Miersch, Scheitern

Miersch hĂ€lt Scheitern der Koalitionsverhandlungen fĂŒr möglich

09.03.2025 - 12:32:55

SPD-GeneralsekretĂ€r Matthias Miersch hĂ€lt trotz erfolgreicher Sondierungen mit der Union ein Scheitern der weiteren GesprĂ€che zur Regierungsbildung fĂŒr möglich.

"Wir haben immer wieder gesagt, Koalitionsvereinbarungen sind kein Automatismus", sagte Miersch dem Nachrichtenmagazins Politico. "Wir wissen nicht, wo wir in einigen Wochen stehen." Auf die Frage, ob die Koalitionsverhandlungen scheitern könnten, antwortete Miersch: "NatĂŒrlich." Viele Fragen seien "sehr kontrovers" diskutiert worden.

Jetzt sei es die Aufgabe, "Kompromisse zu suchen und die Möglichkeiten einer Koalition zu prĂŒfen". Die SondierungsgesprĂ€che seien "nicht ganz einfach" gewesen: "Aber wir haben, finde ich, ein sehr belastbares Ergebnis hinbekommen." Miersch setzt auf einen raschen Start weiterer GesprĂ€che: "Ich gehe davon aus, dass wir in dieser Woche starten." Der SPD-GeneralsekretĂ€r wies zudem Spekulationen zurĂŒck, seine Partei wolle die Entscheidungen unter anderem zu Schuldenbremse und Sondervermögen im Parlament abwarten, um danach eine rot-rot-grĂŒne Minderheitsregierung anzustreben: "Das ist nun wirklich Quatsch. Das schließe ich aus." Miersch verteidigte die Vereinbarungen mit der Union zur Migration und zu ZurĂŒckweisungen an den Grenzen. Der zentrale Punkt sei, "dass wir hier keinen nationalen Sonderweg machen, sondern im Rahmen des europĂ€ischen Rechts eben die Abstimmung mit dem europĂ€ischen Nachbarn, wie wir es beispielsweise mit der Schweiz schon praktizieren", so der SPD-GeneralsekretĂ€r. Einigen Fachleuten geht der Sondierungskompromiss von Union und SPD wiederum nicht weit genug. "Die Vorhaben im Sondierungspapier gehen in die richtige Richtung", sagte der Konstanzer Migrationsrechtsforscher Daniel Thym der "SĂŒddeutschen Zeitung". "Sie wirken aber nur kurzfristig. Daneben brauchen wir jetzt einen großen Wurf." Thym plĂ€diert fĂŒr eine umfangreiche EU-Reform und mahnt einen stĂ€rkeren Grenzschutz und Asylzentren außerhalb Deutschlands an. "Wir haben in Deutschland wahrscheinlich nur noch diese eine Chance, die Probleme durch Parteien der politischen Mitte in den Griff zu bekommen", sagte Thym. Schaffe man es nicht, "das System neu aufzustellen und Ordnung zu schaffen, dann dĂŒrften rechte und rechtsextreme KrĂ€fte erstarken und ganz andere Fragen stellen". Dann drohe eine Abschaffung des Asylrechts. "Wir brauchen langfristig eine weitere EU-Asylreform", sagte Thym. Die laufende reiche nicht aus. Wichtig sei ein besserer Schutz der EU-Außengrenzen. Nötig seien auch "Modellprojekte fĂŒr Asylverfahren schon in Drittstaaten und RĂŒckfĂŒhrzentren fĂŒr Personen, deren Asylantrag abgelehnt wurde". Thym schlĂ€gt etwa RĂŒckfĂŒhrungszentren in der TĂŒrkei vor. Die neue Regierung mĂŒsse auch verhindern, dass Menschen im Land bleiben, die keinen Schutzstatus haben. Da gebe es "Vollzugsdefizite" bei deutschen Behörden. "Es fehlt die Digitalisierung, die Behörden haben Probleme, neues Personal zu gewinnen, es gibt sehr komplizierte gesetzliche Regeln und sehr komplizierte Urteile." Der Migrationsexperte sieht zudem juristische Probleme bei zentralen Vorhaben der kĂŒnftigen Regierung. Dass Deutschland auf lange Sicht Asylsuchende an der Grenze zurĂŒckweisen kann, hĂ€lt er fĂŒr wenig realistisch. "Dauerhafte ZurĂŒckweisungen ĂŒber viele Monate hinweg haben eine sehr geringe juristische Chance", sagte Thym. Er empfiehlt der nĂ€chsten Regierung deshalb, nicht alle Asylsuchenden zurĂŒckzuweisen, sondern nur bestimmte Gruppen. "Denkbar wĂ€re etwa, dass Familien und MinderjĂ€hrige aus humanitĂ€ren GrĂŒnden weiter ins Land kommen, wĂ€hrend junge MĂ€nner zwischen 18 und 40 Jahren zurĂŒckgewiesen werden." Das erhöhe die Chance, dass Gerichte "mitspielen". Die nĂ€chste Regierung könne so kurzfristig das Zeichen setzen: "Die Willkommenskultur ist vorbei."

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