Kontroverse, RĂ€umung

Kontroverse ĂŒber RĂ€umung der Humboldt-Uni

24.05.2024 - 17:36:37

Polizisten rĂ€umten ein GebĂ€ude der Berliner Humboldt-UniversitĂ€t, das von propalĂ€stinensischen Aktivisten besetzt war. Nun herrscht Uneinigkeit darĂŒber, wer die Entscheidung dafĂŒr traf. Und nicht nur darĂŒber.

  • Ein Teil der Aktivisten verließ die RĂ€ume freiwillig, ein weiterer Teil wurde von der Polizei hinausgefĂŒhrt. - Foto: Christophe Gateau/dpa

    Christophe Gateau/dpa

  • PropalĂ€stinensische Aktivisten hatten RĂ€ume der Humboldt-UniversitĂ€t aus Protest gegen Israel und zur UnterstĂŒtzung der PalĂ€stinenser besetzt. - Foto: Soeren Stache/dpa

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Ein Teil der Aktivisten verließ die RĂ€ume freiwillig, ein weiterer Teil wurde von der Polizei hinausgefĂŒhrt. - Foto: Christophe Gateau/dpaPropalĂ€stinensische Aktivisten hatten RĂ€ume der Humboldt-UniversitĂ€t aus Protest gegen Israel und zur UnterstĂŒtzung der PalĂ€stinenser besetzt. - Foto: Soeren Stache/dpa

Die RÀumung eines von propalÀstinensischen Aktivisten besetzten GebÀudes der Berliner Humboldt-UniversitÀt (HU) hat eine Kontroverse zwischen Berliner UniversitÀten und Landesregierung ausgelöst. Nach Angaben von HU-PrÀsidentin Julia von Blumenthal wurde die RÀumung auf Druck des Senats veranlasst.

Die Anweisung sei «von ganz oben gekommen», sagte sie am Donnerstagabend. Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) widersprach. Die Entscheidung sei gemeinsam mit der UniversitĂ€t getroffen worden, erklĂ€rte sie. Die Beendigung der Aktion sei Thema in einem GesprĂ€ch mit dem Regierenden BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU), Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und von Blumenthal gewesen.

Die PrĂ€sidentin der Technischen UniversitĂ€t Berlin (TU) sprang ihrer Amtskollegin zur Seite. Sie nannte das Vorgehen Wegners und Czyborras «Àußerst befremdlich». «Frau von Blumenthal hĂ€tte auch ohne Anweisung von oben rĂ€umen lassen, wenn der Dialog endgĂŒltig gescheitert wĂ€re. Nicht nur zeigt dies mangelndes Vertrauen in die Hochschulleitungen, es untergrĂ€bt auch die Hochschulautonomie an sich.»

Wegner: «Dulden keinen Antisemitismus, Hass und Hetze an unseren UniversitÀten»

Wegner erklÀrte dazu: «Wenn die TU-PrÀsidentin meint, es sei ein neuer Stil, dann hat sie völlig recht.» Und ergÀnzte: «Ich lege sehr viel Wert auf die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit, aber antisemitische Straftaten sind keine Meinung.»

Der Regierende BĂŒrgermeister verteidigte das Vorgehen gegen die propalĂ€stinensischen Besetzer. «Ich werde das nicht durchgehen lassen, wir dulden keinen Antisemitismus, Hass und Hetze an unseren UniversitĂ€ten», unterstrich der CDU-Politiker. «JĂŒdische Studentinnen und Studenten mĂŒssen angstfrei an den Hochschulen studieren können.»

PropalĂ€stinensische Aktivisten hatten am Mittwoch HU-RĂ€ume aus Protest gegen Israel und zur UnterstĂŒtzung der PalĂ€stinenser besetzt. In der NĂ€he des GebĂ€udes gab es eine Kundgebung, bei der die Polizei in der Spitze rund 300 Demonstrantinnen und Demonstranten zĂ€hlte. Die UniversitĂ€tsleitung duldete die Besetzung zunĂ€chst und setzte auf einen Dialog mit Besetzern und Wissenschaftlern. Am Donnerstagabend veranlasste UniversitĂ€tsprĂ€sidentin von Blumenthal dann die RĂ€umung.

Rund 530 Polizisten im Einsatz

Die RĂ€umung löste einen Großeinsatz der Polizei aus. Rund 530 Polizistinnen und Polizistinnen waren im Einsatz, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Am Donnerstagabend fĂŒhrten die Beamten etwa 170 propalĂ€stinensische Aktivistinnen und Aktivisten aus dem GebĂ€ude des Instituts fĂŒr Sozialwissenschaften.

Davon hielten sich 50 Besetzer im Hof auf und weitere 120 im GebĂ€ude. 20 von ihnen hĂ€tten sich im Obergeschoss des vierstöckigen GebĂ€udes verbarrikadiert. «Zur Öffnung der verbarrikadierten TĂŒr musste eine Ramme eingesetzt werden.» Nach Polizeiangaben wurde die IdentitĂ€t von 169 Besetzern festgestellt. Es wurden 25 Strafermittlungsverfahren eingeleitet.

Von Blumenthal sagte im RBB-Inforadio, dass die RĂ€umung immer eine Option gewesen sei - auch wenn sie aus ihrer Sicht letztendlich zu frĂŒh begonnen habe. «Wir waren (...) in der Situation dort in einem Dialog, und aus unserer Sicht hĂ€tten wir noch etwas Zeit gebraucht, um zu sehen, ob wir selbst diesen Dialog zu einem Ergebnis fĂŒhren können oder nicht», sagte von Blumenthal dazu.» LĂ€nger als ĂŒber den Abend hinaus hĂ€tte die UniversitĂ€t die Besetzung allerdings nicht geduldet.

@ dpa.de