Sachsen-Anhalt, Tobias Rausch

Sachsen-Anhalt: AfD nominiert Tobias Rausch als PrÀsidenten

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 11:19 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der neue Landtag von Sachsen-Anhalt ist in Magdeburg erstmals zusammengetreten. Im Zentrum steht die Wahl des PrÀsidenten: AfD-Kandidat Tobias Rausch kann auf Stimmen des BSW hoffen, wÀhrend vor dem Parlament mehrere hundert Menschen protestierten.

Neuer Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammengekommen
Anti-AfD-Protest vor dem Landtag von Sachsen-Anhalt am 06.10.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Genau einen Monat nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist der neue Landtag am Dienstag in Magdeburg zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengekommen. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Wahl eines LandtagsprÀsidenten.

AfD setzt auf Tobias Rausch

Die AfD, die mit Abstand die stĂ€rkste Fraktion stellt, nominierte ihren bisherigen Parlamentarischen GeschĂ€ftsfĂŒhrer Tobias Rausch. Weil das BSW angekĂŒndigt hat, Rausch ebenfalls zu wĂ€hlen, stehen seine Chancen gut.

Bei einer erfolgreichen Wahl wĂŒrde erstmals ein AfD-Politiker das PrĂ€sidentenamt eines deutschen Landesparlaments ĂŒbernehmen. Kritik richtet sich unter anderem dagegen, dass Rausch zugleich GeneralsekretĂ€r der AfD in Sachsen-Anhalt bleiben soll; Kritiker sehen darin einen Widerspruch zur ausgleichenden Rolle des LandtagsprĂ€sidenten.

Stellvertreter und GeschÀftsordnung

FĂŒr das Amt eines Stellvertreters kandidieren Armin Willingmann von der SPD, Hans-Thomas Tillschneider von der AfD und Carsten Borchert von der CDU. Das BSW will Tillschneider im Unterschied zu Rausch nicht unterstĂŒtzen.

Damit die AfD neben dem PrĂ€sidenten auch einen VizeprĂ€sidenten stellen kann, mĂŒsste voraussichtlich zunĂ€chst die GeschĂ€ftsordnung geĂ€ndert werden.

Proteste vor dem Parlament

Vor dem Landtag protestierten mehrere hundert Menschen gegen die AfD. Auf dem Domplatz lasen Demonstranten das Grundgesetz vor; außerdem wurde der Magdeburger Dom mit politischen Botschaften wie „Nie wieder ist jetzt“ und „So hat es schon mal angefangen“ angestrahlt.

MinisterprÀsidentenwahl im Dezember

Im Dezember will AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund fĂŒr das Amt des MinisterprĂ€sidenten kandidieren. Er kĂŒndigte an, nur im ersten Wahlgang anzutreten und seine Kandidatur bei einer Niederlage nicht aufrechtzuerhalten.

Die AfD erreichte bei der Landtagswahl knapp 44 Prozent der Stimmen und verfehlt die absolute Mehrheit um drei Mandate. Das BSW verfĂŒgt ĂŒber fĂŒnf Sitze und will sich bei der MinisterprĂ€sidentenwahl enthalten. Ohne ÜberlĂ€ufer wĂ€re Siegmund voraussichtlich erst im dritten Wahlgang mit einfacher Mehrheit wĂ€hlbar.

Mit der konstituierenden Sitzung beginnt die Arbeitsphase des neu gewĂ€hlten Landtags. Die AfD verfĂŒgt nach ihrem Ergebnis von knapp 44 Prozent ĂŒber 39 der 83 Sitze und ist damit stĂ€rkste Fraktion, besitzt aber keine eigene absolute Mehrheit. FĂŒr die Wahl des LandtagsprĂ€sidenten genĂŒgt die Mehrheit der abgegebenen gĂŒltigen Stimmen. Die angekĂŒndigte UnterstĂŒtzung des BSW kann Tobias Rausch deshalb ins Amt bringen.

Die PrĂ€sidentenwahl hat ĂŒber Sachsen-Anhalt hinaus Bedeutung, weil sie die MehrheitsverhĂ€ltnisse im Parlament sichtbar macht. Das Amt soll die Sitzungen leiten, die parlamentarischen Rechte wahren und zwischen den Fraktionen vermitteln. Dass Rausch zugleich GeneralsekretĂ€r der Landespartei bleiben soll, fĂŒhrt deshalb zu einem politischen Konflikt ĂŒber die erwartete NeutralitĂ€t des Amts.

Mehrheiten vor der MinisterprÀsidentenwahl

Die Wahl der Stellvertreter dĂŒrfte schwieriger werden. Das BSW will den AfD-Kandidaten Hans-Thomas Tillschneider nicht unterstĂŒtzen; fĂŒr einen weiteren AfD-VizeprĂ€sidenten wĂ€re zudem eine Änderung der GeschĂ€ftsordnung erforderlich. Damit wird bereits in der ersten Sitzung deutlich, dass die AfD zwar stĂ€rkste Kraft ist, Entscheidungen aber weiterhin auf Stimmen oder Enthaltungen anderer Fraktionen angewiesen sind.

Diese Konstellation prĂ€gt auch den Blick auf die fĂŒr Dezember angekĂŒndigte MinisterprĂ€sidentenwahl. Ulrich Siegmund fehlen drei Mandate zur absoluten Mehrheit. Wenn das BSW sich enthĂ€lt und keine Abgeordneten anderer Fraktionen ihn unterstĂŒtzen, wĂŒrde eine Wahl erst im dritten Wahlgang mit einfacher Mehrheit möglich. Die Proteste vor dem Landtag unterstreichen zugleich, dass die parlamentarischen Mehrheiten in Sachsen-Anhalt von einem breiten gesellschaftlichen Konflikt ĂŒber den Umgang mit der AfD begleitet werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Historische Sitzung in Sachsen-Anhalt: Startet hier die AfD-MachtĂŒbernahme im Parlament?“ (06.10.2026)

Der Beitrag bestÀtigt den Zusammentritt des neuen Landtags, die 39 AfD-Sitze und die Kandidatur Tobias Rauschs. Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung der PrÀsidentenwahl, die fehlende AfD-Alleinmehrheit und der Protest vor dem Parlament.

n-tv: „Tobias Rausch will kein Hardliner sein“ (05.10.2026)

n-tv richtet den Blick stĂ€rker auf Rauschs politisches Profil und seine Rolle als Verhandler innerhalb der Fraktion. Der Beitrag bestĂ€tigt die geplante UnterstĂŒtzung durch das BSW, stellt ihr aber die Ablehnung anderer Fraktionen und die Debatte ĂŒber Rauschs Eignung fĂŒr ein ausgleichendes Amt gegenĂŒber.

Beide BeitrĂ€ge stimmen beim zentralen Vorgang und bei der entscheidenden Rolle des BSW ĂŒberein. Unterschiedliche Schwerpunkte liegen bei der institutionellen Bedeutung der PrĂ€sidentenwahl und bei der persönlichen Bewertung des AfD-Kandidaten; offen bleibt vor allem, wie die weiteren Abstimmungen und die MinisterprĂ€sidentenwahl im Dezember ausgehen.

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