sich das Eis am Südpol zur Verfolgung von Neutrinos nutzen lässt.

Seine wissenschaftliche Vision und Führungsrolle waren nach Angaben der Akademie grundlegend für IceCube. Das Observatorium umfasst einen Kubikkilometer Eis, der mit Sensoren ausgestattet ist. Damit können Forscher Neutrinos aus extrem energiereichen Prozessen im fernen Universum erfassen.

Nachweis seltener Teilchen

Neutrinos werden wegen ihrer schwer fassbaren Eigenschaften auch Geisterteilchen genannt. Sie besitzen keine elektrische Ladung, fast keine Masse und reagieren nur sehr schwach mit normaler Materie. Deshalb ist ihr Nachweis besonders schwierig.

Im Mittel treffen jede Sekunde zehn Milliarden Neutrinos auf jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche. Große Detektoranlagen wie IceCube sollen wenigstens einige dieser Teilchen nachweisen. Bei einer Wechselwirkung mit einem Atomkern kann ein Lichtblitz entstehen, den die Sensoren im Eis registrieren.

Preisgeld und Nobelpreis-Woche

Der Physik-Nobelpreis ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund eine Million Euro. Die Nobelstiftung hatte das Preisgeld zu ihrem 125-jährigen Bestehen um eine Million Kronen angehoben.

Die Namen der Physik-, Chemie- und Wirtschaftspreisträger werden 2026 erstmals von Ellen Moons verkündet. Die gebürtige Belgierin ist seit Jahresbeginn Generalsekretärin der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften und die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie im Jahr 1739.

Weitere Auszeichnungen

Am Montag war der Medizin-Nobelpreis an Peter Hegemann von der Humboldt-Universität Berlin, Georg Nagel von der Universität Würzburg und den US-Forscher Karl Deisseroth vergeben worden. Sie werden für Entdeckungen zur Optogenetik ausgezeichnet, mit der sich Zellen mithilfe von Licht präzise an- und abschalten lassen.

Am Mittwoch wird der Chemie-Nobelpreis bekanntgegeben, am Donnerstag und Freitag folgen Literatur- und Friedensnobelpreis. Die Bekanntgaben enden am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschaftsnobelpreis. Die feierliche Überreichung findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, statt.

Ein neues Fenster zum Universum

Der Physik-Nobelpreis würdigt eine Messmethode, die kosmische Vorgänge nicht über Licht, sondern über Neutrinos untersucht. Diese Teilchen entstehen unter anderem in extrem energiereichen astrophysikalischen Umgebungen und können lange Strecken zurücklegen, ohne ihre Richtung oder Energie wesentlich zu verändern. Dadurch liefern sie Informationen über Quellen, die mit herkömmlichen Teleskopen nur schwer zu analysieren sind.

Warum der Südpol entscheidend ist

IceCube nutzt das klare, stabile Eis am Südpol als riesigen Detektor. Wenn ein Neutrino äußerst selten mit einem Atomkern wechselwirkt, entsteht ein schwacher Lichtblitz, den Sensoren im Eis registrieren. Für die Beobachtung der seltenen hochenergetischen Ereignisse ist das große Volumen entscheidend: Das Observatorium erstreckt sich über rund einen Kubikkilometer Eis und wurde 2011 fertiggestellt.

Bedeutung für die Forschung

Mit der Entdeckung astrophysikalischer Hochenergie-Neutrinos begann die systematische Suche nach ihren kosmischen Quellen. Die Daten können helfen, natürliche Teilchenbeschleuniger im Universum und die dort ablaufenden Prozesse zu verstehen. Für die Öffentlichkeit macht die Auszeichnung zugleich sichtbar, dass Grundlagenforschung oft über Jahrzehnte hinweg Instrumente hervorbringt, deren Nutzen zunächst vor allem in einem präziseren Bild der Natur liegt.

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