Bundestag verabschiedet Gesetz zum Schutz wichtiger Anlagen
29.01.2026 - 13:54:44 | dpa.deDer Bundestag hat das sogenannte Kritis-Dachgesetz verabschiedet. Es macht Unternehmen und Teilen der Verwaltung strengere Vorgaben fĂŒr den Schutz zentraler Institutionen und Anlagen. Dabei geht es sowohl um die Abwehr der Angriffe von Kriminellen als auch um den Schutz der Infrastruktur vor AnschlĂ€gen von Extremisten. Mit ZĂ€unen, ZugangsbeschrĂ€nkungen und einer Identifizierung technischer Schwachpunkte sollen Risiken begrenzt werden. Auch um Sabotageaktionen auslĂ€ndischer MĂ€chte vorzubeugen.Â
Infrastruktur der EU-Mitgliedstaaten soll widerstandsfÀhiger werden
Das Gesetz, das mit den Stimmen von Union, SPD und AfD verabschiedet wurde, setzt eine EU-Richtlinie um. Es war bereits unter der Ampel-Regierung vorbereitet worden, aber infolge der Koalition von SPD, GrĂŒnen und FDP nicht zum Abschluss gebracht worden.Â
Das Kritis-Dachgesetz sieht fĂŒr Unternehmen der kritischen Infrastruktur â dazu gehören etwa groĂe Energieversorger oder Wasserwerke â nicht nur strengere Verpflichtungen zum Schutz ihrer Anlagen vor, sondern auch eine Pflicht zur Meldung sicherheitsrelevanter VorfĂ€lle sowie BuĂgelder bei RegelverstöĂen. Der Schutz solcher Anlagen war zuletzt auch wegen des Brandanschlags, der Teile der Berliner Stromversorgung tagelang unterbrochen hatte, diskutiert worden.Â
Auf den mutmaĂlich linksextremistisch motivierten Anschlag reagierte die schwarz-rote Koalition mit einem Ănderungsantrag zu dem Gesetzentwurf. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, «bereits veröffentlichte, öffentlich zugĂ€ngliche Infrastrukturinformationen zu ĂŒberprĂŒfen und, wo möglich, konsequent aus den öffentlich zugĂ€nglichen Bereichen zu entfernen». Die Idee dahinter: Potenziellen Angreifern soll es nicht zu leicht gemacht werden.
AfD stimmt trotz Kritik zu
Die AfD kritisierte das Vorhaben, erklĂ€rte aber gleichzeitig, man stimme dennoch zu, da ein verbesserter Schutz der kritischen Infrastruktur notwendig sei. Ihr Abgeordneter Arne Raue sagte, dies sei «ein Gesetz zur Ausweitung staatlicher Kontrolle» und monierte die aus seiner Sicht zu umfassenden Kompetenzen fĂŒr Bundesbehörden.Â
Ăffnungsklausel fĂŒr die LĂ€nder
Rasha Nasr (SPD) sagte, das Gesetz enthalte nun eine Ăffnungsklausel, die es den LĂ€ndern ermögliche die darin enthaltenen Verpflichtungen auch Betreibern kleinerer Anlagen aufzuerlegen. Der Deutsche StĂ€dtetag hatte kritisiert, der im Gesetzentwurf festgelegte Schwellenwert von 500.000 Einwohnern zur Einordnung von Einrichtungen als kritische Infrastruktur sei viel zu hoch. Auch in etwas kleineren StĂ€dten sollte ein MindestmaĂ an Vorgaben zu KrisenplĂ€nen, Meldeketten und IT-Sicherheit verlangt werden.Â
Jan Köstering (Linke) warf Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor, er benutze den Brandanschlag von Berlin als Vorwand, um sich als «Ăberwachungsminister» in Szene zu setzen.Â
Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Ingbert Liebing, erklĂ€rte, jetzt sei wichtig, dass der Bundesrat dem Gesetz zustimme. Denn «die Zeit, die beim politischen Ringen der letzten Jahre verloren wurde, fehlt den Unternehmen zur Umsetzung».
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