Rentenreform: Verena Bentele fordert Sozialcheck von Merz
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 04:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
VdK-PrĂ€sidentin Verena Bentele fordert von Bundeskanzler Friedrich Merz und der Bundesregierung einen Sozialcheck fĂŒr die geplante Rentenreform.
Reform nach den Wahlen ĂŒberarbeiten
Merz hatte nach den verlorenen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin erklĂ€rt, an den ReformplĂ€nen festhalten zu wollen. âDie Reformen mĂŒssen kommenâ, sagte der CDU-Chef. Bentele sieht darin dennoch die Möglichkeit, das Vorhaben qualitativ zu ĂŒberarbeiten und stĂ€rker auf sozialen Ausgleich auszurichten.
Kritik an Ende der Rente mit 63
Die VdK-PrĂ€sidentin lehnte erneut die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab. Viele Menschen hĂ€tten ihren Renteneintritt bereits geplant. Nötig seien deshalb mindestens eine ausreichende Ăbergangszeit und eine Ersatzlösung fĂŒr gesundheitlich belastete Ă€ltere BeschĂ€ftigte.
Das Argument, die Regelung koste zur Finanzierung einer neuen KapitalsĂ€ule zur Anhebung des Rentenniveaus Milliarden, lieĂ Bentele nicht gelten. Menschen, die bald in Rente gingen, hĂ€tten nichts von einer kĂŒnftigen Kapitalrente.
Gesund arbeiten bis zur Altersgrenze
Die Reform mĂŒsse sich nach Benteles Auffassung stĂ€rker darauf konzentrieren, wie BeschĂ€ftigte gesund bis zur gesetzlichen Altersgrenze arbeiten könnten. Dazu gehörten gute Reha-Angebote sowie gesunde ArbeitsplĂ€tze.
Kritik an Krankmeldung und Arbeitszeit
Auch die geplante Pflicht, kĂŒnftig ab dem ersten Krankheitstag eine ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung vorzulegen, kritisierte Bentele. Sie warnte, BeschĂ€ftigte könnten sich dann vorsorglich gleich fĂŒr eine ganze Woche krankschreiben lassen.
Gemeinsam mit den Gewerkschaften will sich der VdK zudem gegen ein Ende des Acht-Stunden-Tags wenden. Ăltere Menschen, Menschen mit Behinderung und BeschĂ€ftigte in besonders belastenden Berufen könnten nach Benteles EinschĂ€tzung dann nicht mehr in Vollzeit arbeiten. Der VdK hat nach eigenen Angaben mehr als 2,3 Millionen Mitglieder und ist damit Deutschlands gröĂter Sozialverband.
Reformkurs unter politischem Druck
Die Forderung nach einem Sozialcheck trifft auf eine Koalition, die an ihrem Reformtempo festhalten will. Nach den jĂŒngsten Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist der politische Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz jedoch gewachsen. Innerhalb von Union und SPD werden Anpassungen an den Vorhaben diskutiert, wĂ€hrend die Bundesregierung die Reformen weiterhin als zusammenhĂ€ngendes Paket betrachtet.
Besonders sensibel ist die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. FĂŒr Menschen, die ihren Ăbergang in den Ruhestand bereits vorbereitet haben, geht es nicht nur um die kĂŒnftige Höhe der Leistung, sondern um VerlĂ€sslichkeit der geltenden Regeln. Ăbergangsfristen und Vertrauensschutz entscheiden deshalb wesentlich darĂŒber, wie sozial vertrĂ€glich die Reform umgesetzt werden kann.
Folgen fĂŒr BeschĂ€ftigte und Betriebe
Benteles Einwand zur Gesundheit im Arbeitsleben erweitert die Debatte ĂŒber reine Finanzfragen. Gute Reha-Angebote, belastungsarme ArbeitsplĂ€tze und flexible ĂbergĂ€nge können fĂŒr Ă€ltere BeschĂ€ftigte entscheidend sein, wenn die gesetzliche Altersgrenze tatsĂ€chlich hĂ€ufiger erreicht werden soll. Das betrifft insbesondere Menschen in körperlich anstrengenden Berufen oder mit gesundheitlichen EinschrĂ€nkungen.
Auch die geplante Reform der Arbeitszeit und die mögliche Pflicht zur ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag berĂŒhren den Alltag vieler Arbeitnehmer unmittelbar. FĂŒr Betriebe geht es um Planungssicherheit, fĂŒr BeschĂ€ftigte um Schutz vor Ăberlastung und um Vertrauen. Ein Sozialcheck wĂŒrde daher prĂŒfen, wer von den MaĂnahmen entlastet oder zusĂ€tzlich belastet wird und ob Ausgleichsregelungen ausreichen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âKanzleramtschefin Warken verspricht Tempo bei Reformenâ (23.09.2026)
Der Bericht stelle heraus, die Bundesregierung wolle die Reformen trotz der Unruhe in der Koalition zĂŒgig umsetzen. Zugleich bestĂ€tige er, bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren solle es Vertrauensschutz und Ăbergangsfristen geben; damit liege der Schwerpunkt stĂ€rker auf dem Regierungsfahrplan und weniger auf Benteles Forderung nach einer grundlegenden sozialen Ăberarbeitung.
MDR: âDGB kritisiert geplante Abschaffung der Altersteilzeitâ (22.09.2026)
Der Artikel berichte, DGB-Chefin Yasmin Fahimi halte das Ende des Blockmodells der Altersteilzeit fĂŒr falsch, weil es sozialvertrĂ€glichen Stellenabbau erschwere und kaum Einsparungen bei der Rentenversicherung bringe. Er ergĂ€nze Benteles Kritik um die Perspektive der Gewerkschaften und verdeutliche, dass neben der Rente mit 63 auch die Ausgestaltung des Ăbergangs aus dem Erwerbsleben umstritten bleibe.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigten den politischen Streit ĂŒber die konkrete Ausgestaltung der Rentenreform. WĂ€hrend der tagesschau-Bericht die Umsetzungsabsicht der Koalition und vorgesehene Ăbergangsregeln betone, hebe der MDR-Bericht die Folgen fĂŒr BeschĂ€ftigte und Betriebe hervor; offen bleibe, welche Ănderungen die Bundesregierung tatsĂ€chlich vornehmen werde.
