Trauerstaatsakt, Wolfgang

Trauerstaatsakt fĂŒr Wolfgang SchĂ€uble in Berlin

22.01.2024 - 16:30:49

Politik und Gesellschaft nehmen Abschied von Wolfgang SchĂ€uble. Über die Parteigrenzen hinweg wird er als großer Demokrat, EuropĂ€er und Freund Frankreichs gewĂŒrdigt. Aus Paris kommt ein besonderer Redner.

  • CDU-Chef Friedrich Merz: «Wir verneigen uns vor einem wahren Staatsmann unseres Landes.» - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron spricht beim Trauerstaatsakt fĂŒr Wolfgang SchĂ€uble im Plenarsaal des Bundestags. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • «Deutschland hat einen Staatsmann verloren. Europa hat eine SĂ€ule verloren. Frankreich hat einen Freund verloren», sagt Emmanuel Macron. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Altkanzlerin Angela Merkel schreibt ins Kondolenzbuch. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Ein Bild von Wolfgang SchĂ€uble vor dem Gedenkgottesdienst anlĂ€sslich des Trauerstaatsaktes fĂŒr ihn im Berliner Dom. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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  • Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron spricht beim Trauerstaatsakt fĂŒr Wolfgang SchĂ€uble im Plenarsaal des Bundestags. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • «Deutschland hat einen Staatsmann verloren. Europa hat eine SĂ€ule verloren. Frankreich hat einen Freund verloren»: Emmanuel Macron. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Merkels Eintrag ins Kondolenzbuch. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Ex-BundesprĂ€sidenten im GesprĂ€ch: Horst Köhler (v.l.), Christian Wulff und Joachim Gauck. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Wolfgang SchĂ€ubles Witwe Ingeborg SchĂ€uble (M) wird von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke BĂŒdenbender in den Berliner Dom gefĂŒhrt. Dahinter: BundestagsprĂ€sidentin, BĂ€rbel Bas, Bundeskanzler Olaf Scholz und der PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth. - Foto: Annegret Hilse/Reuters/Pool/dpa

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  • Beim Gedenkgottesdienst im Berliner Dom wĂŒrdigte die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs, die Vorbildfunktion SchĂ€ubles. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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CDU-Chef Friedrich Merz: «Wir verneigen uns vor einem wahren Staatsmann unseres Landes.» - Foto: Kay Nietfeld/dpaFrankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron spricht beim Trauerstaatsakt fĂŒr Wolfgang SchĂ€uble im Plenarsaal des Bundestags. - Foto: Kay Nietfeld/dpa«Deutschland hat einen Staatsmann verloren. Europa hat eine SĂ€ule verloren. Frankreich hat einen Freund verloren», sagt Emmanuel Macron. - Foto: Kay Nietfeld/dpaAltkanzlerin Angela Merkel schreibt ins Kondolenzbuch. - Foto: Michael Kappeler/dpaEin Bild von Wolfgang SchĂ€uble vor dem Gedenkgottesdienst anlĂ€sslich des Trauerstaatsaktes fĂŒr ihn im Berliner Dom. - Foto: Sebastian Gollnow/dpaFrankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron spricht beim Trauerstaatsakt fĂŒr Wolfgang SchĂ€uble im Plenarsaal des Bundestags. - Foto: Michael Kappeler/dpa«Deutschland hat einen Staatsmann verloren. Europa hat eine SĂ€ule verloren. Frankreich hat einen Freund verloren»: Emmanuel Macron. - Foto: Michael Kappeler/dpaMerkels Eintrag ins Kondolenzbuch. - Foto: Michael Kappeler/dpaEx-BundesprĂ€sidenten im GesprĂ€ch: Horst Köhler (v.l.), Christian Wulff und Joachim Gauck. - Foto: Michael Kappeler/dpaWolfgang SchĂ€ubles Witwe Ingeborg SchĂ€uble (M) wird von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke BĂŒdenbender in den Berliner Dom gefĂŒhrt. Dahinter: BundestagsprĂ€sidentin, BĂ€rbel Bas, Bundeskanzler Olaf Scholz und der PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth. - Foto: Annegret Hilse/Reuters/Pool/dpaBeim Gedenkgottesdienst im Berliner Dom wĂŒrdigte die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs, die Vorbildfunktion SchĂ€ubles. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron und die Spitzen von Politik und Gesellschaft in Deutschland haben sich in einem bewegenden Staatsakt von dem im Alter von 81 Jahren gestorbenen CDU-Politiker Wolfgang SchĂ€uble verabschiedet. Macron wĂŒrdigte SchĂ€uble als Freund Frankreichs und großen EuropĂ€er. «Deutschland hat einen Staatsmann verloren. Europa hat eine SĂ€ule verloren. Frankreich hat einen Freund verloren», sagte der PrĂ€sident auf deutsch in seiner Trauerrede im ReichstagsgebĂ€ude in Berlin. SchĂ€ubles Wunsch, einen Franzosen im Bundestag sprechen zu lassen, sage viel ĂŒber dessen Vertrauen in Frankreich und Deutschland aus, ergĂ€nzte Macron.

