Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Strom-Sabotage: Polizei stĂŒrmt Fahrzeug des VerdĂ€chtigen

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 19:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Sabotageversuche gegen das deutsche Stromnetz sorgen fĂŒr Aufsehen, es gibt Bekennerschreiben. Das Fahrzeug des Verfassers hat die Polizei gefunden - doch er selbst ist flĂŒchtig.

  • Laut NRW-Innenminister Herbert Reul gibt es Entwicklungen bei der Suche nach dem Sabotage-VerdĂ€chtigen.  - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Laut NRW-Innenminister Herbert Reul gibt es Entwicklungen bei der Suche nach dem Sabotage-VerdÀchtigen. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Dieser zu einem Wohnwagen umgebaute Lastwagen soll vom TatverdĂ€chtigen sein. Die Polizei fand ihn dort nicht. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa
    Dieser zu einem Wohnwagen umgebaute Lastwagen soll vom TatverdÀchtigen sein. Die Polizei fand ihn dort nicht. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa
  • Blick auf ein Umspannwerk in Dormagen (NRW). - Bild: Bernd Thissen/dpa
    Blick auf ein Umspannwerk in Dormagen (NRW). - Bild: Bernd Thissen/dpa
  • NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU, links) trat an der Seite seines Amtskollegen aus Berlin, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), vor die Presse. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU, links) trat an der Seite seines Amtskollegen aus Berlin, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), vor die Presse. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Die SpezialeinsatzkrĂ€fte der Polizei stĂŒrmten den Camper-Lkw, der Mann war aber nicht drin. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa
    Die SpezialeinsatzkrĂ€fte der Polizei stĂŒrmten den Camper-Lkw, der Mann war aber nicht drin. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa
Laut NRW-Innenminister Herbert Reul gibt es Entwicklungen bei der Suche nach dem Sabotage-VerdĂ€chtigen.  - Bild: Christoph Reichwein/dpa Dieser zu einem Wohnwagen umgebaute Lastwagen soll vom TatverdĂ€chtigen sein. Die Polizei fand ihn dort nicht. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa Blick auf ein Umspannwerk in Dormagen (NRW). - Bild: Bernd Thissen/dpa NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU, links) trat an der Seite seines Amtskollegen aus Berlin, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), vor die Presse. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Die SpezialeinsatzkrĂ€fte der Polizei stĂŒrmten den Camper-Lkw, der Mann war aber nicht drin. - Bild: Daniel Evers/WupperVideo/dpa

Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verĂŒbt haben soll. Nachdem Beamte in der Wohnung des 48-JĂ€hrigen in Gevelsberg (NRW) Sprengstoff gefunden hatten, stĂŒrmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) am Freitagnachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Das berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul in DĂŒsseldorf. Der Mann war nicht in dem Fahrzeug, möglicherweise ist er zu Fuß unterwegs.

Der CDU-Politiker trat bei einer Pressekonferenz an der Seite von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, der von «Klimaterrorismus» sprach. Der Mann ist vermutlich ein EinzeltÀter, sein Bekennerschreiben ist Ermittlern zufolge authentisch. «Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges TÀterwissen», sagte Dobrindt. Als Ziele nannte der Autor etwa Dormagen und Weisweiler bei Aachen - also Orte unweit von Braunkohle-Abbaugebieten, sagte NRW-Amtskollege Reul. 

Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen im Visier

Die Briefe waren bei mehreren deutschen MedienhĂ€usern eingegangen. Sie enthalten Medienberichten zufolge Informationen zu Taten, die zu diesem Zeitpunkt öffentlich noch nicht bekannt waren. «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen», hieß es in den Briefen.

