Prozess gegen Klette - Was fordert die Staatsanwaltschaft?
28.04.2026 - 04:30:09 | dpa.deIm Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette werden mit Spannung die PlĂ€doyers erwartet. Die Staatsanwaltschaft soll am Vormittag (10 Uhr) mit ihrem Schlussvortrag beginnen, wie das Landgericht Verden ankĂŒndigte. Voraussetzung ist, dass keine BeweisantrĂ€ge gestellt werden.
Warum Daniela Klette vor Gericht steht
Die VorwĂŒrfe gegen Klette wiegen schwer: Sie steht unter anderem wegen versuchten Mordes, Raubs und VerstöĂen gegen Waffengesetze vor Gericht. Beamte hatten die Anklagte im Februar 2024 in Berlin festgenommen. Von ihren mutmaĂlichen Komplizen - den ehemaligen RAF-Terroristen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub - fehlt weiter jede Spur.
Das Landgericht Verden beschĂ€ftigt sich nur mit den ĂberfĂ€llen. Laut Anklage soll das Trio von 1999 bis 2016 Geldtransporter und KassenbĂŒros in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ĂŒberfallen haben.
Klette soll die ĂberfĂ€lle geplant, Menschen mit Waffen bedroht und das Fluchtauto gefahren haben. Die Ermittler gehen von rund 2,7 Millionen Euro Beute aus. Mit dem Geld soll die Angeklagte ihr Leben im Untergrund finanziert haben. Ein weiteres Verfahren soll Klettes Rolle wĂ€hrend ihrer Zeit bei der linksterroristischen Vereinigung klĂ€ren.
Herausforderndes Verfahren
Seit mehr als einem Jahr versucht das Gericht, die Taten zu rekonstruieren. Doch das ist gar nicht so einfach: Die Angeklagte selbst kritisiert den Kapitalismus, das Vorgehen Israels im Gaza-Streifen und den US-MilitĂ€reinsatz in Venezuela - doch zu den ĂberfĂ€llen schweigt sie.
Ihre AnwĂ€lte und die Staatsanwaltschaft fĂŒhren immer wieder Wortgefechte oder fallen sich ins Wort. Opfer der ĂberfĂ€lle brachen in TrĂ€nen aus oder konnten sich nach all den Jahren an wichtige Details nicht mehr erinnern.Â
Um weiteren Zeugen eine Aussage zu ersparen, stellte das Gericht die Verfahren zu fĂŒnf ĂberfĂ€llen ein. Die Taten in Northeim, Celle und Stade in Niedersachsen, Elmshorn in Schleswig-Holstein sowie Löhne in Nordrhein-Westfalen sind seitdem nicht mehr Teil des Prozesses. Sollte Klette verurteilt werden, hĂ€tten die fĂŒnf FĂ€lle laut Gericht ohnehin keine gröĂeren Auswirkungen auf das StrafmaĂ.Â
HĂ€lt die Staatsanwaltschaft am Mordversuch fest?
Entscheidend dĂŒrfte hingegen ein rechtlicher Hinweis sein: Das Gericht erklĂ€rte im Laufe des Verfahrens, dass ein bewaffneter Ăberfall in Stuhr nahe Bremen nicht als Mordversuch gewertet werden könnte. Bei der Tat am 6. Juni 2015 soll das Trio laut Staatsanwaltschaft einen Geldtransporter mit knapp einer Million Euro im Laderaum gestoppt haben. Dabei fielen mehrere SchĂŒsse â zwei drangen laut Anklage in die Fahrerkabine ein. Die Geldboten blieben körperlich unverletzt, die TĂ€ter flohen ohne Beute.
Die Kammer geht in diesem Fall von einem sogenannten bedingten Tötungsvorsatz aus. Demnach wollte der SchĂŒtze den Tod des Opfers zwar nicht unbedingt, hĂ€tte ihn aber in Kauf genommen. Dann sei er von dem Vorsatz zurĂŒckgetreten und habe entschieden, die Tat nicht zu Ende zu bringen.
Interessant dĂŒrfte sein, ob sich die Staatsanwaltschaft in ihrem PlĂ€doyer der EinschĂ€tzung des Gerichts anschlieĂt oder weiter von versuchtem Mord ausgeht.Â
Nach Planung des niedersĂ€chsischen Gerichts könnte am Mittwoch die Nebenklage plĂ€dieren. Die Verteidigung wĂ€re am 12. und 13. Mai mit ihren AntrĂ€gen dran. Ein Urteil ist frĂŒhestens Ende Mai zu erwarten.
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