Raffinerien: Reiche startet Strategie fĂŒr elf Standorte
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 13:37 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKellners Kritik an Reiches Ălpolitik
- Michael Kellner bezeichnet Reiches Vorhaben als Versuch einer âLaufzeitverlĂ€ngerung fĂŒr Ălâ.
- Die GrĂŒnen fordern UnterstĂŒtzung fĂŒr neue grĂŒne GeschĂ€ftsfelder der Raffinerien.
- Reiche startete am Freitag den Prozess fĂŒr eine Strategie zur langfristigen Sicherung von elf Raffinerien.
GrĂŒne weisen Reiches RaffinerieplĂ€ne zurĂŒck
Die GrĂŒnen kritisieren die PlĂ€ne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum Erhalt der Raffinerien in Deutschland als VerlĂ€ngerung fossiler GeschĂ€ftsmodelle. Der energiepolitische Sprecher der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, bezeichnete die Raffineriestrategie als Versuch, eine âLaufzeitverlĂ€ngerung fĂŒr Ălâ zu erreichen.
Kellner fordert grĂŒne GeschĂ€ftsfelder
Raffinerien brĂ€uchten UnterstĂŒtzung fĂŒr neue grĂŒne GeschĂ€ftsfelder, sagte Kellner der âRheinischen Postâ. Staatliche Hilfe dĂŒrfe nicht dazu dienen, den klima- und naturzerstörenden Ălverbrauch zu verlĂ€ngern.
Der Ălverbrauch in Deutschland sinke, erklĂ€rte der GrĂŒnen-Politiker. Dieser Prozess mĂŒsse beschleunigt fortgesetzt werden, um eine gröĂere UnabhĂ€ngigkeit von Donald Trump, Wladimir Putin und weiteren Akteuren zu erreichen.
Strategieprozess fĂŒr elf Standorte
Reiche startete an diesem Freitag den Prozess zur Erarbeitung einer Raffineriestrategie. Ziel ist es, die elf bestehenden Raffinerien in Deutschland langfristig zu sichern.
Das Wirtschaftsministerium will dazu einen Dialog mit der Mineralölwirtschaft fĂŒhren. In den Prozess sollen auĂerdem BundeslĂ€nder, Gewerkschaften und betroffene Industriezweige einbezogen werden; am Ende soll ein Strategiepapier dem Kabinett vorgelegt werden.
Raffinerien stehen an der Schnittstelle von Energieversorgung, Industriepolitik und Klimaschutz. Die elf deutschen Standorte verarbeiten Rohöl zu Kraftstoffen und stellen zugleich Vorprodukte fĂŒr Branchen wie Chemie und Pharma bereit. Damit betrifft ihre Zukunft nicht nur den Tankstellenmarkt, sondern auch industrielle Lieferketten.
Versorgung und industrieller Umbau
Die Bundesregierung verbindet den Erhalt der Standorte mit einem schrittweisen Umbau auf klimafreundlichere EnergietrĂ€ger. Dieser Ansatz soll die Versorgungssicherheit sichern und zugleich Investitionen in nachhaltige Rohstoffe ermöglichen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wĂ€ren dafĂŒr Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich.
Der politische Konflikt verlĂ€uft entlang der Frage, wie lange fossile VerarbeitungskapazitĂ€ten wirtschaftlich und klimapolitisch abgesichert werden sollen. Die GrĂŒnen verlangen, staatliche UnterstĂŒtzung stĂ€rker an neue GeschĂ€ftsfelder zu binden, wĂ€hrend die Strategie der Ministerin zunĂ€chst die langfristige Sicherung der bestehenden Standorte in den Mittelpunkt stellt.
Was nun auf dem Spiel steht
FĂŒr BeschĂ€ftigte, Raffineriestandorte und nachgelagerte Industrien wird entscheidend sein, welche konkreten Instrumente das geplante Strategiepapier vorsieht. Dazu zĂ€hlen die Beteiligung der LĂ€nder, Gewerkschaften und betroffenen Industriezweige sowie die spĂ€tere Befassung des Bundeskabinetts.
Die aktuelle Debatte fÀllt zudem in eine Phase, in der die deutsche Raffinerieproduktion im ersten Halbjahr 2026 bei Benzin und Diesel zulegte. Das unterstreicht die kurzfristige Bedeutung der Anlagen, löst aber nicht die langfristige Frage, wie Versorgungssicherheit und sinkender fossiler Verbrauch miteinander vereinbart werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ntv: âBundesregierung sorgt fĂŒr Sicherung und Klimafreundlichen Ausbau von Raffinerienâ (23.10.2026)
Der Beitrag hebt neben der Sicherung der elf Standorte den geplanten Umbau auf klimafreundlichere EnergietrĂ€ger hervor. ZusĂ€tzlich nennt er die jĂ€hrliche VerarbeitungskapazitĂ€t von gut 92 Millionen Tonnen Rohöl und die Bedeutung der Raffinerien fĂŒr Chemie und Pharma.
Deutschlandfunk: âSicherung der Raffinerien - Bundesregierung startet Strategieâ (23.10.2026)
Der Deutschlandfunk bestÀtigt den Start des Dialogs mit der Mineralölwirtschaft und die geplante Vorlage eines Strategiepapiers im Kabinett. Anders als der ntv-Beitrag konzentriert er sich stÀrker auf den politischen Prozess und die Einbindung von LÀndern, Gewerkschaften und betroffenen Industriezweigen.
Beide BeitrĂ€ge stellen die Sicherung der Standorte und den klimafreundlichen Umbau in den Mittelpunkt. Unterschiede liegen vor allem bei der Gewichtung von industrieller Bedeutung, KapazitĂ€ten und Verfahrensfragen; offen bleibt, welche konkreten MaĂnahmen die Strategie enthalten wird.
