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Schnelle Hilfe - Was Patienten kĂŒnftig im Notfall tun mĂŒssen

Veröffentlicht am: 17.07.2024 um 07:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

BERLIN - Mit der Reform der Notfallversorgung in Deutschland soll sich fĂŒr die Patientinnen und Patienten einiges Ă€ndern.

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BERLIN (dpa-AFX) - Mit der Reform der Notfallversorgung in Deutschland soll sich fĂŒr die Patientinnen und Patienten einiges Ă€ndern. Bei akuten Beschwerden ist heute die Notaufnahme vor allem am Wochenende oder abends die erste Anlaufstelle fĂŒr viele. Dort herrschen dann meist Stress und Warterei. KĂŒnftig sollen die Notfallpatienten und -patientinnen besser durch den Gesundheitsdschungel gesteuert werden. Nach dem fĂŒr heute geplanten Kabinettsbeschluss soll die Reform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Parlament beraten werden. Was auf die Versicherten zukommt:

Wo soll man sich kĂŒnftig im Akutfall hinwenden?

Zwei Neuerungen werden dafĂŒr eingefĂŒhrt: In Akutleitstellen sollen Patientinnen und Patienten unter einer bundesweiten Nummer eine ErsteinschĂ€tzung zum weiteren Vorgehen bekommen. Erreichbar sind sie unter 116 117. Bundesweit sollen zudem sogenannte integrierte Notfallzentren in der Regie von Kliniken aufgebaut werden, an manchen Standorten auch fĂŒr Kinder und Jugendliche. In den Notfallzentren ist die Notfallaufnahme des Krankenhauses mit einer Notdienstpraxis kombiniert.

Man fĂŒrchtet, man muss sofort behandelt werden - was ist zu tun?

Es gibt auch kĂŒnftig mehrere Möglichkeiten, aber die telefonische soll stark ausgebaut werden. Bei der 116 117 soll man in 75 Prozent der FĂ€lle nach spĂ€testens drei Minuten eine ErsteinschĂ€tzung bekommen, sonst soll es nur wenig lĂ€nger dauern. Patienten können von den Fachleuten am Telefon ins nĂ€chste Notfallzentrum geschickt werden. Stellt sich der Fall als Notfall heraus, soll er sofort auf die 112 weitergeleitet werden, so dass ein Krankenwagen anrĂŒcken kann. Telemedizin-Ärztinnen und -Ärzte können fĂŒr eine EinschĂ€tzung direkt zugeschaltet werden. Die Telefon-Beratung soll nach der Erwartung der Regierung unnötige Rettungsstellen-Besuche verhindern. VerknĂŒpft werden die Akutleit- mit den Terminservicestellen: Arztbesuche können dann direkt am Telefon in die Wege geleitet werden. Wer ĂŒber die 116 117 im Notfallzentrum landet, soll dort schneller drankommen.

Was ist das Besondere an den Notfallzentren?

Am Empfangstresen der integrierten Notfallzentren (INZ) soll es eine ErsteinschĂ€tzung geben: Wohin geht es fĂŒr die Hilfesuchenden als nĂ€chstes - in die Notaufnahme oder eine nahe Notdienstpraxis? Lauterbachs erklĂ€rtes Ziel: Patientinnen und Patienten sollen dort behandelt werden, wo es am besten und schnellsten geht. Die INZ sollen so im Land verteilt werden, dass mindestens eines stets gut erreichbar ist. Die Öffnungszeiten der angeschlossenen Notdienstpraxen: abends immer bis 21 Uhr - auch an Wochenenden und Feiertagen.

Was kann passieren, wenn der Fall als leicht eingestuft wird?

Die Ärztin oder der Arzt können telefonisch oder per Video einen Praxis- oder Klinikbesuch als nicht nötig erachten. In so einem Fall soll auch ein elektronisches Rezept oder eine elektronische Krankschreibung ausgestellt werden können.

Warum die Reform?

Notaufnahmen und Rettungsdienste sind oft am Limit. Jede und jeder Dritte in einer Notaufnahme wĂ€re nach EinschĂ€tzung des Gesundheitsministeriums in einer Praxis besser aufgehoben. Das liegt auch daran, dass viele schlicht nicht wissen, was sie tun sollen, wenn sie nachts oder am Wochenende plötzlich medizinische Hilfe brauchen. Viele landen beim Rettungsdienst und schließlich erstmal stationĂ€r im Krankenhaus.

Was sagen die Ärzte?

Der HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband warnte vor einem Scheitern der Reform - denn es fehle am nötigen Personal, außerdem sollten "Parallelstrukturen" aufgebaut werden. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) lobte positive AnsĂ€tze. Die KBV zweifelte aber an der vollen Umsetzbarkeit mangels Personal - etwa auch fĂŒr die ebenfalls vorgesehene Ausweitung von Hausbesuchen.

Wo sehen die Krankenkassen Licht und Schatten?

Die Krankenkassen lobten die VorschlĂ€ge - Stefanie Stoff-Ahnis, Vize-Chefin des GKV-Spitzenverbandes, sagte: "Das Notfallgesetz enthĂ€lt viele richtige Ansatzpunkte, um die Versorgung unserer Versicherten zu verbessern." Eine Mahnung an Lauterbach haben die Kassen auch parat: Die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen dĂŒrften nicht vor unlösbare Personalprobleme gestellt werden. Als neue Transparenz begrĂŒĂŸte Stoff-Ahnis die geplante Verpflichtung der KassenĂ€rztlichen Vereinigungen, im Internet bundesweit einheitlich ĂŒber Sprechstundenzeiten der Ärzte zu informieren.

Welche Gesetze hat Lauterbach noch im Kabinett?

Mehrere Vorlagen aus dem Gesundheitsressort soll die Ministerrunde an diesem Mittwoch beschließen. Anders als heute sollen kĂŒnftig Nierenspenden auch zwischen zwei Paaren ĂŒberkreuz möglich sein. Um die Vorbeugung von Krankheiten zu stĂ€rken, soll am 1. Januar 2025 eine neue Bundesbehörde an den Start gehen, das Bundesinstitut fĂŒr PrĂ€vention und AufklĂ€rung in der Medizin (BIPAM). Teile des Robert Koch-Instituts sowie die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung sollen darin aufgehen. Und um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben, soll die dafĂŒr bestehende sogenannte gematik zu einer Digitalagentur ausgebaut werden/bw/DP/zb

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