Sylt, Zehnte

Sylt: Mehr als jeder Zehnte hat Vergleichbares miterlebt

07.06.2024 - 07:51:39 | dpa.de

Rassistische Töne in der Öffentlichkeit, und niemand schreitet ein: Das Video aus einem Lokal auf Sylt hat fĂŒr viel Empörung gesorgt. Ein Einzelfall ist der Vorfall aber nicht, wie eine Umfrage zeigt.

«Ich bin Polin, soll ich gehen ??? Ihr macht dann meine Arbeit»:
Eine Frau wÀhrend einer Mahnwache gegen rechts in Kampen. - Foto: Lea Sarah Albert/dpa
«Ich bin Polin, soll ich gehen ??? Ihr macht dann meine Arbeit»: Eine Frau wÀhrend einer Mahnwache gegen rechts in Kampen. - Foto: Lea Sarah Albert/dpa

Mehr als jeder zehnte Deutsche hat schon mindestens einmal einen Vorfall wie die im Mai bekanntgewordene rassistische Entgleisung von Feiernden in einem Lokal auf der Insel Sylt persönlich erlebt. Das geht aus den Ergebnissen einer reprÀsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor.

Auf einem nur wenige Sekunden langen Video, das zu Pfingsten entstanden sein soll, ist zu sehen und zu hören, wie junge Menschen auf Sylt zur Melodie des alten Party-Hits «L’amour toujours» von Gigi D'Agostino rassistische Parolen grölen. Scheinbar völlig ungeniert und ausgelassen singen sie «Deutschland den Deutschen - AuslĂ€nder raus!». Ein Mann macht eine Geste, die an den Hitlergruß erinnert. Von den Umstehenden scheint sich niemand daran zu stören. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte, nachdem sich das Video aus dem Nobellokal im Netz verbreitet hatte: «Ganz klar: Solche Parolen sind ekelig, sie sind nicht akzeptabel.»

In der Umfrage gaben zwölf Prozent der Befragten an, einen vergleichbaren Vorfall bereits selbst einmal miterlebt zu haben. 78 Prozent der BundesbĂŒrger haben Vergleichbares persönlich noch nie gesehen oder gehört. Vier Prozent der Teilnehmer der Umfrage waren sich unsicher. Lediglich sechs Prozent der Befragten gaben an, der Vorfall auf Sylt sei ihnen nicht bekannt. MĂ€nner sowie BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, die im Osten Deutschlands leben, gaben etwas hĂ€ufiger an, bereits Augenzeugen eines solchen Vorfalls gewesen zu sein. Befragt worden waren ausschließlich Menschen, die an bundesweiten Wahlen teilnehmen, also nur Menschen mit deutscher StaatsbĂŒrgerschaft.

Ermittlungen gibt es nicht nur zu dem Vorfall auf Sylt. Die Polizei ermittelt auch wegen möglicher rassistischer GesÀnge zu demselben Lied auf der Ostseeinsel Fehmarn. Bei einer Tanzveranstaltung sollen dort rund 15 Personen in der Nacht zum 5. Mai laut Polizei «auslÀnderfeindliche Parolen» gesungen haben.

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