Produktion/Absatz, Wettbewerb

Störungen im Flugbetrieb

15.08.2024 - 11:29:33

, Reaktionen Faeser und Djir-Sarai (8.

und 9. Absatz), Reaktion Flughafenverband ADV (beide letzten AbsÀtze))

BERLIN (dpa-AFX) - Klimaaktivisten der Letzten Generation haben an mehreren deutschen FlughĂ€fen Protestaktionen gestartet und damit auch zeitweise den Flugbetrieb gestört. Je zwei Aktivisten drangen Angaben der Organisation zufolge auf die FlughĂ€fen Berlin-Brandenburg, Stuttgart, NĂŒrnberg und Köln/Bonn ein.

Am Flughafen Köln/Bonn wurde der Flugbetrieb infolge der Protestaktion nach Polizeiangaben zeitweise eingestellt. Auch nach der Wiederaufnahme könne es noch zu Verzögerungen kommen, teilte der Flughafen mit. Die Aktivisten hatten sich demnach Zutritt zum luftseitigen Bereich des FlughafengelÀndes verschafft. In einem Zaun des GelÀndes sei ein Loch entdeckt worden.

Auch in NĂŒrnberg wurde der Flugbetrieb nach Angaben eines Polizeisprechers fĂŒr etwa eine Stunde eingestellt. Zwei Klimaaktivistinnen waren nach Angaben der Polizei am frĂŒhen Morgen auf das Rollfeld des Flughafens vorgedrungen. Ein dpa-Reporter vor Ort berichtete von einem Loch im Zaun im sĂŒdlichen Bereich der Rollbahn. In dessen NĂ€he lĂ€gen zwei Bolzenschneider.

Auch am Hauptstadtflughafen BER und in Stuttgart klebten sich nach Polizeiangaben jeweils zwei Aktivisten fest. Alle vier kamen demnach in Gewahrsam. Der Flugverkehr war nach Angaben der Bundespolizei in beiden FÀllen nicht beeintrÀchtigt.

Forderung nach völligem Verzicht auf Kohle, Öl und Gas

Die Letzte Generation erklĂ€rte laut Mitteilung, die Aktivisten drĂŒckten "friedlich ihren Widerstand aus, indem sie Banner mit der Aufschrift "Oil kills" (Öl tötet) und "Sign the treaty" (den Vertrag unterschreiben) zur Schau stellten". "Die Start- und Landebahnen wurden dabei nicht betreten."

Die Gruppe fordert radikalen Klimaschutz, darunter den völligen Verzicht auf Kohle, Öl und Gas. Sie fordern den Abschluss eines dahingehenden internationalen Vertrags. Seit Anfang 2022 organisierte die Gruppe Straßenblockaden, bei denen sich die Teilnehmer festklebten. Zwischenzeitlich hatte sie aber angekĂŒndigt, ihre Strategie zu Ă€ndern und kĂŒnftig auf Festkleben zu verzichten. Die Klimaaktivisten haben zuletzt mehrfach Störaktionen auf FlughĂ€fen durchgefĂŒhrt, Ende Juli etwa auch an Deutschlands grĂ¶ĂŸtem Airport in Frankfurt.

Faeser: "Diese kriminellen Aktionen sind gefÀhrlich und dumm"

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) verurteilte die Klebeaktionen scharf. Auf der Plattform X verwies sie zugleich auf eine geplante GesetzesverschÀrfung, die das Kabinett im Juli beschlossen hatte. "Diese kriminellen Aktionen sind gefÀhrlich und dumm", schrieb Faeser. "Wir haben empfindliche Freiheitsstrafen vorgeschlagen. Und wir verpflichten die FlughÀfen, ihre Anlagen deutlich besser zu sichern."

Die "Straftaten der Letzten Generationen" wĂŒrden "immer wieder Sicherheit und Betrieb wichtiger Infrastruktur" gefĂ€hrden, sagte FDP-GeneralsekretĂ€r Bijan Djir-Sarai. "Sie spalten so unsere Gesellschaft und erweisen dem Klimaschutz einen BĂ€rendienst."

HĂ€rtere Gesetze sollen abschrecken

Die Bundesregierung will mit einer VerschĂ€rfung des Luftsicherheitsgesetzes radikale KlimaschĂŒtzer und andere Störer von gefĂ€hrlichen Aktionen auf FlughĂ€fen abhalten. Kern der geplanten Reform, ĂŒber die noch der Bundestag entscheiden muss, ist die Schaffung einer neuen Vorschrift, die das "vorsĂ€tzliche, unberechtigte Eindringen" unter anderem auf das Rollfeld sowie die Start- und Landebahnen unter Strafe stellt - und zwar dann, wenn dadurch die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs beeintrĂ€chtigt wird.

Die Aktionen seien "ein konzertierter Akt der kriminellen Erpressung", sagte der ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel laut Mitteilung. Das mehrstufige Sicherheitskonzept der FlughĂ€fen mit den Zaunanlagen als ein Baustein habe sich bewĂ€hrt. Der Flugverkehr sei unmittelbar eingestellt worden. "Die Melde- und Alarmketten funktionieren zuverlĂ€ssig", sagte Beisel.

Der ADV hatte den Klimaaktivisten in der vergangenen Woche ein GesprĂ€chsangebot gemacht. In einem offenen Brief hieß es: "Es ist unbestreitbar, dass der Klimawandel eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen unserer Zeit darstellt. Kriminelle Blockaden von FlughĂ€fen tragen nicht zur Lösung bei". Die Letzte Generation teilte auf X mit, sie nehme das GesprĂ€chsangebot gern an.

@ dpa.de | DE0005773303 PRODUKTION/ABSATZ