Pokal von Trump: Spaniens Weltmeister lassen Messi weinen
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 01:13 Uhr | dpa.deLionel Messi weinte nach dem geplatzten WM-Traum bitterlich vor Argentiniens Fans, die spanischen Weltmeister begannen nach der PokalĂŒbergabe von Donald Trump ihre rauschende Titelparty. Als Rodri die goldene TrophĂ€e um 18:43 Uhr Ortszeit aus den HĂ€nden des US-PrĂ€sidenten erhielt, wartete der KapitĂ€n noch einen Moment, ehe sich Trump aus der Mitte des spanischen Teams entfernte - und reckte den Pokal erst dann in den Himmel von East Rutherford.
Auf dem Weg zur Siegerehrung waren Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino mit lauten Buhrufen bedacht worden. Denn die groĂe BĂŒhne sollte nach Meinung der Fans den Sportlern gehören. Held des Abends wurde in dem lange einseitigen Endspiel nicht Messi oder Lamine Yamal, sondern Joker Ferran Torres, der beim 1:0 (0:0, 0:0) nach VerlĂ€ngerung das entscheidende Tor schoss.Â
«Ich bin stolz, stolz auf diese Mannschaft und auf diese Generation, die sich mit dieser Spielidee durchgesetzt hat», sagte Spaniens Trainer Luis de la Fuente nach dem Sieg ĂŒber den entthronten Titelverteidiger.
Argentiniens Trainer: MĂŒssen GröĂe zeigen
FĂŒr den 39 Jahre alten Messi war es die wohl letzte Chance, sich nach 2022 ein zweites Mal zu krönen. Argentiniens Superstar wirkte zunĂ€chst beherrscht, begann mit der Silbermedaille um den Hals dann doch noch zu schluchzen.
«Ich empfinde jetzt Traurigkeit, aber vor allem verspĂŒre ich unendliche Dankbarkeit gegenĂŒber diesen Jungs, denn so weit zu kommen, erfordert eine enorme Anstrengung. Wir zeigen GröĂe im Sieg und mĂŒssen sie auch in der Niederlage zeigen», sagte Argentiniens Trainer Lionel Scaloni. Die Albiceleste hatte sich den Titel mit ihrem destruktiven Auftritt im Endspiel auch nicht wirklich verdient.
Stattdessen belohnte Torres die ĂŒberlegenen Spanier. «Ich denke, dass wir durch dieses Tor endlich erlöst wurden», sagte Torres, der die komplette WM nur als Joker fungierte. «Gegen Messi bist du immer nervös, aber wir haben immer an uns geglaubt.» Der groĂe Moment des FuĂball-Genies blieb diesmal aus.
De la Fuente triumphiert als Àltester Trainer der WM-Historie
Aus den Boxen dröhnte in den Minuten nach dem Abpfiff vor 80.663 Zuschauern der Party-Klassiker Eviva España. Vor dem Triumph unweit von New York, bei dem Spanien ĂŒber die komplette Spieldauer dominierte, hatten die Iberer den wichtigsten Pokal im WeltfuĂball 2010 in SĂŒdafrika geholt.
Torres hatte in der 106. Minute das entscheidende Tor fĂŒr die Spanier erzielt. Der 65 Jahre alte de la Fuente gewann als Ă€ltester Trainer der WM-Historie den Titel. Argentiniens Mittelfeldmann Enzo FernĂĄndez musste in der Nachspielzeit der regulĂ€ren Spielzeit wegen eines Foulspiels mit Gelb-Rot vom Rasen. Die erste Verwarnung hatte er vom slowenischen Schiedsrichter Slavko Vincic wegen Reklamierens gesehen.
Trump, Infantino und etliche Stars schauen zu
Neben US-PrĂ€sident Trump und FIFA-Boss Infantino saĂen zahlreiche weitere Promis aus der Sport- und Show-Welt auf der TribĂŒne: Tom Cruise, Rihanna, David Beckham und Jay-Z etwa. Sie sahen eine zĂ€he erste Halbzeit - und dann eine klare Steigerung der Spanier.
