MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer kĂŒndigt RĂŒckzug an
19.06.2024 - 10:35:17 | dpa.deDeutlich vor der nĂ€chsten Landtagswahl 2026 gibt es in Rheinland-Pfalz einen Wechsel an der Regierungsspitze. MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer (SPD) zieht sich in wenigen Wochen von ihrem Amt zurĂŒck, das sie seit 2013 innehat.
Ihr Nachfolger soll der bisherige Landesminister fĂŒr Arbeit und Soziales, Transformation und Digitalisierung, Alexander Schweitzer (SPD), werden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Details sollen am Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Mainz bekanntgegeben werden. Zuvor hatten «Die Rheinpfalz», der «Spiegel» und «Die Zeit» darĂŒber berichtet.
ZunÀchst war unklar, welcher konkrete Grund Dreyer nun zu dem Schritt bewogen hat. Er kommt anderthalb Wochen nach der Schlappe der Sozialdemokraten bei der Europawahl und den Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz. Dreyer hatte etwa zu Beginn dieses Jahres beim Neujahrsempfang in der Staatskanzlei noch gesagt, sie habe noch sehr, sehr viel vor.
Und doch war schon seit LĂ€ngerem ĂŒber ihren RĂŒckzug spekuliert worden. Als mögliche Nachfolger waren neben Schweitzer auch Innenminister Michael Ebling und die derzeitige Landtagsfraktionschefin Sabine BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler (beide SPD) gehandelt worden.
BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler wird nun Landesvorsitzende der SPD Rheinland-Pfalz, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr und zuvor die «Rheinpfalz» berichtet hatte. Der bisherige Landeschef Roger Lewentz, der bei der Ahrtal-Flut Innenminister war und spĂ€ter zurĂŒcktrat, wird demnach aufhören.
Wochen der Entscheidungen in Rheinland-Pfalz
Nach Informationen der Tageszeitung «Rheinpfalz» soll sich Schweitzer noch vor der parlamentarischen Sommerpause im Landtag zur Wahl als MinisterprĂ€sident stellen. Die nĂ€chste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist turnusgemÀà im FrĂŒhjahr 2026. Schweitzer hĂ€tte damit die Chance, bereits als profilierter Regierungschef in diese Wahl zu gehen.
Politikwissenschaftler Uwe Jun bescheinigte Dreyer, einen guten Zeitpunkt fĂŒr den RĂŒcktritt gewĂ€hlt zu haben. Knapp zwei Jahre vor der nĂ€chsten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz habe ihr Nachfolger genug Zeit, sich in das Amt einzufĂŒhren, sagte Jun der dpa. Schweitzer trete in «sehr groĂe FuĂstapfen». Es sei fĂŒr ihn keine leichte Aufgabe, weil Dreyer sehr hohe PopularitĂ€tswerte habe.
Der aus dem sĂŒdpfĂ€lzischen Landau stammende Schweitzer ist seit der Regierungsbildung nach der Landtagswahl 2021 wieder im rheinland-pfĂ€lzischen Kabinett vertreten. Der 50-JĂ€hrige war bereits in den Jahren 2013 und 2014 Minister gewesen, zwischenzeitlich war er dann Fraktionschef der SPD im rheinland-pfĂ€lzischen Landtag.
KĂŒnftiges Duell: Schweitzer gegen Schnieder
Mit dem nun angekĂŒndigten RĂŒckzug der im pfĂ€lzischen Neustadt an der WeinstraĂe geborenen Dreyer dĂŒrfte das in der Landespolitik kĂŒnftig zentrale Duell stehen: Schweitzer gegen Gordon Schnieder von der CDU. Sowohl in der seit 1991 durchgĂ€ngig im eigentlich strukturkonservativen Rheinland-Pfalz regierenden SPD als auch bei der Union hatte es immer wieder geheiĂen, dass nach der Europa- und Kommunalwahl auf die personelle Aufstellung fĂŒr 2026 geschaut werden solle.
Bei der CDU war in der vergangenen Woche bekanntgegeben worden, dass Schnieder, der schon lĂ€nger CDU-Fraktionschef im Landtag in Mainz ist, demnĂ€chst auch Chef der Landespartei werden soll. Der bisherige Amtsinhaber Christian Baldauf kĂŒndigte an, selbst nicht mehr anzutreten und Schnieder bei einer Sitzung des Landesvorstands am 9. Juli als seinen Nachfolger vorzuschlagen.
Die 63 Jahre alte Dreyer ist seit 2013 Regierungschefin in Rheinland-Pfalz. In dem Amt folgte sie damals auf Kurt Beck, fĂŒhrte zunĂ€chst eine rot-grĂŒne Landesregierung an und seit 2016 eine Ampel-Koalition aus SPD, GrĂŒnen und FDP an, die - anders als die auf Bundesebene - weitgehend gerĂ€uschlos agierte. Es ist im politischen Mainz ein offenes Geheimnis, dass Dreyer mit vielen GesprĂ€chen einen wesentlichen Teil dazu beitrĂ€gt. Die 63-JĂ€hrige hat Multiple Sklerose (MS) und geht offen damit um. Sie sagte einmal: «Ich leide nicht, ich habe meinen Frieden mit der Krankheit gemacht, kĂ€mpfe nicht mehr dagegen an.»
Scholz wĂŒrdigt Dreyer
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat den RĂŒcktritt «mit sehr groĂem Respekt» zur Kenntnis genommen. Der Kanzler habe «gröĂte WertschĂ€tzung» fĂŒr Dreyer als Regierungschefin einer erfolgreichen Ampel-Koalition, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann. «Er schĂ€tzt sie sehr als verlĂ€ssliche und volksnahe Politikerin, die sich nicht ohne Grund hoher Beliebtheit erfreut.»
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