Berlin, Deutschland

Dritte Nacht ohne Strom und WĂ€rme im SĂŒdwesten Berlins

06.01.2026 - 02:00:04 | dpa.de

Seit Tagen frieren Tausende Berliner im Dunkeln, wÀhrend Notstromaggregate brummen und die Polizei mit Hunderten Beamten auf Streife geht. Wie lange hÀlt der Ausnahmezustand an?

  • Viele Haushalte im SĂŒdwesten Berlins sind die dritte Nacht in Folge ohne Strom.  - Foto: Christophe Gateau/dpa
    Viele Haushalte im SĂŒdwesten Berlins sind die dritte Nacht in Folge ohne Strom. - Foto: Christophe Gateau/dpa
  • Nachts ist die Polizei verstĂ€rkt unterwegs.   - Foto: Michael Ukas/dpa
    Nachts ist die Polizei verstÀrkt unterwegs. - Foto: Michael Ukas/dpa
Viele Haushalte im SĂŒdwesten Berlins sind die dritte Nacht in Folge ohne Strom.  - Foto: Christophe Gateau/dpa Nachts ist die Polizei verstĂ€rkt unterwegs.   - Foto: Michael Ukas/dpa

In Berlin sind rund 28.000 Haushalte den vierten Tag in Folge ohne Strom. Nach dem großen Stromausfall im SĂŒdwesten der Hauptstadt infolge eines Brandanschlags kommen die Arbeiten zur Wiederherstellung der Versorgung nach EinschĂ€tzung der Beteiligten zwar langsam voran. Aber bis alle Betroffenen wieder am Netz sind, wird es nach EinschĂ€tzung des Betreibers Stromnetz Berlin bis Donnerstagnachmittag dauern. 

Bis dahin mĂŒssen viele Tausend Menschen ohne Strom und WĂ€rme in dunklen und kalten Wohnungen oder in Ausweichquartieren ausharren. Manche sind in Hotels gegangen, andere wĂ€rmen sich tagsĂŒber in Notquartieren oder anderen Anlaufstellen auf. Sie können dort auch etwas essen und trinken und ihr Handy aufladen. Etwa 20 Schulen bleiben den zweiten Tag in Folge geschlossen.

Mehr SupermÀrkte öffnen 

Immerhin kehrt nach und nach auch ein wenig NormalitĂ€t in die betroffenen Stadtteile zurĂŒck - dank immer mehr Notstromaggregaten, die nach und nach in Betrieb gehen. Bei Transport, Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung der mobilen Anlagen hilft nun laut Berliner Innenverwaltung auch die Bundeswehr, ein Betankungseinsatz startete am Abend. 

Nach ersten SupermĂ€rkten am Montag öffnen mehrere weitere große Ketten ihre LĂ€den heute wieder. Der Senat hofft, dass sich der stark gestörte S-Bahn-Verkehr auf den Linien S1 und S7 verbessert und auch im Dunkeln wieder ZĂŒge am Bahnhof Wannsee halten können. Hier sollen Notstromaggregate fĂŒr die Beleuchtung der Bahnsteige und der UnterfĂŒhrung sorgen. Bereits im Laufe des Montags sollten alle 74 Pflegeheime wieder Strom haben. 

Die Polizei ist auch diese Nacht mit 300 Beamten in Uniform und in Zivil im Einsatz, um eine sogenannte Raumsicherung zu gewĂ€hrleisten. Verhindert werden sollen vor allem EinbrĂŒche - bislang ist dies nach EinschĂ€tzung der Polizei weitgehend gelungen. 

100.000 betroffene Menschen 

Nach dem Brandanschlag an einer KabelbrĂŒcke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im SĂŒdwesten Berlins zunĂ€chst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Nach und nach wurde ein Teil der Kunden wieder angeschlossen. Aktuell sind laut dem Betreiber Stromnetz Berlin noch 27.800 Haushalte und rund 1.450 Gewerbekunden ohne Strom. Nach Angaben des Regierenden BĂŒrgermeisters Kai Wegner (CDU) waren oder sind 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. Berlin hatte am Sonntag eine sogenannte Großschadenslage ausgerufen.

Umfangreiche Ermittlungen 

Bei den Ermittlungen zu den TĂ€tern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei spricht von einer sehr umfangreichen Tatortarbeit. Erste Zeugen wĂŒrden vernommen, Videomaterial etwa der Verkehrsbetriebe BVG werde ausgewertet. Die linksextremistischen sogenannten «Vulkangruppen», die sich zu dem Anschlag in einem Schreiben bekannten, sind den Ermittlern bereits lĂ€nger bekannt. Sie griffen mutmaßlich schon mehrfach etwa Bahnanlagen oder das Stromnetz an. 

Politik spricht von Terrorismus

Der Regierende BĂŒrgermeister Wegner und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) stufen den Anschlag als Terrorismus ein. Ähnlich sieht das Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). «Nach unserer EinschĂ€tzung handelt es sich um einen mit profunden Kenntnissen und dezidiert geplanten Anschlag», sagte er «Bild». «Der Linksterrorismus ist mit steigender IntensitĂ€t in Deutschland zurĂŒck.»

Der Angriff und seine weitreichenden Folgen lösten eine Debatte ĂŒber die Verletzlichkeit sogenannter kritischer Infrastruktur aus. «Unsere kritische Infrastruktur ist angreifbar», sagte Wegner. «Sie ist tagtĂ€glich in ganz Deutschland Angriffen ausgesetzt.» Nun mĂŒsse geschaut werden, wie sie noch besser geschĂŒtzt werden könne. Das Berliner Stromnetz gehört zu den grĂ¶ĂŸten Europas und umfasst 35.000 Kilometer Kabel. Ein Prozent - also etwa 350 Kilometer - verlaufen oberirdisch.

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