Die Argentinier hĂ€tten als drittes Team nach Italien (1934, 1938) und Brasilien (1958, 1962) den WM-Titel erfolgreich verteidigen können. Stattdessen wurde der Champion von 2022 entthront. Messi, der achtmalige WeltfuĂballer, war im Endspiel kaum zu sehen, in der VerlĂ€ngerung senkte sich eine Flanke auf das Tornetz. Generell enttĂ€uschte Argentiniens Offensive komplett und blieb ĂŒber die ersten 110 Minuten vollkommen wirkungslos.
Argentinien setzt auf Messi - Spanien auf Kontrolle
Messi hatte die Argentinier bei seiner sechsten WM ins Finale getragen. Und das nicht nur mit seinen Toren und Vorlagen. Der Routinier ist fĂŒr die Teamkollegen Idol und Fixpunkt gleichermaĂen. Wann immer es eng fĂŒr sie wurde, suchten sie den Ausnahmekönner in der Offensive. So kĂ€mpfte sich die Albiceleste in der K.-o.-Phase Runde fĂŒr Runde weiter. Mit spĂ€ten Aufholjagden und zweimal sogar ĂŒber die VerlĂ€ngerung.
Spaniens Lamine Yamal und Argentiniens Messi standen schon vor der Partie im Fokus - nicht zuletzt wegen ihres legendĂ€ren gemeinsamen Badewannen-Fotos vor knapp 19 Jahren. Und sie hatten auch gleich die ersten Szenen im Spiel.Â
Ein Abschluss von Yamal landete in den Armen von Argentinien-Keeper Emiliano MartĂnez (5.). Im Gegenzug tauchte Messi, der als erster Spieler der WM-Historie sein drittes Finale von Beginn an bestritt, frei vor Unai SimĂłn auf. Doch Spaniens Schlussmann eilte rechtzeitig aus seinem Kasten und klĂ€rte.
Ansonsten? Viele PÀsse beim Europameister und zunÀchst nur wenig Spektakel. Die Spanier streuten auf dem viel kritisierten Finalrasen von East Rutherford ungewohnte Ungenauigkeiten ein, die auf Konter lauernden Argentinier konnten die Angebote aber nicht nutzen.
Womöglich hatten de la Fuente und Scaloni ihre Mannschaften aber auch einfach perfekt auf den jeweiligen Gegner eingestellt. Die beiden Coaches sind befreundet. De la Fuente war einst Scalonis Lehrer, als der in einem Sonderprogramm des spanischen Verbands seinen Trainerschein machte.
Spanien erhöht den Druck - Fernåndez fliegt
Nach der stimmungsvollen Halbzeit-Show mit den Popstars Madonna, Shakira und Justin Bieber hofften die Fans im gigantischen Football-Stadion vor den Toren New Yorks auch auf mehr sportliche Unterhaltung. Spaniens Ălex Baena versuchte sich direkt, sein Schuss war aber zu ungenau (46.).
Nach und nach entwickelten die Iberer mit ihrem Kombinationsspiel nun aber mehr Zug zum Tor. De la Fuente versuchte, die Offensive unter anderem durch die Hereinnahmen von Pedri und Torres vom FC Barcelona weiter anzukurbeln. Dazu zeigte der ansonsten herausragende MartĂnez im Tor der Argentinier Unsicherheiten - vor allem bei einem Schuss des frĂŒheren Leipzigers Dani Olmo (64.).
Torres trifft in der VerlÀngerung
Die Spanier erhöhten zunehmend den Druck, MartĂnez musste mehrfach eingreifen - auch gegen Yamal (90.+8). Von Argentinien kam offensiv weiter gar nichts. Als FernĂĄndez nach einem Foul vom Feld musste, ging es fĂŒr den Titelverteidiger nur noch darum, sich ins ElfmeterschieĂen zu retten.
Dann erlöste Torres die Spanier direkt zum Start der zweiten Halbzeit in der VerlÀngerung. Per Direktabnahme verwandelte der Joker mit links und machte damit Spaniens zweiten WM-Triumph perfekt - 2010 hatte Andrés Iniesta gegen die Niederlande ebenfalls das 1:0-Siegtor in der VerlÀngerung geschossen.