Dem widersprach Innenminister Reul: «Fakt ist: Nicht die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, sondern kritische Infrastruktur anzugreifen ist ein Verbrechen.» FĂŒr die Taten gebe es keine Rechtfertigung. «Keine Ideologie taugt als Ausrede.» Wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von KrankenhĂ€usern gefĂ€hrde, der rette nichts, sondern gefĂ€hrde Leben. Zu möglichen Konsequenzen sagte Reul: «Wir mĂŒssen die kritische Infrastruktur besser schĂŒtzen.» DafĂŒr brauche man klare Rechte und moderne Technik, etwa Kameras, Sensoren und Alarmsysteme.

Der Mann habe die Briefe allein unterschrieben und dabei sogar seine Wohnanschrift angegeben, was ungewöhnlich sei, sagte Reul und fĂŒgte hinzu: «Wenn man sieht, wo der ĂŒberall rumgefahren ist, fragt man sich: Kann das einer alleine geschafft haben oder braucht er Helfer?»

Was passiert war

Es gab in dieser Woche mehrere Sabotageversuche mit Bezug zur Stromversorgung. Zuletzt sorgten Vorkommnisse in Nordrhein-Westfalen fĂŒr Aufregung. So wurde an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und DĂŒsseldorf ein verdĂ€chtiger Gegenstand entdeckt, laut Polizei möglicherweise eine Abschussvorrichtung. Ein SpaziergĂ€nger hatte die Konstruktion bemerkt und die Polizei alarmiert.

Die gefundenen Konstruktionen Ă€hneln laut Polizei stark den Abschussvorrichtungen, mit denen Unbekannte in Bergheim Kabel ĂŒber die Oberleitungen geschossen und so mehrere Kraftwerksblöcke lahmgelegt hatten. Auch bei JĂ€nschwalde in Brandenburg hatte es zuvor schon einen Angriff auf das Stromnetz gegeben.

Am Kraftwerk Weisweiler bei Aachen und einem Umspannwerk in Eschweiler durchkÀmmte die Polizei am Freitag mit zahlreichen KrÀften die Umgebung, weil der Ort in dem Bekennerschreiben genannt worden war. 

Beim Kraftwerk Weisweiler stellte die Polizei zahlreiche dĂŒnne DrĂ€hte sicher, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Die Beamten fokussierten sich auf mehrere Stellen auf einem Feld und in einem GebĂŒsch in unmittelbarer NĂ€he zu dem Kraftwerk und zu einem Umspannwerk in der Stadt Eschweiler. Die Bereiche wurden von Beamten mit Fotos dokumentiert. Offiziell machte die Polizei zunĂ€chst keine weiteren Angaben zu dem Einsatz.

Funde an mehreren Orten

Am Dienstagmorgen hatten Unbekannte zunÀchst in Brandenburg in der NÀhe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks JÀnschwalde einen Angriff auf die Stromversorgung gestartet. Abends kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln.

In der NĂ€he beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden - in Brandenburg nach dpa-Informationen mehr als 20 Raketen. Ermittelt wird wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. In Sachsen wurden nach Hinweisen aus einem Bekennerschreiben «unbekannte Sprengvorrichtungen» entdeckt. «Die PolizeikrĂ€fte haben in dem noch laufenden Einsatz an zwei Fundorten vier Objekte gesichert und gehen jetzt die EntschĂ€rfung an», erklĂ€rte Innenminister Armin Schuster (CDU) auf dpa-Anfrage. In Niedersachsen sorgte in der Nacht zu Freitag ein offenstehender Schaltschrank bei einem Umspannwerk in Ganderkesee im Landkreis Oldenburg fĂŒr Aufregung. Die Polizei prĂŒft, ob es einen Zusammenhang mit einer Straftat gibt.

Die Polizei bat die Bevölkerung um UnterstĂŒtzung bei den laufenden Ermittlungen und schaltete ein Hinweisportal frei. Wem im Bereich von Umspannwerken Personen oder Fahrzeuge aufgefallen, der könne dies unter https://nrw.hinweisportal.de/ melden. Von besonderem Interesse sei Bild- und Videomaterial.

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