Sabotage am Stromnetz: Polizei nimmt 48-JĂ€hrigen fest
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach einer Serie von Sabotage-Angriffen auf das Stromnetz in mehreren BundeslĂ€ndern hat die Polizei einen verdĂ€chtigen 48-JĂ€hrigen festgenommen. Der Mann fiel Polizisten bei einem GroĂeinsatz in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf. Die Ermittler glauben, dass er an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht hat, Stromleitungen in der NĂ€he von Kohlekraftwerken zu sabotieren - in einigen FĂ€llen ist ihm das gelungen.
Den Ermittlungen zufolge soll der VerdĂ€chtige Abschussvorrichtungen aufgebaut und mit selbstgebauten Raketen einen dĂŒnnen Draht ĂŒber Hochspannungsleitungen geschossen haben. Mindestens zweimal kam es dadurch zu KurzschlĂŒssen und einzelne Blöcke von nahegelegenen Kraftwerken wurden lahmgelegt.
Bei seiner Festnahme hatte der Mann laut Polizei Sprengmittel bei sich. «Die GegenstĂ€nde werden derzeit durch einen EntschĂ€rfer des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen begutachtet», teilte die Polizei Köln mit. AuĂerdem hĂ€tten EinsatzkrĂ€fte in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler im Unterholz ein Zelt gefunden, das mit weiteren Sprengladungen versehen gewesen sei. Der Mann habe bei seiner Festnahme keinen Widerstand geleistet.
Konkrete Hinweise am Kraftwerk Weisweiler
Die Arbeit der Ermittler hatte sich zuletzt sehr auf den Standort Weisweiler im Rheinischen Braunkohlerevier konzentriert. Schon vergangene Woche hatte die Polizei den Bereich mit vielen KrĂ€ften abgesucht, nachdem das Kraftwerk in einem Bekennerbrief erwĂ€hnt wurde, der von dem 48-JĂ€hrigen aus Gevelsberg im sĂŒdlichen Ruhrgebiet stammen soll.
Am Montag gab es dann erneut verdÀchtige Beobachtungen in Weisweiler. TatsÀchlich fanden die Beamten dort weitere Abschussvorrichtungen und einen dritten Bekennerbrief.
Schnell stand der Verdacht im Raum, dass der TatverdĂ€chtige kurz zuvor noch einmal dort gewesen sein könnte - und sich womöglich noch in der NĂ€he aufhĂ€lt. Mehrere Hundertschaften durchkĂ€mmten ab Montagnachmittag das gesamte GelĂ€nde. Auch eine Drohne mit WĂ€rmebildkamera, die versteckte Personen aufspĂŒren kann, kam laut Polizei zum Einsatz.
Womöglich Hinweis auf weiteren Kurzschluss
Dabei beobachteten die Beamten am Montagabend gegen 21.00 Uhr plötzlich Blitze und KnallgerÀusche, die auch an anderen Tatorten beobachtet worden waren, als der TÀter die Hochspannungsleitungen kurzgeschlossen hatte. SchÀden seien danach aber nicht festgestellt worden, teilte die Polizei mit.
Am Dienstag ging die Suche in Weisweiler weiter. Dabei sei der 48-JÀhrige in der NÀhe des Kraftwerks erkannt und festgenommen worden, teilten die Ermittler mit. Zu den genauen UmstÀnden der Festnahme machten sie zunÀchst keine weiteren Angaben.
Auf der groà angelegten Suche nach dem Mann war zuvor unter anderem der lange Zeit von Klimaaktivisten besetzte Hambacher Forst im Rheinischen Braunkohlerevier nahe Köln durchsucht worden, weil die Polizei ihn dort vermutete.
Kampf gegen fossile Energie als mögliches Motiv
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zu der Sabotage-Serie zuletzt gesagt, es handele sich offensichtlich um «Klimaterrorismus» eines EinzeltĂ€ters. In mehreren Bekennerbriefen, die die Polizei fĂŒr authentisch hĂ€lt und dem 48-JĂ€hrigen zuordnet, begrĂŒndete der mutmaĂliche TĂ€ter die Angriffe auf das Stromnetz mit dem Kampf gegen fossile Energien. «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen», heiĂt es in den Briefen, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.
In den drei von den Taten betroffenen BundeslÀndern Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt.
Die weiteren Ermittlungen fĂŒhrt nun die Staatsanwaltschaft Cottbus, weil die erste Tat in der NĂ€he des Kraftwerks JĂ€nschwalde in Brandenburg bekannt wurde. Mit mehr als 20 selbst gebauten Raketen soll der TĂ€ter dort leitfĂ€higes Material auf die Hochspannungsleitungen geschossen haben. Nach Angaben des Ăbertragungsnetzbetreibers 50Hertz gab es zwei KurzschlĂŒsse, die zum Ausfall eines Kraftwerk-Blocks fĂŒhrten.
Kraftwerksblöcke in Bergheim tagelang auĂer Betrieb
Kurz darauf wurden weitere Abschussvorrichtungen an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen gefunden. Auch in Ostsachsen entdeckten die Ermittler nach eigenen Angaben 21 Abschussvorrichtungen in der NĂ€he von Umspannwerken. Auf mehrere Tatorte soll der 48-JĂ€hrige die Fahnder durch Hinweise in seinem Bekennerbrief selbst aufmerksam gemacht haben.
An den meisten Orten kam es zu keinen bekannten BeschĂ€digungen. In Bergheim bei Köln funktionierten die Vorrichtungen allerdings offensichtlich. Mehrere Blöcke des Kraftwerks waren durch einen Kurzschluss nach Angaben des Betreibers RWE Power fĂŒr einige Tage lahmgelegt.
PolizeiprĂ€sident: HintergrĂŒnde mĂŒssen weiter ermittelt werden
Ermittelt werde gegen den 48-JĂ€hrigen wegen des Verdachts der HerbeifĂŒhrung einer Sprengstoffexplosion und der Störung öffentlicher Betriebe. «Die Festnahme des TatverdĂ€chtigen ist ein wichtiger Schritt in den Ermittlungen», teilte Brandenburgs PolizeiprĂ€sident Oliver Stepien mit. «Jetzt gilt es, die HintergrĂŒnde und ZusammenhĂ€nge der Taten weiter aufzuklĂ€ren und die gewonnenen Erkenntnisse sorgfĂ€ltig zu bewerten.» Die Ermittlungen dauerten an.