Macron wĂŒrdigt SchĂ€uble auf Deutsch als großen Vordenker

Macron erinnerte auch an den Tod von Jacques Delors am 27. Dezember. «Nacheinander hat Europa zwei seiner großen Vordenker verloren.» Beide seien GrĂŒndervĂ€ter der europĂ€ischen Einigung und der Aussöhnung der Völker gewesen. «Zwei StaatsmĂ€nner, die fĂŒr ihre LĂ€nder und Europa alles gegeben haben.» Es seien zwei Leben als Bindeglieder und Vermittler gewesen. «Sie sind im Abstand von einer Nacht von uns gegangen und unser Herz als EuropĂ€er trĂ€gt nun zweifache Trauer.»

Mit der Unterzeichnung des ÉlysĂ©e-Vertrags am 22. Januar 1963 seien Deutschland und Frankreich in die Pflicht genommen worden, sich auszusöhnen, sagte Macron. «Diese Aufgabe lag in den HĂ€nden mehrerer Generationen. Zu ihnen gehören die GrĂŒndervĂ€ter Europas (...). Wolfgang SchĂ€uble zĂ€hlte zu dieser Generation der Baumeister.»

SchÀuble war lÀnger als jeder andere Bundestagsabgeordneter

Der frĂŒhere Kanzleramtschef, Bundesinnen- und Finanzminister, CDU-Vorsitzende und BundestagsprĂ€sident SchĂ€uble war am zweiten Weihnachtstag im Alter von 81 Jahren nach langer Krankheit in seiner Heimatstadt Offenburg gestorben. Dort wurde er auch beigesetzt. SchĂ€uble gehörte dem Bundestag 51 Jahre lang an - lĂ€nger als jede und jeder andere in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus.

Im Plenarsaal des Bundestages hatten sich neben der Familie SchĂ€ubles rund 1500 GĂ€ste aus Politik und Gesellschaft aus dem In- und Ausland versammelt, um sich von SchĂ€uble zu verabschieden. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier geleitete SchĂ€ubles Witwe Ingeborg zu Beginn zu ihrem Platz. Kanzler Olaf Scholz (SPD) saß direkt neben Macron.

WeggefÀhrten nehmen Abschied

Auf der BesuchertribĂŒne nahmen auch die frĂŒhere Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die Ex-BundesprĂ€sidenten Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck sowie die ehemaligen BundestagsprĂ€sidenten Rita SĂŒssmuth und Norbert Lammert (beide CDU) Platz. Merkel schrieb in das Kondolenzbuch: «Im Gedenken an eine spannende, herausfordernde und immer einem Kompromiss dienende Zusammenarbeit! Danke!» Umrahmt wurde der Festakt fĂŒr den Musik-Liebhaber SchĂ€uble von Mozart-Musik, er endete mit der Nationalhymne.

