SPD pocht auf Frau als nÀchstes Staatsoberhaupt
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 14:02 Uhr | dpa.deFĂŒhrende SPD-Politiker bestehen darauf, dass eine Frau die Nachfolge von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier antritt. «Ich glaube, es ist Zeit fĂŒr eine PrĂ€sidentin», sagte der Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, in Berlin. Zuvor hatte sich der stellvertretende SPD-Vorsitzende Alexander Schweitzer fast wortgleich geĂ€uĂert. In der politischen Mitte herrsche eigentlich groĂe Einigkeit darĂŒber, sagte er dem «Spiegel» und ergĂ€nzte: «Es befremdet mich, dass nun einige aus der Union an diesem Konsens rĂŒtteln.»
Beide SPD-Politiker reagierten damit auf Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU), der zuvor gesagt hatte, auch ein Mann mĂŒsse im Amt möglich sein. Es spreche zwar einiges fĂŒr eine Frau, aber nicht unumstöĂlich. «Wir sollten da offen rangehen», sagte Frei dem Sender Welt-TV. Schweitzer kritisierte: «Die CDU droht, in Verhaltensmuster zurĂŒckzufallen, die die Gesellschaft lĂ€ngst ĂŒberwunden hat.»Â
Widerspruch erhielt Frei auch aus den Reihen der CSU. «Eine Frau als unser Staatsoberhaupt ist ein Gewinn fĂŒr die Menschen im Land und die Politik», sagte die Vorsitzende der Frauenunion in der CSU, Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf, dem Bayerischen Rundfunk. «Halt und Orientierung geben und einen klaren Kompass aufzeigen können Frauen genauso. Es gibt absolut keinen Grund, daran zu zweifeln, dass eine Frau dieses Amt ausĂŒben kann.»
Union und SPD wollen im Herbst gemeinsamen Vorschlag machen
Die Nachfolgerin oder der Nachfolger Steinmeiers wird am 30. Januar kommenden Jahres von der Bundesversammlung gewĂ€hlt. Steinmeier selbst darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Das Vorschlagsrecht fĂŒr die Nachfolge liegt bei der Union. Sie und die SPD haben aber vereinbart, einen gemeinsamen Vorschlag zu machen.Â
Dies soll nach den Landtagswahlen im September geschehen, wenn genau feststeht, wie die MehrheitsverhĂ€ltnisse in der Bundesversammlung sein werden. Diese setzt sich aus den 630 Bundestagsabgeordneten und einer gleich groĂen Zahl von Vertretern aus den 16 BundeslĂ€ndern zusammen.
Mehrere Frauen bislang im GesprĂ€chÂ
Mehrere Frauen werden bislang als mögliche Nachfolgerinnen gehandelt:Â
Ilse Aigner (CSU): Die bayerische LandtagsprĂ€sidentin wurde schon vor Monaten von MinisterprĂ€sident Markus Söder fĂŒr das höchste Staatsamt ins GesprĂ€ch gebracht. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte die CSU-Politikerin jĂŒngst eine «respektable, denkbare BundesprĂ€sidentin». Er will aber am vereinbarten Zeitplan festhalten und erst im Herbst GesprĂ€che ĂŒber die Steinmeier-Nachfolge fĂŒhren. Allerdings sagte auch SPD-Chef Lars Klingbeil bereits, er schĂ€tze die 61-jĂ€hrige Aigner sehr.
Karin Prien (CDU): Die Bundesbildungsministerin gilt als Karrierefrau in der CDU. Mit ihr bekĂ€me Deutschland erstmals ein Staatsoberhaupt mit jĂŒdischen Wurzeln. Die 61-JĂ€hrige kĂ€mpft gerade Einschnitte beim Elterngeld durch â was nicht gerade populĂ€r ist. Wie alle anderen Frauen, die fĂŒr die Steinmeier-Nachfolge gehandelt werden, Ă€uĂert sich Prien selbst nicht zu eventuellen Ambitionen. Dass sie sich das Amt zutraut, ist bekannt.Â
Julia Klöckner (CDU): Die 53-JĂ€hrige hat in dieser Wahlperiode mit dem Aufstieg zur BundestagsprĂ€sidentin schon einen Karrieresprung hingelegt. Damit ist sie protokollarisch bereits die Nummer 2 im Staat. Doch kann sie es noch zur Nummer 1 schaffen? Mit dem Nicht-Hissen der Regenbogenflagge auf dem ReichstagsgebĂ€ude am Christopher Street Day hat sie sich jedenfalls auch in Teilen der SPD keine Freunde gemacht. Bei GrĂŒnen und Linken, die fĂŒr eine sichere Mehrheit in der Bundesversammlung eventuell gebraucht werden, schon gar nicht.
Bislang werden kaum mögliche mÀnnliche Kandidaten genannt
VorĂŒbergehend im GesprĂ€ch war zudem die frĂŒhere Kulturstaatsministerin Monika GrĂŒtters. Die CDU-Politikerin hat bei der Bundestagswahl 2025 auf eine erneute Kandidatur verzichtet und ĂŒbt derzeit kein politisches Amt aus. MĂ€nnliche PersonalvorschlĂ€ge sind bislang kaum im GesprĂ€ch. Die «Bild» berichtete jĂŒngst, dass in Regierungs- und Unionskreisen der Name von Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein (CDU) immer hĂ€ufiger genannt werde.
