ROUNDUP, Moskau

Moskau weist zwei Mitarbeiter der ARD aus

27.11.2024 - 15:01:22

Russland weist zwei Mitarbeiter der ARD aus. Der fĂŒr die Russlandberichterstattung in der ARD zustĂ€ndige WDR bestĂ€tigte, dass zwei ARD-Mitarbeiter - ein Korrespondent und ein Techniker - bis zum 16.

Dezember ihre Akkreditierung zurĂŒckgeben und Russland verlassen mĂŒssen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklĂ€rte, das sei die Antwort auf eine Ausweisung von Korrespondenten des russischen Staatsfernsehens durch deutsche Behörden.

Das zustĂ€ndige Landesamt fĂŒr Einwanderung in Berlin teilte auf dpa-Anfrage mit, dass die Behörde fĂŒnf Personen von mehreren russischen Medien, davon vier Journalisten und eine Ehefrau, Aufenthaltserlaubnisse versagt habe. Zum Teil sind die rechtlichen FĂ€lle den Angaben zufolge noch offen. Als eine BegrĂŒndung fĂŒr einen der FĂ€lle wurde angefĂŒhrt, dass das russische Medium Fehlinformationen und Propaganda zur Diskreditierung des Westens und der EU verbreite. Die Behörde stĂŒtzte sich auch auf die EU und ein Sanktionspaket.

Bundesregierung: Haben BĂŒro nicht geschlossen

Ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts betonte: "Die russischen Behauptungen sind falsch. Die Bundesregierung hat das BĂŒro dieses Senders nicht geschlossen." Russische Journalistinnen und Journalisten könnten in Deutschland frei und ungehindert berichten. Er könne nur mutmaßen, dass es um das Aufenthaltsrecht gehe - dies sei aber LĂ€ndersache. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte: "Wenn man aufenthaltsrechtliche Vorgaben nicht erfĂŒllt, dann hilft es auch nichts, sich als Journalist beruflich zu betĂ€tigen."

Zur Ausweisung zweier ARD-Journalisten aus Russland sagte der Außenamts-Sprecher noch vor der offiziellen BestĂ€tigung: "Sollten sich diese Meldungen bestĂ€tigen, wĂŒrden wir die aufs SchĂ€rfste zurĂŒckweisen. Das steht in keinem VerhĂ€ltnis." Man sehe das Vorgehen Russlands insbesondere gegen inlĂ€ndische, aber auch gegen auslĂ€ndische Journalisten mit großer Besorgnis.

Russischer Sender spricht von "Strafe"

Der russische staatliche TV-Sender 1. Kanal hatte zuvor berichtet, er sei von deutschen Behörden aufgefordert worden, sein BĂŒro in Berlin zu schließen. Das sei die "Strafe fĂŒr Wahrheit und Professionalismus", heißt es in der Mitteilung des Senders dazu. Das Landesamt fĂŒr Einwanderung in Berlin habe die Entscheidung mit der Bedrohung der nationalen Sicherheit in Deutschland sowie einer fortgesetzten Rechtfertigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine begrĂŒndet, erklĂ€rte der Sender. Das Dokument selbst ist in der Reportage aber nicht zu entziffern. Die Mitarbeiter - Korrespondent Iwan Blagoi und Kameramann Dmitri Wolkow - sollen Deutschland demnach bis Mitte Dezember verlassen.

Blagoi stellte die Vermutung an, dass seine Ausweisung mit einer Reportage ĂŒber einen deutschen StaatsbĂŒrger zusammenhĂ€ngt, der kĂŒrzlich in Kaliningrad vom russischen Geheimdienst FSB wegen angeblicher Sabotage festgenommen wurde. Allerdings sagte er auch, dass Kameramann Wolkow schon im vergangenen Winter Probleme mit der VisaverlĂ€ngerung bekommen habe.

Schwierigkeiten fĂŒr auslĂ€ndische Journalisten in Russland

Russland hat auslĂ€ndischen Journalisten nach Kriegsbeginn die Arbeit deutlich erschwert. Die fĂŒr die Arbeit nötigen Akkreditierungen werden nunmehr fĂŒr Korrespondenten aus sogenannten "unfreundlichen LĂ€ndern" nur noch fĂŒr drei Monate vergeben statt fĂŒr ein Jahr. Zudem sind die Gefahren der Berichterstattung gestiegen: Der russische Geheimdienst FSB hatte den "Wall Street Journal"-Korrespondenten Evan Gershkovich im MĂ€rz 2023 wegen angeblicher Spionage verhaftet - ein russisches Gericht hatte ihn deswegen zu 16 Jahren Haft verurteilt. Erst im Sommer kam er in einem grĂ¶ĂŸeren Gefangenaustausch frei.

Bereits kurz vor dem Krieg hatten die russischen Behörden das BĂŒro der Deutschen Welle in Moskau geschlossen. Moskau begrĂŒndete dies mit einem Ausstrahlungsverbot fĂŒr den deutschsprachigen Dienst des Kremlsenders RT.

@ dpa.de