Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Strom-Sabotage: TĂ€tersuche im Hambacher Forst

Veröffentlicht am: 06.09.2026 um 14:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Seit Tagen fahndet die Polizei nach einem 48-JĂ€hrigen aus NRW, der fĂŒr versuchte Sabotage-Akte gegen das deutsche Stromnetz verantwortlich sein soll - nun auch im Hambacher Forst.

  • Die Polizei sucht mitten im Wald nach dem VerdĂ€chtigen. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Die Polizei sucht mitten im Wald nach dem VerdÀchtigen. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Mögliche Verstecke auf BĂ€umen werden geprĂŒft. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Mögliche Verstecke auf BĂ€umen werden geprĂŒft. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Das Gebiet wird systematisch von den EinsatzkrĂ€ften erfasst. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Das Gebiet wird systematisch von den EinsatzkrÀften erfasst. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Am Hambacher Forst lĂ€uft ein Großeinsatz der Polizei. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Am Hambacher Forst lĂ€uft ein Großeinsatz der Polizei. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Auch BaumhĂ€user waren Ziel der Durchsuchungen. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Auch BaumhÀuser waren Ziel der Durchsuchungen. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
Die Polizei sucht mitten im Wald nach dem VerdĂ€chtigen. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Mögliche Verstecke auf BĂ€umen werden geprĂŒft. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Das Gebiet wird systematisch von den EinsatzkrĂ€ften erfasst. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Am Hambacher Forst lĂ€uft ein Großeinsatz der Polizei. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Auch BaumhĂ€user waren Ziel der Durchsuchungen. - Bild: Christoph Reichwein/dpa

Wegen versuchter Sabotage-Angriffe auf das deutsche Stromnetz hat die Polizei am Hambacher Forst bei Kerpen westlich von Köln mit einem Großaufgebot nach dem TatverdĂ€chtigen gesucht. Ziel des Einsatzes sei gewesen, den 48-jĂ€hrigen Mann selbst oder Spuren, die Hinweise auf ihn liefern, zu finden. Das bestĂ€tigte ein Sprecher der Kölner Polizei auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Laut Beobachtungen eines dpa-Reporters waren bis zu 100 Fahrzeuge der Polizei vor Ort. Die Suche dauerte am Nachmittag noch an.

Wegen der Sabotage-Akte wird seit Tagen nach dem TatverdĂ€chtigen gesucht. Die Ermittler hatten am Samstag einen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des VerdĂ€chtigen aus Gevelsberg im sĂŒdlichen Ruhrgebiet veröffentlicht. Inzwischen wird auch nach einem Fahrrad gefahndet, das er möglicherweise benutzt hat.

Hambacher Forst Symbol fĂŒr Kampf um Energiewende

Der Hambacher Forst ist ein Waldgebiet zwischen Köln und Aachen, das zum bundesweiten Symbol fĂŒr den Kampf um die Energiewende und gegen die Braunkohle-Verstromung wurde. Der Wald liegt am Rand des Braunkohletagebaus Hambach und sollte ursprĂŒnglich dem fortschreitenden Tagebau weichen.

Seit 2012 errichteten UmweltschĂŒtzer und Aktivisten unter dem Motto «Hambi bleibt» BaumhĂ€user im Wald, um die Rodung fĂŒr die klimaschĂ€dliche Braunkohle-Verstromung zu verhindern und ihn vor dem anrĂŒckenden Braunkohletagebau zu schĂŒtzen. Laut der Kölner Polizei gibt es auch heute noch BaumhĂ€user, die auch Teil der Durchsuchung sind. Ob noch welche bewohnt sind, ist bisher nicht bekannt.

Im Herbst 2018 ließ die CDU-gefĂŒhrte Landesregierung den Hambacher Forst in einem der grĂ¶ĂŸten PolizeieinsĂ€tze der Geschichte Nordrhein-Westfalens mit Verweis auf den Brandschutz rĂ€umen.

Nach langem Rechtsstreit kam die endgĂŒltige Rettung des Waldes durch die politische Einigung: Im Kohle-Kompromiss zwischen Bund, LĂ€ndern und Energiekonzernen wurde Anfang 2020 entschieden, dass der Hambacher Forst erhalten bleiben soll. Die Abbruchkante des Tagebaus endet seitdem kurz vor dem Waldsaum. Im Juni 2026 wurde eine weitere wichtige Entscheidung getroffen: Der Hambacher Forst soll Urwald werden und wird dauerhaft unter Schutz gestellt.

Sabotage in mehreren BundeslÀndern

Die versuchten Sabotage-Akte konzentrierten sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen. In allen drei BundeslĂ€ndern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. Am Freitag hatten Beamte in der Gevelsberger Wohnung des TatverdĂ€chtigen Sprengstoff gefunden. SpĂ€ter stĂŒrmte ein Spezialeinsatzkommando in Niederzier am Tagebau Hambach einen Lastwagen, der anscheinend zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden.

Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren MedienhÀusern eingingen und auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. «Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges TÀterwissen», sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). 

Das mögliche Motiv

Zum Motiv sagte Dobrindt, es handele sich sehr wahrscheinlich um «Klimaterrorismus» eines EinzeltĂ€ters. In einem Bekennerschreiben heißt es: «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.»

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von KrankenhÀusern gefÀhrde, der rette nichts, sondern gefÀhrde Leben. «Keine Ideologie taugt als Ausrede», betonte Reul.

AuffĂ€llig ist, dass sich die betroffenen Orte in der NĂ€he von Gebieten befinden, in denen noch Braunkohle abgebaut wird. Aktiven Tagebau in Deutschland gibt es nach Angaben des Branchenverbandes Debriv in Nordrhein-Westfalen, im SĂŒden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sowie im Osten und Westen von Sachsen.

Verbindungen zwischen Taten werden geprĂŒft

Nach den VorfÀllen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, bei denen Saboteure unter anderem selbstgebaute Raketen und Abschussvorrichtungen einsetzten, entdeckte die Polizei auch in Ostsachsen zwölf Sprengvorrichtungen an Hochspannungstrassen.

Trotz der vorĂŒbergehenden Abschaltung mehrerer Braunkohle-Kraftwerksblöcke in Nordrhein-Westfalen war die allgemeine Stromversorgung laut den Betreibern zu jedem Zeitpunkt gesichert. Die Behörden prĂŒfen derzeit eine Verbindung zwischen den einzelnen Taten in den verschiedenen Regionen.

Özdemir fordert mehr Tempo bei Schutz fĂŒr Energieanlagen

Baden-WĂŒrttembergs MinisterprĂ€sident Cem Özdemir stellte angesichts der jĂŒngsten Angriffe den Schutz der sicherheitsrelevanten Infrastruktur gegen Sabotage infrage und fordert mehr Tempo. Die LĂ€nder mĂŒssten den Schutz ihrer Energieanlagen deutlich verstĂ€rken, sagte der GrĂŒnen-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

«Wir sind verletzlich. Das wissen unsere Gegner», sagte Özdemir. Angriffe auf besonders empfindliche Punkte könnten darauf abzielen, die Bevölkerung zu verunsichern. Der Staat dĂŒrfe sich davon nicht lĂ€hmen lassen, er mĂŒsse die Gefahren aber ernst nehmen. Als mögliche Schutzmaßnahmen nannte der GrĂŒnen-Politiker unter anderem Überwachungskameras und zusĂ€tzliche Einfriedungen. «All das muss jetzt mit Hochdruck gemacht werden», sagte er.

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