Bischof BÀtzing will Konflikt mit Rom ausrÀumen
22.02.2024 - 18:15:31Der Paukenschlag kam weniger als zwei Tage vor der FrĂŒhjahrstagung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Augsburg. Hohe Vertreter des Vatikans forderten die Deutschen Oberhirten auf, einen Beschluss ĂŒber ein wichtiges gemeinsames Gremium mit Laien von der Tagesordnung zu nehmen - seitdem steht der gesamte deutsche Reformprozess Synodaler Weg auf der Kippe. Doch die katholischen Bischöfe hoffen, den Konflikt mit Rom durch gemeinsame GesprĂ€che lösen zu können.
Der DBK-Vorsitzende, Limburgs Bischof Georg BĂ€tzing, kĂŒndigte zum Abschluss der Vollversammlung an, dass dafĂŒr «bald» eine deutsche Delegation nach Rom reisen werde. Am Montag hatte sich BĂ€tzing noch ungewöhnlich deutlich darĂŒber beschwert, dass die GesprĂ€che durch den Vatikan verzögert wĂŒrden und keine zeitnahen Termine in Rom zu bekommen seien. «Wir könnten schon viel weiter sein», meinte BĂ€tzing da - nun gibt nach seinen Angaben einen Termin. Doch das Datum wollte er partout nicht nennen, nur soviel: Die GesprĂ€che seien «zeitig» geplant.
In dem Reformgremium sollen Bischöfe und Laien zusammenarbeiten und gleichberechtigt entscheiden. Dies missfÀllt dem Vatikan. BÀtzing gab sich optimistisch, dass die Irritationen durch Kommunikation ausgerÀumt werden könnten. «Vielleicht hat die römische Seite auch einen Vorschlag», sagte er.
Konkret geht es bei dem Streit um den sogenannten Synodalen Ausschuss, der die weiteren Schritte des Reformprozesses voranbringen soll. Das Gremium, besetzt eben mit Bischöfen und Laien, hatte sich im November konstituiert. In einem weiteren Schritt sollten nun DBK und das oberste Laiengremium, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), die Satzung verabschieden - dies wurde nun vom Vatikan torpediert. Eigentlich sollte Mitte Juni, bei der nÀchsten geplanten Sitzung des Ausschusses, alles erledigt sein.
Katholische Laien-PrÀsidentin besteht auf Mitbestimmung
Die ZdK-PrĂ€sidentin Irme Stetter-Karp machte unterdessen nochmals klar, dass die Laien auf Mitbestimmung in der Kirche keinesfalls verzichten wollen. «Wir werden selbstverstĂ€ndlich in unseren Gremien die nĂ€chsten Schritte beraten. Ich will aber eine inhaltliche Grenze fĂŒr unsere Zusammenarbeit mit den Bischöfen schon heute markieren», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Wir halten als PrĂ€sidium des ZdK daran fest, dass unser Ziel gemeinsames Beraten und Entscheiden ist. FĂŒr Beratung allein - oder anders gesagt fĂŒr eine reine Simulation von SynodalitĂ€t - stehen wir nicht zur VerfĂŒgung.»
BĂ€tzing und seinen Kollegen dĂŒrfte jedenfalls klar sein, dass sehr viel auf dem Spiel steht. Denn mit dem Synodalen Weg will die katholische Kirche einen Weg aus der Krise finden, die durch die zahlreich bekannt gewordenen MissbrauchsfĂ€lle der Vergangenheit ausgelöst wurde. Der Vertrauensverlust der GlĂ€ubigen ist groĂ und manifestiert sich seit Jahren auch darin, dass viele Mitglieder der katholischen Kirche den RĂŒcken kehren und austreten. «Die Reformen halten den Megatrend nicht auf, aber ohne Reformen beschleunigen wir den Megatrend», sagte BĂ€tzing dazu.
Kriege und Bedrohung der Demokratie
Der Streit um den Reformprozess ĂŒberlagerte jedenfalls das viertĂ€gige Treffen des etwa 60-köpfigen Bischofsgremiums. Dabei setzten sich die Oberhirten auch mit einer Reihe anderer aktueller Probleme auseinander. Die Kriege in der Ukraine und dem Nahen Osten waren ebenso Thema wie die Bedrohung der Demokratie in Deutschland.
DiesbezĂŒglich wurde noch einstimmig ein Papier zum Umgang mit dem Wiedererstarken des Rechtsextremismus und Rechtspopulismus verabschiedet. «Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar» heiĂt das Dokument.
Kirchenmitarbeitern wurde klargemacht, dass sie mit solch einem Denken keine Zukunft in der Kirche haben: «Die Verbreitung rechtsextremer Parolen - dazu gehören insbesondere Rassismus und Antisemitismus - ist ĂŒberdies mit einem haupt- oder ehrenamtlichen Dienst in der Kirche unvereinbar», steht in dem Dokument.
Die Bischöfe wenden sich aber auch an die gesamte Bevölkerung: «Wir appellieren an unsere MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒrger, auch an jene, die unseren Glauben nicht teilen, die politischen Angebote von RechtsauĂen abzulehnen und zurĂŒckzuweisen. Wer in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft leben will, kann in diesem Gedankengut keine Heimat finden.»
Haltung zur AfD
Konkret benennen die Bischöfe auch die AfD. In der Vergangenheit hatte es auch unter den Bischöfen unterschiedliche Positionen zu der Partei gegeben. So hatte der Augsburger Bischof Bertram Meier vor der Landtagswahl in Bayern im Herbst 2023 Irritationen ausgelöst, als er sich in einem Interview fĂŒr einen differenzierten Umgang mit AfD-Mitgliedern in der Kirche ausgesprochen hatte.
BĂ€tzing stellte nun klar: «Eine solche Partei zu wĂ€hlen bedeutet, sich gegen die Grundwerte des menschlichen Zusammenlebens und der Demokratie in unserem Land zu stellen.» Es gehe den Bischöfen aber auch darum, weiterhin mit den Menschen im Dialog zu bleiben, «die sich fĂŒr solche extremistische Botschaften empfĂ€nglich zeigen».


