Migratzionsgipfel LÀnder, Geld

Migratzionsgipfel: LÀnder wollen mehr Geld und Steuerung

03.11.2023 - 16:44:55

Schon seit Wochen wird ĂŒber eine stĂ€rkere Begrenzung der irregulĂ€ren Zuwanderung nach Deutschland diskutiert. Kommen Bund und LĂ€nder nun zu konkreten Maßnahmen, auch was umstrittene Finanzfragen anbelangt?

  • Die Union verlangt eine Obergrenze bei der Asylzuwanderung von höchstens 200.000 Personen pro Jahr. - Foto: Boris Roessler/dpa

    Boris Roessler/dpa

  • Unionsfraktionschef Friedrich Merz (r) und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bei ihrer Ankunft am Kanzleramt. - Foto: Paul Zinken/dpa

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Die Union verlangt eine Obergrenze bei der Asylzuwanderung von höchstens 200.000 Personen pro Jahr. - Foto: Boris Roessler/dpaUnionsfraktionschef Friedrich Merz (r) und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bei ihrer Ankunft am Kanzleramt. - Foto: Paul Zinken/dpa

Vor dem Spitzentreffen zur Migration bei Kanzler Olaf Scholz (SPD) machen die LĂ€nder Druck fĂŒr mehr Geld vom Bund und eine stĂ€rkere Steuerung. Der Vorsitzende der MinisterprĂ€sidentenkonferenz, Boris Rhein (CDU) aus Hessen, teilte der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit: «Allein in diesem Jahr summieren sich die Kosten fĂŒr asyl- und flĂŒchtlingsbedingte Ausgaben der LĂ€nder auf 17,6 Milliarden Euro. Hinzu kommen weitere 5,7 Milliarden Euro an Kosten, die von den Kommunen getragen werden.» Im Blick stehen auch schnellere Verfahren. Scholz sprach am Freitag mit Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt ĂŒber Migrationsthemen.

Der Kanzler und die MinisterprÀsidentinnen und MinisterprÀsidenten kommen an diesem Montag in Berlin zusammen. Schwerpunktthema soll der Umgang mit der zunehmenden Zuwanderung sein. Rhein nannte bisherige Finanzierungsvorstellungen des Bundes nicht akzeptabel und warnte, StÀdte und Gemeinden mit Problemen allein zu lassen. Die LÀnder seien sich da sehr einig. Die MinisterprÀsidenten hatten ihre Position im Oktober in einem gemeinsamen Beschluss bekrÀftigt. Sie fordern vom Bund unter anderem eine allgemeine Pauschale von jÀhrlich 1,25 Milliarden Euro sowie mindestens 10.500 Euro pro Migrant und Jahr.

Daniel GĂŒnther: Jetzt mĂŒssen Taten folgen

Diskutiert wird neben Finanzierungsfragen auch, ob Barzahlungen fĂŒr Asylbewerber durch Bezahlkarten und Sachleistungen ersetzt werden sollten. Schleswig-Holsteins MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther (CDU) forderte, Verfahren von Menschen aus LĂ€ndern mit einer niedrigen Anerkennungsquote mĂŒssten möglichst binnen drei Monaten beendet werden. Das bedeute auch, «dass wir selbstverstĂ€ndlich auch RĂŒckfĂŒhrungen durchfĂŒhren mĂŒssen, dass wir sehr schnell auch unterscheiden zwischen denjenigen, die eine Bleibe-Perspektive haben, und denjenigen, die eben keinen Asylgrund vorweisen können». Der Bund habe viele AnkĂŒndigungen gemacht, und jetzt mĂŒssten Taten folgen.

Scholz tauschte sich im Kanzleramt mit den Spitzen der Union im Bundestag aus. Aus dem Umfeld von Fraktionschef Merz hieß es, das GesprĂ€ch sei sehr gut und die AtmosphĂ€re sachlich und konstruktiv gewesen. Bei dem intensiven Austausch sei es um eine breite Palette von Migrationsthemen gegangen. Das GesprĂ€ch sei nicht abschließend gewesen und auch unabhĂ€ngig von der MinisterprĂ€sidentenkonferenz zu sehen - denn die LĂ€nder behandelten ja nur einen Teilaspekt der Migrationsthemen. Über Details sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

Opposition soll eingebunden werden

Ein erstes Treffen des Kanzlers mit Merz und den MinisterprĂ€sidenten Rhein und Stephan Weil (Niedersachsen, SPD) hatte bereits vor drei Wochen stattgefunden. Scholz will die Opposition im Bundestag in die BemĂŒhungen zur Begrenzung der irregulĂ€ren Migration einbinden, weil er einen breiten gesellschaftlichen Konsens in dieser Frage anstrebt.

Weil Ă€ußerte sich ablehnend zu einem Vorschlag von Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst (CDU), Asylverfahren außerhalb Europas zu prĂŒfen. «Dass Asylverfahren in TransitlĂ€ndern begonnen werden, halte ich fĂŒr denkbar», sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag). «Dass wir Menschen gegen ihren Willen ĂŒber die halbe Welt in ein Land verfrachten, zu dem sie keinerlei Bezug haben, kann ich mir nicht vorstellen.»

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte mehr Kontrollen und ZurĂŒckweisungen von Migranten an der deutschen Grenze. «Wir brauchen schnellstmöglich eine erhebliche Begrenzung des FlĂŒchtlingszugangs», sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Notwendig seien verstĂ€rkte Kontrollen an allen deutschen Grenzen nach bayerischem Vorbild. Die Bundespolizei mĂŒsse Asylbewerber zurĂŒckweisen können.

@ dpa.de