Koalition, Einigung

Koalition ringt um Einigung bei der Stromsteuer

02.07.2025 - 21:51:18 | dpa.de

Schon der zweite Koalitionsausschuss hat es in sich. VerfĂ€llt das schwarz-rote BĂŒndnis in die Ampel-Muster von Streit und Misstrauen? Oder gelingt ein Durchbruch? Am Abend ist das noch offen.

Auf diese beiden, gegen derden Politik KlimaschĂŒtzer vor dem Kanzleramt demonstrieren, kommt es beim Koalitionsausschuss an. - Foto: Christoph Soeder/dpa

Kommt bei der Stromsteuer doch noch eine Kehrtwende? Nach mehr als vierstĂŒndigen Beratungen war am Abend weiter offen, ob Union und SPD darĂŒber eine Einigung finden. Es geht darum, ob es doch eine Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle geben wird - also auch fĂŒr private Haushalte sowie alle Unternehmen. 

Bisher ist - anders als im Koalitionsvertrag vereinbart - nur eine Entlastung fĂŒr die Industrie sowie die Land- und Forstwirtschaft geplant. Das sorgt fĂŒr breite Kritik. Eine vor allem von fĂŒhrenden Unionspolitikern geforderte Einbeziehung aller Verbraucherinnen und Verbraucher wĂŒrde nach Angaben des Bundesfinanzministeriums im kommenden Jahr rund 5,4 Milliarden Euro zusĂ€tzlich kosten. FĂŒr deren Finanzierung mĂŒsste die Koalition bei anderen Vorhaben Abstriche machen. 

Nagelprobe fĂŒr Merz und Klingbeil

FĂŒr die Koalition handelt es sich um die erste echte innenpolitische Nagelprobe. Dabei kommt es vor allem auf zwei Protagonisten an. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bisher zwar eine gute Figur auf der internationalen BĂŒhne gemacht. Nun muss er aber beweisen, dass er auch die Wirtschaft ankurbeln und die Stimmung im Land verbessern kann. 

Vor der Sitzung versuchte er die Bedeutung der Sitzung aber herunterzuspielen. «Ob wir als Bundesregierung erfolgreich waren oder nicht, wird in fĂŒnf oder in zehn Jahren nicht danach beurteilt, ob wir bei der Stromsteuer das Richtige gemacht haben», sagte er bei einer Veranstaltung in Berlin. «Sondern es wird danach beurteilt, ob wir fĂŒr den Erhalt von Freiheit, von Frieden, von Demokratie und offener Gesellschaft in unserem Land das Richtige getan haben.»

Der Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil ging nach der Klatsche bei der Wahl zum SPD-Vorsitzenden geschwÀcht in den Koalitionsausschuss und muss sich neu beweisen. 

Der Koalitionsausschuss tagt das zweite Mal seit Amtsantritt der neuen Regierung. Er gilt als zentrales Planungsgremium des BĂŒndnisses von CDU, CSU und SPD und berĂ€t mindestens einmal im Monat. Er befasst sich mit «Angelegenheiten von grundsĂ€tzlicher Bedeutung, die zwischen den Koalitionspartnern abgestimmt werden mĂŒssen, und fĂŒhrt in KonfliktfĂ€llen Konsens herbei», wie es im Koalitionsvertrag heißt.

Frei bei Sparkassen-Forum statt im Kanzleramt

Dem Ausschuss gehören zehn MĂ€nner und nur eine Frau an, was fĂŒr viel Kritik gesorgt hat. In der ersten Sitzung war noch Saskia Esken als SPD-Chefin dabei. Diesmal hat deren Nachfolgerin BĂ€rbel Bas ihre Premiere in dem Gremium, die am Wochenende an die Parteispitze gewĂ€hlt wurde. 

