Rechtsextremismus, Spreewald

Mehr rechtsextremistische VorfÀlle an Brandenburgs Schulen

15.07.2023 - 14:02:53

Rechtsextremistische VorfÀlle an Schulen in Brandenburg, ein Brandbrief zweier Lehrer - und keine klare Haltung der Behörden. Das zumindest kritisiert der Lehrer Max Teske, der die Schule nun verlÀsst.

Die Zahl rechtsextremistischer VorfĂ€lle an Schulen in Brandenburg hat sich im Schuljahr 2022/2023 deutlich erhöht. Die vier staatlichen SchulĂ€mter meldeten bis Anfang Juni 70 solcher Äußerungen oder VorfĂ€lle, wĂ€hrend 30 im gesamten Schuljahr 2021/2022 gezĂ€hlt wurden, wie das Bildungsministerium mitteilt.

Die «Welt am Sonntag» berichtete zuvor darĂŒber. Das Ministerium verwies allerdings auch darauf, dass das Schuljahr 2021/2022 noch unter dem Zeichen der Corona-Krise stand.

Die LehrkrĂ€fte Max Teske und Laura Nickel aus Burg im Spreewald in Brandenburg hatten im April in einem Brandbrief tĂ€gliche rechtsextremistische VorfĂ€lle an ihrer Schule öffentlich gemacht. Danach waren sie zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Darunter waren Aufkleber, der Staatsschutz ermittelt. Beide Lehrer kĂŒndigten am Mittwoch an, die Schule wechseln zu wollen. Seit Bekanntwerden des Briefes hatten die Meldungen solcher VorfĂ€lle zugenommen.

Deutliche Kritik von betroffenem Lehrer

Max Teske kritisiert die Schulbehörden in Brandenburg. «Ich habe eine klare Haltung vermisst. Niemand hat sich vor uns gestellt und ganz offen gesagt, dass sie uns unterstĂŒtzen und alles Mögliche dafĂŒr tun werden, dass Rechtsextremismus keinen Platz an Schulen hat», sagt Teske der «MĂ€rkischen Allgemeinen» mit Blick auf das Staatliche Schulamt in Cottbus und das Bildungsministerium. «Stattdessen gab es zahlreiche Lippenbekenntnisse. Aber das reicht nicht aus.»

Brandenburgs Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD) hatte Kritik zurĂŒckgewiesen. Das Schulamt sei nach dem anonymen Brandbrief sofort tĂ€tig geworden und er habe den beiden LehrkrĂ€ften persönlich seine UnterstĂŒtzung angeboten.

Teske schlĂ€gt vor, LehrkrĂ€fte besser fĂŒr den Umgang mit rechtsextremistischen VorfĂ€llen vorzubereiten. «Wir brauchen verpflichtende Fortbildungen fĂŒr Lehrer», sagte er der Zeitung. «Sie mĂŒssen wissen, wie man zum Beispiel rechte Symbole oder Äußerungen erkennt, wie man damit umgeht und wie man Opfer von Rassismus und Rechtsextremismus schĂŒtzt. Gleichzeitig brauchen wir Demokratiebildung in den Schulen - und zwar jetzt.»

Antisemitismus und Rassismus

In Brandenburg wurden im Schuljahr 2021/2022 auch 15 antisemitische und 14 fremdenfeindliche sowie 4 weitere extremistische Äußerungen und VorfĂ€lle gezĂ€hlt. Im Schuljahr 2022/2023 meldeten die SchulĂ€mter 6 antisemitische, 15 fremdenfeindliche und ebenfalls 4 weitere extremistische Äußerungen und VorfĂ€lle.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hĂ€lt ein konsequentes Vorgehen fĂŒr nötig. «Die VorgĂ€nge an der Brandenburger Schule sind ein Alarmzeichen», sagte sie «Welt am Sonntag». «Freiheit, Demokratie, Toleranz und PluralitĂ€t sind zentrale Werte unserer Gesellschaft, auch an Schulen.» Sie mĂŒssten, wo es notwendig sei, verteidigt werden. «Hierzu mĂŒssen alle beitragen. Dazu gehört ein koordiniertes und konsequentes Vorgehen aller Verantwortlichen.»

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, forderte in der Zeitung eine bundesweite Meldepflicht fĂŒr antisemitische VorfĂ€lle an Schulen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) wies darauf hin, dass zwar bundesweit politisch motivierte Straftaten nach einheitlichen Richtlinien erfasst wĂŒrden. Dieses Regelwerk sehe aber nicht vor, dass man dabei einen Tatort wie eine Schule erfasse.

@ dpa.de