Strom-Sabotage: Polizei sucht im Hambacher Forst nach TĂ€ter
Veröffentlicht am: 06.09.2026 um 13:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWegen versuchter Sabotage-Angriffe auf das deutsche Stromnetz sucht die Polizei derzeit mit einem GroĂaufgebot am Hambacher Forst bei Kerpen westlich von Köln nach dem TatverdĂ€chtigen. Ziel des Einsatzes sei es, den 48-jĂ€hrigen Mann selbst oder Spuren, die Hinweise auf ihn liefern, zu finden. Das bestĂ€tigte ein Sprecher der Kölner Polizei auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Laut Beobachtungen eines dpa-Reporters waren bis zu 100 Fahrzeuge der Polizei vor Ort. Der Mann hatte Bekennerschreiben versandt, die auf «TĂ€terwissen» hindeuteten.
Hambacher Forst Symbol fĂŒr Kampf um Energiewende
Der Hambacher Forst ist ein Waldgebiet westlich von Köln, das zum bundesweiten Symbol fĂŒr den Kampf um die Energiewende und gegen die Braunkohle-Verstromung wurde. Der Wald liegt am Rand des Braunkohletagebaus Hambach und sollte ursprĂŒnglich dem fortschreitenden Tagebau weichen.
Seit 2012 errichteten UmweltschĂŒtzer und Aktivisten unter dem Motto «Hambi bleibt» BaumhĂ€user im Wald, um die Rodung fĂŒr die klimaschĂ€dliche Braunkohle-Verstromung zu verhindern und die BĂ€ume vor dem anrĂŒckenden Braunkohletagebau zu schĂŒtzen. Im Herbst 2018 lieĂ die CDU-gefĂŒhrte Landesregierung den Hambacher Forst in einem der gröĂten PolizeieinsĂ€tze der Geschichte Nordrhein-Westfalens mit Verweis auf den Brandschutz rĂ€umen.
Nach langem Rechtsstreit kam es Anfang 2020 zur endgĂŒltigen Rettung des Waldes durch einen Kompromiss zwischen Bund, LĂ€ndern und Energiekonzernen. Die Abbruchkante des Tagebaus endet seitdem kurz vor dem Waldsaum.
Tagelange Suche mit Fahndungsfotos
Wegen der Sabotageaktionen wird seit Tagen nach dem 48 Jahre alten TatverdĂ€chtigen gesucht. Die Ermittler hatten am Samstag einen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des VerdĂ€chtigen aus Gevelsberg im sĂŒdlichen Ruhrgebiet veröffentlicht. Inzwischen wird auch nach einem Fahrrad gefahndet, das er möglicherweise benutzt hat.
Die versuchten Sabotage-Akte konzentrierten sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen. In allen drei BundeslĂ€ndern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. Am Freitag hatten Beamte in der Gevelsberger Wohnung des TatverdĂ€chtigen Sprengstoff gefunden. SpĂ€ter stĂŒrmte ein Spezialeinsatzkommando in Niederzier am Tagebau Hambach einen Lastwagen, der anscheinend zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden.
