Schwarzbuch 2026/27, Steuergeldverschwendung

Schwarzbuch 2026/ 27: Steuerzahlerbund kritisiert Umgang mit Steuergeld

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Bund der Steuerzahler prangert im neuen Schwarzbuch erneut 100 FÀlle eines aus seiner Sicht sorglosen Umgangs mit öffentlichen Mitteln an. Im Mittelpunkt stehen staatliche Förderprogramme, bei denen nach Darstellung des Verbands Fristen und Fördertöpfe mitunter wichtiger seien als Bedarf und Nutzen.

Dieses Jahr geht es besonders um staatliche Förderprogramme. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa
Dieses Jahr geht es besonders um staatliche Förderprogramme. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa

Der Bund der Steuerzahler wirft Bund, LÀndern und Kommunen einen sorglosen Umgang mit Steuergeld vor und stellt in seinem neuen «Schwarzbuch 2026/27» erneut 100 FÀlle vor.

Förderprogramme im Mittelpunkt

Bei der Vorstellung in Berlin legte der Lobbyverband den Schwerpunkt auf sogenannte «vergiftete Geschenke». Gemeint sind staatliche Förderprogramme, bei denen nach Ansicht des Verbands teilweise Fördertöpfe und Fristen den Ausschlag gÀben, nicht der tatsÀchliche Bedarf oder der Nutzen.

Mitunter wĂŒrden Mittel ausgegeben, weil sie andernfalls verfielen. VerbandsprĂ€sident Reiner Holznagel forderte deshalb, Bund und LĂ€nder mĂŒssten Förderprogramme zeitlich befristen, besser aufeinander abstimmen, regelmĂ€ĂŸig prĂŒfen und bei mangelhafter Wirkung streichen.

Kritik an Folgekosten

Der Steuerzahlerbund bemĂ€ngelt zudem aufwendige Verfahren, mögliche Folgekosten fĂŒr Kommunen und mangelnde Transparenz. Holznagel sagte, mehr Kontrolle und Transparenz seien nötig; Politik mĂŒsse erklĂ€ren und begrĂŒnden, warum Entscheidungen getroffen wĂŒrden. Das Schwarzbuch solle auch dazu beitragen, demokratische Strukturen zu stĂ€rken.

Teure ZĂ€une und ungenutzte Laptops

Unter den weiteren Beispielen nennt der Verband einen besonders teuren Zaun, Designermöbel in einem Jobcenter und eine Fahrradgarage nur fĂŒr Staatsbedienstete. FĂŒr die StellplĂ€tze ergeben sich demnach rechnerisch Kosten von mehr als 16.000 Euro je Fahrrad.

Außerdem geht es um fĂŒnf Baumpflanzungen fĂŒr eine sechsstellige Summe sowie um Dienst-Laptops fĂŒr LehrkrĂ€fte, die teilweise nicht eingeschaltet worden seien.

Schwarzbuch bleibt umstritten

Der Bund der Steuerzahler ist ein privater Verein, der sich fĂŒr eine effiziente Verwendung öffentlicher Mittel und solide Staatsfinanzen einsetzt. Er hinterfragt unter anderem die Neuverschuldung und die Ausgaben des Bundes, lobbyiert im Bundestag und mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und bezeichnet sich als parteipolitisch neutral.

Das Schwarzbuch ist zugleich umstritten. Kritiker bemĂ€ngeln, es liste vor allem spektakulĂ€re EinzelfĂ€lle auf, verschweige hĂ€ufig deren Kontext und zeichne kein reprĂ€sentatives Gesamtbild der Steuerverschwendung. Genannte Behörden und Kommunen weisen die VorwĂŒrfe regelmĂ€ĂŸig zurĂŒck oder begrĂŒnden ihre Finanzentscheidungen.

Fördermittel unter Zeitdruck

Der aktuelle Vorwurf zielt auf ein strukturelles Problem staatlicher Förderung: Haushaltsmittel sind hĂ€ufig an Fristen, Zweckbindungen und formale Nachweise geknĂŒpft. Dadurch kann der Anreiz entstehen, bewilligte Gelder noch vor Ablauf einer Frist auszugeben, auch wenn sich PrioritĂ€ten oder der konkrete Bedarf verĂ€ndert haben. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob Geld rechtmĂ€ĂŸig eingesetzt wird, sondern auch, ob die Maßnahme einen ĂŒberprĂŒfbaren Nutzen erzielt.

Besonders anspruchsvoll ist die Abstimmung zwischen Bund, LĂ€ndern und Kommunen. Förderprogramme können Investitionen vor Ort ermöglichen, verlagern aber oft Planung, Betrieb und spĂ€tere Instandhaltung auf StĂ€dte und Gemeinden. FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger wird damit erst langfristig sichtbar, welche Folgekosten aus einer zunĂ€chst begrenzten Förderung entstehen. Transparente Angaben zu Gesamtkosten, Laufzeit und ZustĂ€ndigkeiten sind deshalb ein zentraler Teil verantwortlicher HaushaltsfĂŒhrung.

EinzelfÀlle und politische Kontrolle

Das Schwarzbuch macht solche Fehlentwicklungen anhand konkreter Beispiele öffentlich und erhöht damit den Druck auf Verwaltungen und Parlamente. Die genannten FĂ€lle erlauben jedoch fĂŒr sich genommen keine Aussage ĂŒber das gesamte Ausmaß öffentlicher Verschwendung. Ihre politische Bedeutung liegt vor allem darin, PrĂŒfungen anzustoßen, Verantwortlichkeiten zu klĂ€ren und Programme bei ausbleibender Wirkung zu beenden.

FĂŒr Steuerzahler zĂ€hlt am Ende, ob aus Kritik Konsequenzen folgen: verstĂ€ndliche Förderziele, regelmĂ€ĂŸige Wirkungskontrollen und eine nachvollziehbare Darstellung von Nutzen und Folgekosten. Bleiben diese Instrumente aus, kann selbst eine formal korrekte Ausgabe wirtschaftlich fragwĂŒrdig sein.

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