«Da hĂ€ng ich dann eben»: Merkel-PortrĂ€t wird enthĂŒllt
30.06.2026 - 05:17:07 | dpa.deDer Blazer ist blau, die Raute fehlt und die frĂŒhere Kanzlerin soll ein wenig mitgenommen aussehen: Viel mehr ist ĂŒber das PortrĂ€t von Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU), das heute Abend (18.00 Uhr) im Berliner Bode-Museum feierlich enthĂŒllt werden soll, noch nicht bekannt.Â
Gemalt hat es der bisher weitgehend unbekannte KĂŒnstler JĂ©rĂ©mie Queyras, ein erst 28 Jahre alter Deutsch-Franzose aus einer Freiburger Musikerfamilie. Bestimmt ist es fĂŒr die Kanzlergalerie im ersten Stock der Berliner Regierungszentrale, wo bereits PortrĂ€ts der sieben VorgĂ€nger Merkels hĂ€ngen. Dort ist ein Platz neben Jörg Immendorffs PortrĂ€ts von Gerhard Schröder reserviert.Â
EnthĂŒllung in Merkels Nachbarschaft
Vorher wird das Queyras Werk aber drei Monate im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel zu sehen sein - nur einen Steinwurf von Merkels Wohnung entfernt. Dass sie nun zu einem Kunstwerk erstarrt, behagt der einst mÀchtigsten Frau der Welt offenbar nicht so ganz. «Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird», sagte sie einem Journalisten der «Zeit», der die Entstehung des GemÀldes begleitete. «Da hÀng ich dann eben.»
Merkel hat sich viel Zeit gelassen, bis sie sich malen lieĂ. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt vor knapp fĂŒnf Jahren hatte sie zunĂ€chst anderes im Sinn. Sie nahm sich eine Auszeit, schrieb ihre mehr als 700 Seiten starken Memoiren, die schnell zum Bestseller wurden, ging auf Lesetour. Als ausgeprĂ€gte Kunstliebhaberin ist sie ohnehin nicht bekannt. Das PortrĂ€t stand auf ihrer PrioritĂ€tenliste offenbar nicht besonders weit oben.
KĂŒnstler bewarb sich handschriftlich
Schon frĂŒh hatten sich aber etliche KĂŒnstler bei ihr beworben. Queyras schrieb einen handschriftlichen Brief, aus dem die «Zeit» zitiert. «Obwohl meine Kunst hauptsĂ€chlich abstrakt ist, kehre ich des Ăfteren zur klassischen Malerei zurĂŒck. Sie ahnen nun bestimmt schon, weshalb ich Ihnen schreibe.»
Der junge Freiburger musste aber eine ganze Weile auf Antwort warten. Erst im April 2025 lud Merkel ihn zu einem GesprĂ€ch ein. Sie habe sofort einen guten Eindruck gehabt, zitiert die «Zeit» die Ex-Kanzlerin. «Ein lebensoffener Mensch.»Â
«Ein leuchtendes PortrÀt»
Das Bild entstand in einem Atelier in der NĂ€he von Merkels Wohnung am Pergamonmuseum. Ăffentlich gezeigt wurde es noch nicht. Der Reporter der «Zeit» beschreibt es so: «Ein leuchtendes PortrĂ€t ist es geworden. (...) Ihr Blick ist hell, aber allzu begĂŒtigend will die Altkanzlerin nicht wirken.»
Bis Anfang Oktober wird das PortrĂ€t einem breiten Publikum prĂ€sentiert. Danach geht es in den ersten Stock des Kanzleramts, wo unter anderem die Pressekonferenzen der Regierungschefs stattfinden.Â
Scholz hat sich noch nicht entschieden
Neben Merkel gibt es noch einen weiteren Ex-Kanzler, der noch gemalt werden muss. Olaf Scholz hatte bereits wĂ€hrend seiner Amtszeit im April 2024 in einer Fragerunde mit SchĂŒlerinnen im Kanzleramt verraten, dass er sich schon Gedanken ĂŒber den KĂŒnstler gemacht habe. Er habe «auch schon eine erste Idee», die er aber nicht ausplaudern wolle, sagte er damals. Entschieden hat er sich nach Angaben seines BĂŒros aber bis heute nicht.
Um sein PortrĂ€t unterzubringen, muss aber wahrscheinlich die ganze Galerie neu organisiert werden. Wenn Merkel dort hĂ€ngt, ist kein Platz mehr. VorschlĂ€ge «zu einer alternativen HĂ€ngung» der PortrĂ€ts seien in PrĂŒfung, heiĂt es dazu aus dem Kanzleramt.