Bas: Deutschland verliert großen Demokraten

BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas (SPD) sagte: «Deutschland verliert einen großen Demokraten und Staatsmann. Europa einen Vordenker. Und Frankreich einen besonderen Freund.» FĂŒr SchĂ€uble sei die europĂ€ische Einigung ein Friedensprojekt gewesen, «die Lehre aus der deutschen Geschichte». Dass der Staatsakt zu SchĂ€ubles Ehren am Jahrestag des ÉlysĂ©e-Vertrages zur Aussöhnung der beiden einstigen Kriegsgegner Deutschland und Frankreich stattfinde, «hĂ€tte ihm gefallen».

Politische RĂŒckschlĂ€ge und persönliche SchicksalsschlĂ€ge habe SchĂ€uble weggesteckt, sagte Bas - seit dem Attentat eines geistig verwirrten Mannes auf ihn im Oktober 1990 saß SchĂ€uble im Rollstuhl. «Er machte weiter. FĂŒr die Demokratie. FĂŒr dieses Land. Und er hat Historisches vollbracht», erinnerte sie an die Leistungen SchĂ€ubles als Architekt der Deutschen Einheit. SchĂ€uble habe gewusst: «Unsere Demokratie ist nicht selbstverstĂ€ndlich. Sie ist es wert, verteidigt zu werden. Und sie muss verteidigt werden.» Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schrieb auf X (vormals Twitter): «Mit dem Staatsakt ehren wir einen großen EuropĂ€er und einen Politiker, der eines nie aus dem Blick verlor: das Leben der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger besser zu machen.»

Merz: «Danke, Wolfgang SchÀuble»

Unionsfraktionschef Friedrich Merz sagte: «Wir verneigen uns vor einem wahren Staatsmann unseres Landes, vor einem europĂ€ischen Staatsmann, vor einem streitbaren Demokraten, vor einer prĂ€genden Persönlichkeit der jĂŒngeren Geschichte unseres Landes. Danke, Wolfgang SchĂ€uble.» Dieser «wusste um die historische Bedeutung und um unsere besondere Verantwortung zusammen mit Frankreich».

SchĂ€uble sei nie mĂŒde geworden, darauf hinzuweisen, dass Deutschland «Verantwortung in und fĂŒr Europa» habe, aber auch Vertrauen in Europa brauche, sagte Merz, der SchĂ€uble einen persönlichen Freund nannte. «Dieses Vertrauen muss sich Deutschland immer wieder und bestĂ€ndig erarbeiten, verbunden mit der Bereitschaft, FĂŒhrungsverantwortung zu ĂŒbernehmen.» Dass Macron die Trauerrede halte, sei «Ausdruck eines solchen Vertrauens und ehrt uns alle».

Merz zitierte aus SchĂ€ubles Antrittsrede als ParlamentsprĂ€sident vom 24. Oktober 2017. Dieser habe damals dazu aufgerufen, das Vertrauen in das reprĂ€sentative Prinzip wieder zu stĂ€rken und hinzugefĂŒgt: «Ohne Parlamentarismus geht all das nicht.» Merz ergĂ€nzte: «Dieser Satz ist sein eigentliches politisches VermĂ€chtnis.»

Bischöfin Fehrs: SchÀuble gab vielen Menschen Kraft

Bei einem Gedenkgottesdienst im Berliner Dom wĂŒrdigte die evangelische Bischöfin und amtierende EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs die Vorbildfunktion SchĂ€ubles. Mit seinem «Hoffnungsmut» habe er unglaublich vielen Menschen Kraft gegeben. Fehrs nannte SchĂ€uble einen «imponierenden Antipopulisten», die gerade in diesen Zeiten gebraucht wĂŒrden. Sie fĂŒgte hinzu: «Wie wĂŒrde unser Land jetzt aussehen, wenn nicht ein so weitsichtiger Politiker wie er den deutschen Einigungsvertrag ausgehandelt hĂ€tte?»

@ dpa.de