SĂ€chsische, Separatisten

«SÀchsische Separatisten» - Razzia gegen rechte Terrorgruppe

05.11.2024 - 14:15:47

Rassistisch, antisemitisch, apokalyptisch? Eine militante Terrorgruppe soll von einem bevorstehenden Kollaps Deutschlands ausgegangen sein. Ihr Plan fĂŒr die Zeit danach Ă€hnelt dem Nationalsozialismus.

  • Mehr als 450 EinsatzkrĂ€fte sind allein in Deutschland an der Razzia beteiligt.  - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

    Sebastian Kahnert/dpa

  • VerdĂ€chtige werden zum Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof gebracht.  - Foto: Rene Priebe/dpa

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  • Acht MĂ€nner wurden festgenommen.  - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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Mehr als 450 EinsatzkrÀfte sind allein in Deutschland an der Razzia beteiligt.  - Foto: Sebastian Kahnert/dpaVerdÀchtige werden zum Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof gebracht.  - Foto: Rene Priebe/dpaAcht MÀnner wurden festgenommen.  - Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Bei einer Razzia gegen eine mutmaßliche militante Neonazi-Gruppe haben EinsatzkrĂ€fte in Sachsen und Polen acht MĂ€nner festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft in einer rechtsextremistischen, terroristischen Vereinigung vor. Unter den Festgenommenen ist nach dpa-Informationen auch ein Mitglied der AfD: ein Lokalpolitiker aus Sachsen, der auch Mitglied der Jungen Alternative Sachsen ist. 

Bis Dienstagabend wurden sechs der acht MĂ€nner in Untersuchungshaft genommen, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Wann die anderen beiden TatverdĂ€chtigen dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgefĂŒhrt werden, war zunĂ€chst unklar. Einer von ihnen konnte laut Bundesanwaltschaft wegen einer Verletzung nicht nach Karlsruhe gebracht werden, der andere befinde sich noch in Polen, wo er festgenommen worden war.

Die Gruppe nenne sich «SĂ€chsische Separatisten», teilte Deutschlands oberste Anklagebehörde mit. Ihre Ideologie sei von rassistischen, antisemitischen und teils apokalyptischen Vorstellungen geprĂ€gt. Sie soll geplant haben, an einem unbestimmten «Tag X» mit Waffengewalt Gebiete in Sachsen und gegebenenfalls auch in anderen ostdeutschen LĂ€ndern zu erobern, um dort ein am Nationalsozialismus ausgerichtetes Staats- und Gesellschaftswesen zu etablieren. «UnerwĂŒnschte Menschengruppen sollen notfalls durch ethnische SĂ€uberungen aus der Gegend entfernt werden», so die Bundesanwaltschaft.

AfD distanziert sich von der Gruppe

Nach offiziell noch unbestĂ€tigten Angaben aus Sicherheitskreisen war der AfD-Lokalpolitiker am Morgen bei der Razzia mit einer Langwaffe vor die Polizeibeamten getreten. Ein Beamter habe daraufhin zwei WarnschĂŒsse abgegeben, hieß es. Der Beschuldigte habe einen Bruch am Kiefer erlitten und werde operiert. Wie es zu der Verletzung kam und weitere Details zu dem Zwischenfall sollen Zeugenvernehmungen klĂ€ren.

Der sĂ€chsische AfD-Landesverband wies jegliche Verbindung zu der betroffenen Gruppierung zurĂŒck. «Wir kennen nur die bisherigen Presseberichte zu diesem Vorgang. Unsere Partei steht fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Mit einer solchen mutmaßlich neonazistischen "Separatistengruppierung" verbindet uns weder inhaltlich noch organisatorisch irgendetwas», sagte Parteisprecher Andreas Harlaß der Deutschen Presse-Agentur. 

Auch der AfD-Vorsitze Tino Chrupalla distanzierte sich ausdrĂŒcklich von der Gruppierung. Berichte, wonach unter den Festgenommenen ein AfD-Lokalpolitiker sei, seien «vollkommen schockierend», betonte Chrupalla in Berlin. Sollten sich die VorwĂŒrfe bestĂ€tigen, hĂ€tten solche Personen «weder in der JA noch in der AfD etwas zu suchen».

Gruppe ĂŒbte HĂ€userkampf und PatrouillengĂ€nge

SpĂ€testens im November 2020 soll sich die Gruppe nach Angaben der Bundesanwaltschaft gegrĂŒndet haben. Vier der am Dienstag festgenommenen deutschen StaatsbĂŒrger sollen zu den ursprĂŒnglichen Mitgliedern gehört haben, einer soll RĂ€delsfĂŒhrer gewesen sein. Die anderen haben sich nach Erkenntnissen der Karlsruher Anklagebehörde spĂ€ter angeschlossen. Der Älteste von ihnen ist nach dpa-Informationen 25 Jahre alt. 

Die MĂ€nner hĂ€tten wiederholt paramilitĂ€rische Trainings mit KampfausrĂŒstung absolviert. «Dabei wurden insbesondere der HĂ€userkampf, der Umgang mit Schusswaffen, Nacht- und GewaltmĂ€rsche sowie PatrouillengĂ€nge eingeĂŒbt», heißt es in der Mitteilung. Zudem habe sich die Gruppierung militĂ€rische AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde wie TarnfleckanzĂŒge, Gefechtshelme, Gasmasken und Schutzwesten besorgt.

«Dass der Umgang mit Waffen trainiert und militĂ€rische AusrĂŒstung beschafft wurde, zeigt, wie gefĂ€hrlich diese Rechtsextremisten sind», sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Sie verwies auf die frĂŒhzeitige AufklĂ€rung der Gruppe durch das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz.

Durchsuchungen in Sachsen, Polen und Österreich

Insgesamt waren bei den Festnahmen und Durchsuchungen in Deutschland ĂŒber 450 SicherheitskrĂ€fte und Polizeibeamte des Bundeskriminalamts (BKA), SpezialkrĂ€fte der Bundespolizei und des Landeskriminalamts Sachsen im Einsatz. Die Festnahmen der jungen MĂ€nner erfolgten bis auf eine Ausnahme alle in Sachsen, genauer gesagt im Raum Leipzig, in Dresden und im Landkreis Meißen. Die Durchsuchungen richteten sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft auch gegen sieben weitere Beschuldigte, die noch auf freiem Fuß sind.

Der mutmaßliche RĂ€delsfĂŒhrer der Gruppe hielt sich zum Zeitpunkt des Zugriffs zwar in Polen auf. Doch auch er stammt aus Sachsen. Der polnische Inlandsgeheimdienst ABW teilte mit, Beamte hĂ€tten ihn auf Grundlage eines europĂ€ischen Haftbefehls in Zgorzelec festgenommen. In Österreich - in Wien und im Bezirk Krems-Land - durchsuchte die Polizei zwar zwei Objekte. Festgenommen wurde dort aber niemand.

«Es ist ein großer Erfolg, dass es dem Generalbundesanwalt und den Sicherheitsbehörden gelungen ist, diese ungeheuerlichen PlĂ€ne aufzudecken und die Verantwortlichen festzunehmen», sagt Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP). Gleichzeitig mahne dieser Ermittlungserfolg abermals: «Unser Rechtsstaat und die freiheitlich-demokratische Grundordnung werden von vielen Seiten bedroht.»

@ dpa.de