SPD, Union

SPD und Union fordern neuen Pakt fĂŒr den Rechtsstaat

09.02.2025 - 16:27:03

Sowohl die Union als auch die SPD im Bundestag haben eine Neuauflage des Bund-LĂ€nder-"Pakts fĂŒr den Rechtsstaat" gefordert.

"Als SPD-Fraktion setzen wir uns fĂŒr eine nachhaltige StĂ€rkung der Justiz ein, beispielsweise durch einen zweiten Pakt fĂŒr den Rechtsstaat", sagte SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese der "Welt". Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf eine Recherche der "Deutschen Richterzeitung" berichtet, dass 2024 61 dringend TatverdĂ€chtige aus der Untersuchungshaft freigelassen werden mussten, weil die Strafverfahren zu lange dauerten. Dabei ging es unter anderem um schwere Straftaten wie Mord, Totschlag und Vergewaltigung. Der Deutsche Richterbund forderte daraufhin ein "Sofortprogramm" zur Entlastung der Justiz.

"Kurzfristig muss es darum gehen, die Stellenbesetzungen im Justizbereich zu beschleunigen und Verfahren effizienter zu gestalten", so Wiese. "Langfristig mĂŒssen wir zudem daran arbeiten, die Justizberufe attraktiver zu machen, um genĂŒgend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen." Andrea Lindholz (CSU), stellvertretende Unionsfraktionschefin, sagte: "Die Überlastung und Personalkrise der Justiz ist ein ernstes Problem, das unsere rechtsstaatlichen GrundsĂ€tze und unsere innere Sicherheit gefĂ€hrden kann." Deshalb brauche es "dringend eine Neuauflage unseres erfolgreichen Bund-LĂ€nder-`Pakts fĂŒr den Rechtsstaat` aus der letzten Wahlperiode". Im Rahmen dieser Vereinbarung hatten die schwarz-rote Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die MinisterprĂ€sidenten der BundeslĂ€nder im Januar 2019 eine bessere Personalausstattung unter anderem fĂŒr Gerichte und Staatsanwaltschaften beschlossen. Lindholz: "Neben mehr Personal muss aber auch die Digitalisierung der Justiz konsequent vorangetrieben werden, um Verfahren effizienter zu gestalten. Gleichzeitig mĂŒssen wir in Bund und LĂ€ndern die Arbeitsbedingungen verbessern, damit Justizberufe wieder attraktiver werden." Nur durch ein gemeinsames entschlossenes Handeln werde man die Überlastung der Gerichte nachhaltig beheben und den Rechtsstaat stĂ€rken, damit Recht auch schnell und konsequent durchgesetzt werde. Als "alarmierend" bezeichnete es unterdessen die GrĂŒnen-Rechtspolitikerin Canan Bayram, dass bereits heute ca. 2.000 Richter und StaatsanwĂ€lte fehlten. Dazu komme die Aussicht, dass 2030 die geburtenstarken JahrgĂ€nge in Rente gehen. Sie forderte: "Der Bund sollte gemeinsam mit den LĂ€ndern Lösungen finden. Letztere haben in der Vergangenheit aufgrund unterschiedlicher Betroffenheit auch unterschiedliche Kooperationsbereitschaft gezeigt. Mit einem Sofortprogramm könnte der Pakt fĂŒr den Rechtsstaat insbesondere in Bereichen Digitalisierung und Personalentwicklung Wirkung erzielen." Die rechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Katrin Helling-Plahr, sieht dringenden Handlungsbedarf. "Überlange Verfahrensdauern in Strafsachen sind eines Rechtsstaats unwĂŒrdig und stellen ein erhebliches Problem dar. Dieses Problem wird sich auch angesichts der anstehenden Pensionierungswelle der geburtenstarken JahrgĂ€nge auf Sicht noch eher verschĂ€rfen. Wir brauchen aber schnelle Verfahren." Die BundeslĂ€nder seien fĂŒr die Personalausstattung der Justiz "allein verantwortlich" und mĂŒssten durch "eine entsprechende Einstellungspraxis und auskömmliche Finanzierung" dafĂŒr sorgen, "dass genug richterliches wie nicht-richterliches Personal zur VerfĂŒgung steht". Auch sie forderte eine Digitalisierungsoffensive: "Gerade Strafverfahren laufen heutzutage noch komplett analog ab. Da sind andere Rechtsgebiete lĂ€ngst deutlich weiter, es gibt also erhebliche Beschleunigungs- und Effizienzpotenziale zu heben."

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