Manuela Schwesig, Nord Stream 2

Schwesig rÀumt Irrtum bei Russland-EinschÀtzung ein und grenzt sich von Nord Stream ab

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 18:26 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig nennt ihre frĂŒhere EinschĂ€tzung Russlands einen Irrtum, verteidigt aber ihr damaliges Engagement fĂŒr Nord Stream 2. Zugleich zieht sie einen klaren Schlussstrich unter eine mögliche Wiederaufnahme von Gaslieferungen ĂŒber die Pipeline.

Schwesig: Russland-EinschÀtzung war ein Irrtum
Manuela Schwesig (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin und SPD-Spitzenkandidatin Manuela Schwesig hat persönliche Fehler bei ihrer EinschĂ€tzung Russlands eingerĂ€umt und spricht mit Blick auf die Zeit vor dem Angriffskrieg gegen die Ukraine von einem Irrtum. Gleichzeitig verteidigt sie ihr frĂŒheres Engagement fĂŒr die Ostseepipeline Nord Stream 2 und betont die Bedeutung niedriger Energiepreise fĂŒr Wirtschaft und ArbeitsplĂ€tze.

EingestÀndnis von Irrtum bei Russland-EinschÀtzung

Schwesig sagte im GesprĂ€ch mit Welt-TV, aus heutiger Sicht sei es ein Fehler gewesen, darauf zu vertrauen, dass Russland an einem friedlichen Zusammenleben im Ostseeraum interessiert sei. Diese EinschĂ€tzung habe sie insbesondere im Zusammenhang mit der Annexion der Krim im Jahr 2014 getroffen, die als erste große ZĂ€sur im VerhĂ€ltnis zwischen Russland und Europa gilt. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine markiere fĂŒr sie persönlich eine Zeitenwende, wie sie betonte.

Verteidigung des Engagements fĂŒr Nord Stream 2

Ihr damaliges Eintreten fĂŒr Nord Stream 2 stellt Schwesig in den Kontext der damaligen Bundespolitik. Sie habe sich auf einer Linie bewegt, wie sie auch von der Bundesregierung vertreten worden sei, die seinerzeit auf kritischen Dialog und wirtschaftliche Kooperation mit Russland gesetzt habe. Die Bundesregierung habe geschlossen hinter dem Projekt gestanden, so die SPD-Politikerin.

Schwesig verwies darauf, dass es ihr bei der UnterstĂŒtzung der Pipeline vor allem um niedrige Energiepreise gegangen sei, um die Wirtschaft zu entlasten und ArbeitsplĂ€tze zu sichern. Sie machte deutlich, dass die aktuell hohen Energiepreise Unternehmen und private Haushalte erheblich unter Druck setzen und sah darin eine BestĂ€tigung der damaligen Zielsetzung, auch wenn die politische Rahmenlage sich inzwischen grundlegend verĂ€ndert hat.

Trump-Kritik und Untersuchungsausschuss

Im Interview kritisierte Schwesig zudem die damaligen Drohungen des frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump gegenĂŒber Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern, die am Bau der Infrastruktur beteiligt waren. Diese Firmen hĂ€tten lediglich an einem rechtsstaatlich genehmigten Projekt gearbeitet, sagte sie. Die Drohungen habe sie zurĂŒckgewiesen und stellte eine Verbindung zu aktuellen Äußerungen Trumps her, die sie als erneute Bedrohung bewertet.

Zur politischen Debatte um Nord Stream 2 verwies Schwesig auf die jahrelange Arbeit eines Untersuchungsausschusses, der sich mit den VorwĂŒrfen rund um ihr Engagement und die Rolle der Landesregierung befasst habe. Nach ihren Worten hĂ€tten sich keine VorwĂŒrfe bestĂ€tigt; herausgekommen sei, was Landtag und Öffentlichkeit von Beginn an transparent bekannt gewesen sei, nĂ€mlich die UnterstĂŒtzung fĂŒr Nord Stream mit dem Ziel niedriger Energiepreise und der Sicherung von ArbeitsplĂ€tzen.