Nicht dabei ist diesmal Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU), der den Koalitionsausschuss zusammen mit SPD-StaatssekretĂ€r Björn Böhning vorbereitet hat. Frei nahm stattdessen am Sparkassen-Forum in Donaueschingen in seinem Wahlkreis im Schwarzwald teil. Die Veranstaltung sei vor einem Jahr geplant worden – lange vor der Bundestagswahl, hieß es in seinem Umfeld. 

Da Frei als Hauptredner vor etwa 1000 Teilnehmern vorgesehen gewesen sei, habe sich das nicht mehr umplanen lassen. Frei ließ sich von Michael Meister vertreten, Staatsminister im Kanzleramt fĂŒr die Beziehungen zwischen Bund und LĂ€ndern.

Stromsteuer: Was springt fĂŒr Verbraucher raus? 

Das Kabinett hat Entlastungen bei den Energiepreisen zum 1. Januar 2026 auf den Weg gebracht. Die Netzentgelte, ein Bestandteil des Strompreises, sollen gesenkt und die Gasspeicherumlage fĂŒr Gaskunden abgeschafft werden. 

Bei der Stromsteuer soll die Absenkung fĂŒr die Industrie, Land- und Forstwirtschaft «verstetigt» werden. Sie soll aber - entgegen der AnkĂŒndigung im Koalitionsvertrag - nicht fĂŒr alle gesenkt werden, also nicht fĂŒr alle Betriebe sowie fĂŒr private Haushalte. Das löst breite Kritik bei WirtschaftsverbĂ€nden, Gewerkschaften und SozialverbĂ€nden aus - aber auch innerhalb der Union. Kritik kam unter anderem von Unionsfraktionschef Jens Spahn und NRW-MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst (beide CDU). Dies sorgte wiederum fĂŒr VerĂ€rgerung in der SPD. 

SPD sendet Signale

SPD-GeneralsekretĂ€r Tim KlĂŒssendorf blickte aber vor dem Treffen wieder zuversichtlicher auf den Koalitionsausschuss. «Ich glaube, der Ärger ist schon wieder bisschen verflogen, weil wir jetzt auf einem guten Weg sind, heute auch im Koalitionsausschuss da zu gemeinsamen Lösungen zu finden», sagte er im ARD-«Morgenmagazin». Es sei gut, dass der Bundeskanzler am Montag betont habe, dass es diese Kommunikationsprobleme gegeben habe und man diese nun gemeinsam anpacken wolle. Die Koalition sei «extrem stabil».

BĂŒrgergeld: Wie viel kann gespart werden?

Sparen will die Koalition beim BĂŒrgergeld. Hier dĂŒrfte der Teufel im Detail stecken. 1,5 Milliarden Euro sollen es nach dpa-Informationen nach ersten PlĂ€nen im nĂ€chsten Jahr sein, spĂ€ter soll die Sparsumme auf 4,5 Milliarden Euro steigen. Die «Bild»-Zeitung berichtete zuerst darĂŒber. ZunĂ€chst sollen demnach Sanktionen verschĂ€rft werden. Dann solle eine grundsĂ€tzliche Reform mit einer Neuberechnung der RegelsĂ€tze folgen. 

Rund 32.900 Menschen mit BĂŒrgergeld wurden nach Angaben der Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) in NĂŒrnberg zuletzt - im Februar 2025 - Leistungen wegen Verfehlungen gekĂŒrzt, nach 24.700 vor einem Jahr. Angesichts von 5,5 Millionen BĂŒrgergeld-Bezieherinnen und -Beziehern macht das nach Ansicht von Experten deutlich, dass hier keine enormen Einsparungen zu erzielen sind. Insgesamt sind laut BA im MĂ€rz 3,9 Milliarden Euro BĂŒrgergeld zu den sogenannten Leistungsberechtigten geflossen, was kaum eine VerĂ€nderung gegenĂŒber MĂ€rz 2024 darstellt. Im MĂ€rz 2023 waren es 3,5 Milliarden Euro.

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