AuslÀnder-Straftaten: Wagenknecht fordert Kanzleramts-Gipfel
26.03.2024 - 07:34:23 | dpa.de
ParteigrĂŒnderin Sahra Wagenknecht fordert gemeinsame Anstrengungen von Bund und LĂ€ndern gegen Straftaten von AuslĂ€ndern und fĂŒr eine bessere Ausstattung der Polizei. Nötig sei ein «Innenministergipfel im Kanzleramt», bei dem es auch um «das Problem der unkontrollierten Migration gehen» solle, sagte die Vorsitzende der neuen Partei BĂŒndnis Sahra Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Damit schĂ€rft die frĂŒhere Linken-Politikerin weiter ihr Profil mit Positionen in der NĂ€he von Union und AfD.
«Wenn die Kriminalstatistik zeigt, dass Straftaten ĂŒberproportional von Menschen aus bestimmten Einwanderungsmilieus begangen werden, darf eine Innenministerin dieses Problem nicht tabuisieren und herunterspielen», sagte Wagenknecht. «Die neuen Zahlen sollten die Innenministerin veranlassen, ihre Ministerkollegen aus den LĂ€ndern sofort an einen Tisch zu holen.»
Die Polizei brauche eine bessere Ausstattung, fĂŒgte Wagenknecht hinzu. «Zudem fördert die gesellschaftliche Herabsetzung von Polizisten ein Klima, in dem Kriminelle unseren Rechtsstaat faktisch auslachen. Anstatt Polizisten in vielen Debatten unter Generalverdacht zu stellen, halbe Nazis zu sein, verdient die Arbeit unserer Polizei deutlich mehr Respekt und gesellschaftliche Anerkennung.»
Faeser sorgt sich und droht mit Konsequenzen
Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten zuletzt von einem gestiegenen Anteil auslĂ€ndischer StraftĂ€ter berichtet. Nach Angaben des nordrhein-westfĂ€lischen Innenministers Herbert Reul (CDU) wuchs ihre Zahl 2023 in dem Bundesland um 10,4 Prozent. Schon 2022 erreichte nach offiziellen Angaben bei einem Bevölkerungsanteil der Nichtdeutschen von 15,6 Prozent in NRW der Anteil an den TatverdĂ€chtigen 32,8 Prozent - auslĂ€nderrechtliche Straftaten nicht mitgezĂ€hlt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, dass die Zahl der Straftaten insgesamt steige, sei ein «bundesweiter Trend, fĂŒr den besonders AuslĂ€nder und Zuwanderer verantwortlich sind».
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) Ă€uĂerte daraufhin Sorge und drohte mit Konsequenzen bis hin zur Abschiebung. In beiden BundeslĂ€ndern gab es von SPD und GrĂŒnen aber auch die Warnung vor einem Generalverdacht gegen bestimmte Gruppen. Der Kriminologe Dirk Baier ordnete im «Spiegel» die Kriminalstatistik so ein: «Von 100 Deutschen werden ungefĂ€hr zwei bis drei tatverdĂ€chtig. Bei den AuslĂ€ndern sind es circa fĂŒnf bis sechs.
Das macht klar: Wer auf Basis dieser Zahlen pauschale MaĂnahmen gegen ganze Gruppen fordert, trifft damit auch die 94 Prozent, die hier nach Recht und Gesetz leben.» Es sei auch «vollkommener Unsinn», dass das Thema AuslĂ€nderkriminalitĂ€t tabuisiert werde.
Wagenknecht als Kanzlerkandidatin?
In den anstehenden WahlkĂ€mpfen dĂŒrften Migration und innere Sicherheit in jedem Fall eine Rolle spielen - und es fĂ€llt auf, wie Wagenknecht sich dabei positioniert. Zuletzt hatte sie bereits die weitreichende Forderung aufgestellt, abgelehnten Asylbewerber ohne Schutzstatus sĂ€mtliche Geldleistungen zu streichen.
Sie selbst hat angekĂŒndigt, sich als «seriöse Adresse» fĂŒr UnterstĂŒtzer der AfD anzubieten. TatsĂ€chlich sind sich AnhĂ€ngerinnen und AnhĂ€nger von AfD und BSW nach einer Erhebung fĂŒr das ZDF-Politbarometer in bestimmten Punkten Ă€hnlich, etwa beim GefĂŒhl, benachteiligt zu sein. «Unter der AnhĂ€ngerschaft der AfD haben wir den gröĂten Anteil, die sich vorstellen können, auch das BSW zu wĂ€hlen», sagte Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen in einem ZDF-Podcast. «Das BSW könnte da durchaus Erfolge erzielen in diesem Bereich, in diesem AfD-Lager.»
Bundesweit steht das BSW in Umfragen bei um die fĂŒnf Prozent. In ThĂŒringen, Sachsen und Brandenburg, wo im September neue Landtage gewĂ€hlt werden, waren die BSW-Werte sogar schnell zweistellig. Zugleich sank die Zustimmung fĂŒr die AfD vor allem in ThĂŒringen spĂŒrbar.
Im BSW löst der Anfangserfolg Euphorie aus - so sehr, dass der BSW-Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich jetzt auch eine Kanzlerkandidatur Wagenknechts ins GesprĂ€ch bringt. «Bei den Beliebtheitswerten kann Sahra Wagenknecht locker mit Scholz, Merz, Baerbock und Habeck mithalten», sagte Ulrich der dpa. «Die Menschen erkennen auch, dass Sahra Wagenknecht mit ihren Positionen zur Migration, Corona-MaĂnahmen, Energiepolitik oder Ukrainekrieg recht hatte.» Die Umfragewerte und die Geschlossenheit der neuen Partei seien Wagenknechts Verdienst. «Daher ist Sahra Wagenknecht fĂŒr jedes politische Amt geeignet», meinte Ulrich.
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