Deutschland, Frankreich

Deutschland und Frankreich treiben Atom-Kooperation voran

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 15:37 Uhr, dpa.de

Politische Beratungen auf einem MilitĂ€rflugplatz – das gibt es nicht so oft. Merz und Macron setzen damit ein Zeichen fĂŒr eine Zusammenarbeit in einem besonderen Verteidigungsbereich.

  • In einer Wartungshalle auf dem MilitĂ€rflugplatz Nörvenich tagt der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    In einer Wartungshalle auf dem MilitÀrflugplatz Nörvenich tagt der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Merz und Macron besiegelten eine Kooperation von Deutschland und Frankreich bei der nuklearen Abschreckung. - Bild: Oliver Berg/dpa
    Merz und Macron besiegelten eine Kooperation von Deutschland und Frankreich bei der nuklearen Abschreckung. - Bild: Oliver Berg/dpa
In einer Wartungshalle auf dem MilitÀrflugplatz Nörvenich tagt der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Merz und Macron besiegelten eine Kooperation von Deutschland und Frankreich bei der nuklearen Abschreckung. - Bild: Oliver Berg/dpa

Frankreich und Deutschland gehen bei der frisch vereinbarten Kooperation bei der nuklearen Abschreckung nun in die konkrete Umsetzung. Unter Leitung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron tagte in einer Wartungshalle des MilitĂ€rflugplatz Nörvenich bei Köln eingerahmt von Rafale- und Eurofighter-Kampfjets der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat, um die erstmalige Beteiligung Deutschlands an einer französischen NuklearĂŒbung in die Wege zu leiten.

Die Kampfjets hatten bereits am Donnerstag an einer kleinen Übung teilgenommen, um den praktischen Beginn der Nuklear-Kooperation zu markieren. Sie wurden im französischen Luftraum von einem französischen Tankflugzeug mit Treibstoff versorgt. Das Ganze dauerte knapp zwei Stunden. Die Rafale sind fĂŒr den Einsatz von Atomwaffen ausgelegt.

Macron hatte europĂ€ischen Partnern bereits vor Jahren angeboten, unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs zu rĂŒcken. Neben Großbritannien ist es das einzige westeuropĂ€ische Land, das ĂŒber Atomwaffen verfĂŒgt. In Deutschland sind derzeit US-Atombomben als Teil der nuklearen Abschreckung der Nato stationiert, fĂŒr deren Einsatz im Ernstfall die Bundeswehr Kampfjets bereitstellt. Die Kooperation mit Frankreich soll die Nato-Abschreckung ergĂ€nzen und stĂ€rken.

Neun LĂ€nder wollen mit Frankreich kooperieren

Auch mit der Atommacht Großbritannien hat Frankreich eine nukleare Zusammenarbeit vereinbart. Sieben weitere LĂ€nder haben inzwischen positiv auf das französische Angebot reagiert: Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden, DĂ€nemark und zuletzt Norwegen.

Zum Umfang der Kooperation hatte Macron im MĂ€rz gesagt, dass Partner, wie nun demnĂ€chst Deutschland, an den französischen AtomĂŒbungen teilnehmen könnten. Außerdem könnten vorĂŒbergehend strategische Elemente zu den VerbĂŒndeten verlegt werden. Auch die französischen LuftstreitkrĂ€fte könnten tiefer in Europa unterwegs sein. «Diese Zerstreuung auf dem europĂ€ischen Gebiet (...) wird die Rechnung unserer Gegner erschweren und wird der vorgelagerten Abschreckung fĂŒr uns viel Wert verleihen», sagte Macron. Er betonte, die Entscheidung ĂŒber den Einsatz von Atomwaffen werde in jedem Fall beim französischen PrĂ€sidenten bleiben – ebenfalls dessen Planung und Umsetzung.

Macron plĂ€dierte schon 2020 wĂ€hrend der ersten Amtszeit von US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒr mehr europĂ€ische SouverĂ€nitĂ€t in den Bereichen Wirtschaft und Verteidigung. Den EU-VerbĂŒndeten bot er GesprĂ€che ĂŒber eine europĂ€ische nukleare Abschreckung auf Basis der französischen Atomwaffen an.

Merkel und Scholz wiesen das Angebot aus Paris ab

Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte davon aber nichts wissen. Auch ihr Nachfolger Olaf Scholz (SPD) hatte kaum Interesse. Der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte dagegen schon im Wahlkampf Sympathien fĂŒr Macrons Idee und erklĂ€rte sich nach seinem Amtsantritt zu GesprĂ€chen bereit.

Nun aber nahm die Diskussion ĂŒber das französische Angebot nicht nur in Deutschland Fahrt auf, denn in Europa sind die Zweifel an der VerlĂ€sslichkeit der USA als atomare Schutzmacht seit Beginn der zweiten Amtszeit Trumps vor ĂŒber einem Jahr in dramatischer Weise gewachsen. Nicht erst seit dem Konflikt mit den USA um die zu DĂ€nemark gehörende Insel Grönland reift die Erkenntnis, dass Europa seine AbhĂ€ngigkeiten auch von den USA verringern muss.

Derzeit basiert die atomare Abschreckung der Nato fast ausschließlich auf den US-Atomwaffen, von denen SchĂ€tzungen zufolge noch etwa 100 in Europa stationiert sein sollen – einige davon auf dem Fliegerhorst BĂŒchel in der Eifel. Auch in Belgien, den Niederlanden, Italien und in der TĂŒrkei sollen US-Atombomben lagern. Offizielle Angaben gibt es dazu nicht.

Wie stark sind die europÀischen AtommÀchte?

Die Atomwaffen Frankreichs und Großbritanniens, das der EU nicht mehr angehört, fungieren bei der nuklearen Abschreckung der Nato derzeit lediglich als ErgĂ€nzung. Nach SchĂ€tzungen des Friedensforschungsinstituts Sipri verfĂŒgen die USA ĂŒber 1.770 fĂŒr den Einsatz stationierte Atomwaffen, Frankreich ĂŒber 280 und Großbritannien ĂŒber 120 der weltweit etwa 12.200 Atomwaffen. Frankreich ist damit nach Russland, den USA und China die viertgrĂ¶ĂŸte Atommacht.

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