Sachsen-Anhalt: Schulze lehnt AfD-HĂ€lfte in AusschĂŒssen ab
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 12:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer noch amtierende MinisterprĂ€sident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), lehnt die Forderung der AfD ab, die HĂ€lfte aller Mitglieder in den AusschĂŒssen des Landtags zu stellen. Der sogenannte Vor-Ăltestenrat befasst sich derzeit mit dem Ansinnen.
Schulze verweist auf Wahlergebnis
âDas entspricht nicht dem Wahlergebnis, das haben wir der AfD auch klar mitgeteiltâ, sagte Schulze dem Nachrichtensender Welt. Es werde versucht, möglichst viele Entscheidungen im Sinne der AfD zu treffen oder von dem eigentlichen Wahlergebnis abweichend zu gestalten.
Die AfD strebt auĂerdem eine verĂ€nderte Sitzordnung im Landtag an, weil sie nicht mehr rechtsauĂen sitzen will. Schulze wertete diese und Ă€hnliche AntrĂ€ge an den Ăltestenrat und den Vor-Ăltestenrat als Machtdemonstration.
Streit um BĂŒros und Sitzordnung
Nach Darstellung des CDU-Politikers soll es auch darum gehen, dass Abgeordnete von GrĂŒnen und SPD kĂŒnftig keine BĂŒros mehr im eigentlichen LandtagsgebĂ€ude haben, sondern auĂerhalb RĂ€ume suchen mĂŒssten. Dies hĂ€nge wahrscheinlich damit zusammen, dass die AfD zeigen wolle, wie stark sie nun sei, sagte Schulze.
Rheinland-Pfalz behÀlt MPK-Vorsitz
Schulze verteidigte zugleich seinen VorstoĂ, Sachsen-Anhalt den ursprĂŒnglich zum 1. Oktober vorgesehenen Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz nicht zu ĂŒbertragen. Es sei nicht abzusehen, wann die neue Landesregierung ins Amt komme; zugleich mĂŒsse die Konferenz funktionieren.
Die MinisterprĂ€sidenten hĂ€tten entschieden, dass Rheinland-Pfalz den Vorsitz behĂ€lt. Schulze bezeichnete diese Entscheidung als vernĂŒnftig. Rheinland-Pfalz fĂŒhrt das LĂ€ndergremium damit ein weiteres Jahr, bevor die turnusgemĂ€Ăe Reihenfolge fortgesetzt werden soll.
Die Auseinandersetzung fĂ€llt in eine ungewöhnlich offene Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl am 6. September 2026 wurde die AfD mit 43,8 Prozent stĂ€rkste Kraft und erhielt 39 der 83 Sitze. FĂŒr eine absolute Mehrheit sind 42 Mandate erforderlich; CDU, SPD, GrĂŒne und Linke kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze, wĂ€hrend das BSW fĂŒnf Abgeordnete stellt.
Damit besitzt das BSW eine zentrale parlamentarische Stellung. GesprĂ€che zwischen AfD und BSW laufen, zugleich lehnt das BSW eine Koalition mit der AfD ab. Die CDU hat sich nach der Wahl fĂŒr die Opposition entschieden; ohne ihre Beteiligung verfĂŒgen SPD, GrĂŒne, Linke und BSW nicht ĂŒber eine eigene Mehrheit. Das erschwert nicht nur die Regierungsbildung, sondern macht auch organisatorische Fragen des neuen Landtags politisch bedeutsam.
Parlamentarische MachtverhÀltnisse
Die Forderung nach der HĂ€lfte der Ausschusssitze berĂŒhrt die praktische ArbeitsfĂ€higkeit des Parlaments. AusschĂŒsse bereiten Plenumentscheidungen vor und spiegeln grundsĂ€tzlich die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse der Fraktionen wider. Eine deutliche Abweichung vom Wahlergebnis wĂŒrde daher ĂŒber Raum- und Personalfragen hinaus die Einflussmöglichkeiten der einzelnen Parteien bei der parlamentarischen Kontrolle verĂ€ndern.
Auch der Streit um die Sitzordnung ist vor diesem Hintergrund ein Signal fĂŒr die neue KrĂ€fteverteilung. Der Umgang mit der AfD dĂŒrfte die konstituierende Phase des Landtags prĂ€gen, dessen erste Sitzung fĂŒr den 6. Oktober vorgesehen ist. Parallel bleibt die geschĂ€ftsfĂŒhrende Landesregierung im Amt, bis eine neue Regierung gewĂ€hlt ist.
MPK-Vorsitz bleibt in Rheinland-Pfalz
Die MinisterprĂ€sidentenkonferenz bleibt derweil ein Jahr lĂ€nger unter dem Vorsitz von Rheinland-Pfalz. Das Gremium koordiniert die LĂ€nder untereinander und gegenĂŒber dem Bund; der Vorsitz setzt Themen, moderiert GesprĂ€che und vertritt die LĂ€nder nach auĂen, besitzt aber kein Durchgriffsrecht. Die regulĂ€re Reihenfolge soll 2027 mit Schleswig-Holstein fortgesetzt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âRheinland-Pfalz behĂ€lt MPK-Vorsitz - Sachsen-Anhalt wird ĂŒbersprungenâ (24.09.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die einstimmige Entscheidung der LĂ€nderchefs, Rheinland-Pfalz den Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz fĂŒr ein weiteres Jahr zu ĂŒberlassen. Er legt den Schwerpunkt auf die unklare Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt und erlĂ€utert die koordinierende, aber nicht durchgreifende Rolle des MPK-Vorsitzes.
Frankfurter Rundschau: âStatt Sachsen-Anhalt: Rheinland-Pfalz weiter an MPK-Spitzeâ (24.09.2026)
Auch dieser Artikel bestÀtigt die VerlÀngerung des rheinland-pfÀlzischen Vorsitzes und die unverÀnderte weitere Reihenfolge. Anders als der Tagesschau-Beitrag ordnet er zusÀtzlich die rechtliche Stellung der MPK ein und stellt heraus, dass die Entscheidung nach juristischer EinschÀtzung keine Ausgrenzung eines möglichen AfD-MinisterprÀsidenten bedeuten muss.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Ergebnis und beim organisatorischen Grund ĂŒberein. Unterschiede bestehen vor allem in der Gewichtung: WĂ€hrend die Tagesschau die FunktionsfĂ€higkeit der LĂ€nderkoordination betont, richtet die Frankfurter Rundschau den Blick stĂ€rker auf rechtliche Einordnung und politische Signalwirkung.
