Gerhard Schröder, Wladimir Putin

Schröder feiert Putins Geburtstag und erntet scharfe Kritik

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 20:09 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev verurteilt Schröders Auftritt bei Putin scharf. CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter fordert, den früheren Kanzler von offiziellen und demokratischen Veranstaltungen auszuschließen.

Ukraine-Botschafter kritisiert Schröder für Besuch bei Putin
Oleksii Makeiev (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, hat den Besuch von Ex-Kanzler Gerhard Schröder bei der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin als „widerlich“ kritisiert. Makeiev verwies auf den Tod von fünf Kindern in Pryluky und 35 Zivilisten in Kramatorsk, die nach seinen Angaben bei russischen Angriffen ums Leben kamen.

Auch der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter verurteilte Schröders Auftritt scharf und forderte, den Altkanzler bei offiziellen und demokratischen Veranstaltungen endgültig zur persona non grata zu erklären.

Makeiev kritisiert Schröders Umarmung

Es sei widerlich, dass ein Altkanzler den „Kriegsverbrecher“ Putin so herzlich umarme, sagte Makeiev dem „Tagesspiegel“. Dies geschehe ausgerechnet an dem Tag, an dem fünf Kinder in Pryluky durch eine russische Rakete in ihrem eigenen Zuhause getötet worden seien.

Diese Kinder würden nie wieder Geburtstag feiern können, sagte der Botschafter. Gleiches gelte für die 35 Zivilisten in Kramatorsk, die am Donnerstag durch einen russischen Angriff getötet worden seien.

Kiesewetter fordert politische Konsequenzen

Kiesewetter sagte, Schröder verhalte sich seit Jahren wie ein Instrument Russlands und stelle dies nun erneut zur Schau. Wer mit Putin Geburtstag feiere, während russische Raketen täglich ukrainische Städte terrorisierten und Zivilisten töteten, mache sich an diesem Vernichtungskrieg mitschuldig.

Der CDU-Politiker warf Schröder außerdem vor, persönlicher Profit und russisches Geld seien ihm offenbar wichtiger als das Wohl Deutschlands und die europäische Sicherheitsordnung. Mit seiner Nebenaußenpolitik schade der Altkanzler deutschen und europäischen Interessen und sorge bei Partnern im Baltikum, in der Ukraine, in Polen und in Nordeuropa für Misstrauen gegenüber der Verlässlichkeit Deutschlands.

Der Besuch verbindet einen persönlichen Kontakt Schröders zu Putin mit einer politischen Symbolwirkung, die über ein privates Treffen hinausgeht. Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und blieb nach seinem Ausscheiden aus dem Amt in leitenden Funktionen russischer Energieunternehmen aktiv. Seine Nähe zum Kreml wird deshalb seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine besonders kontrovers bewertet.

Die aktuelle Kritik fällt zudem in eine Phase, in der Russland seine Angriffe auf ukrainische Städte fortsetzt. Der zeitliche Zusammenhang zwischen Putins Geburtstagsfeier und den von Makeiev genannten zivilen Opfern verschärft die politische Bewertung des Treffens. Für die ukrainische Regierung und viele Unterstützer Kiews steht dabei die Frage im Vordergrund, ob ein früherer deutscher Regierungschef durch seine persönliche Präsenz die russische Führung aufwertet.

Politische Wirkung in Deutschland

In Deutschland prallen zwei Sichtweisen aufeinander: Kritiker sehen in Schröders Kontaktpflege eine Belastung für die deutsche Glaubwürdigkeit gegenüber der Ukraine und den osteuropäischen Partnern. Befürworter verweisen dagegen auf seinen möglichen Zugang zu Putin und die grundsätzliche Bedeutung direkter Gesprächskanäle. Eine erkennbare diplomatische Funktion des Besuchs wurde in den vorliegenden Berichten nicht genannt.

Für Leser in Deutschland ist der Vorgang deshalb vor allem ein Beispiel für den anhaltenden Streit über den Umgang mit ehemaligen Spitzenpolitikern, privaten Russland-Kontakten und möglicher Vermittlung. Die Reaktionen zeigen zugleich, dass Schröders Verhältnis zu Putin weiterhin innenpolitische und außenpolitische Konsequenzen hat.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Schröder bei Putin: Massive Kritik am Besuch des Alt-Kanzlers“ (09.10.2026)

Der Beitrag bestätigt den Besuch bei Putins Geburtstagsfeier und ordnet die Reaktionen in Deutschland ein. Anders als die dts-Meldung stellt er zusätzlich die Gegenposition des SPD-Politikers Ralf Stegner sowie die Debatte über Schröders mögliche Kontakte zu Putin heraus.

FOCUS online: „‚Schande für Deutschland‘: Massive Kritik am Putin-Besuch von Schröder“ (09.10.2026)

FOCUS online berichtet ebenfalls über Makeievs Kritik und ergänzt Reaktionen aus deutschen Parteien sowie Angaben des Kremls zum Ablauf des Treffens. Der Schwerpunkt liegt stärker auf dem politischen Streit in Deutschland, während die dts-Meldung die ukrainische Bewertung und Kiesewetters Forderung nach Konsequenzen hervorhebt.

Übereinstimmend wird der Besuch als politisch hoch umstritten beschrieben. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung möglicher Gesprächskanäle und der Frage, ob Schröders Kontakte als private Handlung oder als problematische politische Signalwirkung bewertet werden.

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