Klare Absage an neue Gaslieferungen ĂŒber Nord Stream

Eine RĂŒckkehr zu Gaslieferungen ĂŒber die Ostseepipeline schloss Schwesig ausdrĂŒcklich aus. Auf die Frage, ob sie bereit wĂ€re, Gas durch eine reparierte Nord-Stream-Leitung fließen zu lassen, solange Wladimir Putin russischer PrĂ€sident sei, antwortete die MinisterprĂ€sidentin mit einem klaren „Nein“. Damit distanzierte sie sich deutlich von einer Wiederaufnahme der energiepolitischen Zusammenarbeit ĂŒber die Leitungen, die lange Zeit als zentrales Element der deutschen Gasversorgung galten.

Die Aussagen Schwesigs fĂŒgen sich ein in eine breitere politische Neubewertung der Beziehungen zu Russland, bei der wirtschaftliche Interessen stĂ€rker gegen Sicherheitsrisiken und völkerrechtliche Fragen abgewogen werden. FĂŒr Mecklenburg-Vorpommern und die Bundespolitik ist das Interview zugleich ein weiterer Schritt in der Aufarbeitung der frĂŒheren Russland- und Energiepolitik.

Die nun von Manuela Schwesig eingerÀumten Fehlannahmen zur Rolle Russlands im Ostseeraum spiegeln einen weiterreichenden Wandel deutscher Russlandpolitik seit dem Angriff auf die Ukraine 2022 wider. Lange setzte die Bundesrepublik auf die Kombination aus wirtschaftlicher Verflechtung und politischem Dialog, um StabilitÀt in Europa zu sichern. Der Bruch des Völkerrechts durch die Annexion der Krim 2014 und der spÀter begonnene Angriffskrieg gegen die Ukraine gelten heute als zentrale ZÀsuren, die diese Strategie grundsÀtzlich in Frage gestellt haben.

Nord Stream als Symbol einer ĂŒberholten Energiepolitik

Schwesigs Verteidigung ihres damaligen Einsatzes fĂŒr Nord Stream 2 verweist auf die einstige energiepolitische Logik: billiges Pipeline-Gas aus Russland sollte Versorgungssicherheit und WettbewerbsfĂ€higkeit deutscher und insbesondere ostdeutscher Industrie stĂ€rken. Diese Politik fĂŒhrte jedoch zu einer hohen AbhĂ€ngigkeit, die mit Beginn des russischen Angriffskriegs schlagartig als strategisches Risiko sichtbar wurde. Der heute von Schwesig gezogene Schlussstrich unter eine Wiederaufnahme von Gaslieferungen ĂŒber Nord-Stream-Leitungen markiert die Abkehr von dieser alten Doktrin, ohne die damaligen wirtschaftlichen Motive zu negieren.

Innenpolitische Dimension und Bedeutung fĂŒr Mecklenburg-Vorpommern

FĂŒr Mecklenburg-Vorpommern hatte Nord Stream eine besondere Bedeutung: Der Pipeline-Bau und die begleitenden Infrastrukturprojekte standen fĂŒr ArbeitsplĂ€tze, Investitionen und die Hoffnung auf eine langfristig starke Energie- und Industriebasis im Land. Entsprechend heftig fielen spĂ€ter Kritik und politische Debatten aus, als Russland seine aggressive Politik ausweitete und Fragen nach Einflussnahme und politischer NĂ€he zu russischen Akteuren laut wurden. Schwesigs Hinweis auf einen umfangreichen Untersuchungsausschuss zeigt, dass die Auseinandersetzung mit dieser Phase fĂŒr das Land politisch und rechtlich weitgehend institutionalisiert wurde.

Zeitenwende in Sicherheits- und Russlandpolitik

Die von Schwesig erwĂ€hnte persönliche „Zeitenwende“ ordnet sich in den breiten Kurswechsel der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik ein. Die Bundesregierung hat seit Beginn des Angriffskriegs RĂŒstungsausgaben erhöht, Sanktionen gegen Russland mitgetragen und militĂ€rische sowie wirtschaftliche UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine zugesagt. Die klare Absage an eine RĂŒckkehr zu Nord-Stream-Lieferungen unter einem weiterhin von Wladimir Putin gefĂŒhrten Russland steht damit im Einklang mit der aktuellen sicherheitspolitischen LageeinschĂ€tzung und dĂŒrfte auch innenpolitisch ein Signal sein, dass frĂŒhere Russland-Strategien nicht fortgeschrieben werden.

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