Pflegereform, Kommunalfinanzen

Pflegereform: Kommunen fordern Deckel fĂŒr Heimkosten

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

StÀdte und Gemeinden warnen vor weiter steigenden Belastungen ihrer Haushalte und verlangen neben einem Eigenanteilsdeckel zusÀtzliche Finanzhilfen von Bund und LÀndern. Die Forderungen erhöhen den Druck auf Union und SPD vor dem geplanten Kabinettsbeschluss.

Kommunen fordern Korrekturen an Pflegereform
Frau sitzt in einem Rollstuhl im Pflegeheim (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

StĂ€dte und Gemeinden verlangen vor dem fĂŒr Mittwoch geplanten Kabinettsbeschluss zur Pflegereform grundlegende Änderungen und unterstĂŒtzen den SPD-Vorschlag fĂŒr eine Deckelung der Heimkosten. Die kommunalen Ausgaben fĂŒr die Hilfe zur Pflege sind nach Angaben des Deutschen StĂ€dte- und Gemeindebundes binnen drei Jahren um ein Drittel auf sechs Milliarden Euro gestiegen.

Kommunen sehen Eigenanteil als Kostentreiber

DStGB-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer AndrĂ© Berghegger sagte der „Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung“, Ziel der Reform mĂŒsse es sein, den Kostenanstieg zu begrenzen. Ein Deckel könne den Betrag reduzieren, den Kommunen ausgleichen mĂŒssen, wenn PflegebedĂŒrftige ihre Eigenanteile nicht aufbringen können.

Auch StĂ€dtetagsprĂ€sident Burkhard Jung fordert Korrekturen am Regierungsentwurf. Der diskutierte Pflegedeckel sei als Einstieg richtig, langfristig mĂŒsse der Eigenanteil weiter sinken, um das Armutsrisiko PflegebedĂŒrftiger zu verringern.

Forderungen an Bund und LĂ€nder

Berghegger verlangt zudem, dass der Bund wĂ€hrend der Pandemie aus der Pflegekasse entnommene Mittel zurĂŒckerstattet. Außerdem fordert der StĂ€dte- und Gemeindebund einen dauerhaften, dynamisierten Bundeszuschuss, weil Pflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei.

Auch die LĂ€nder mĂŒssten sich stĂ€rker an der Finanzierung der Pflegeinfrastruktur beteiligen, so Berghegger. Jung warnte davor, eine Reform zu beschließen, die das Finanzierungsproblem der Pflegeversicherung zu einem erheblichen Teil auf die Kommunen verlagert. Langfristig plĂ€diert der StĂ€dtetag fĂŒr eine Pflegevollversicherung.

Koalition sucht weiter nach Kompromiss

Union und SPD suchten am Dienstag weiter nach einer Einigung. Aus Koalitionskreisen hieß es am Nachmittag, ein Durchbruch sei noch nicht absehbar. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) wollte den Entwurf dennoch am Mittwoch ins Kabinett einbringen.

Die Forderungen der Kommunen treffen auf eine Pflegeversicherung, deren Finanzierung politisch unter erheblichem Druck steht. Im Zentrum der Reform steht bislang ein Entwurf, der Einsparungen, höhere Einnahmen und strukturelle Änderungen miteinander verbinden soll. Union und SPD streiten dabei vor allem ĂŒber die Verteilung der Lasten sowie ĂŒber die Frage, wie stark PflegebedĂŒrftige und Angehörige kurzfristig entlastet werden.

Ein Deckel fĂŒr den pflegebedingten Eigenanteil wĂŒrde vor allem Menschen in stationĂ€rer Pflege zugutekommen. Der monatliche Gesamtbetrag fĂŒr einen Heimplatz umfasst jedoch zusĂ€tzlich Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten. Die finanzielle Entlastung wĂ€re deshalb auf den Pflegeanteil begrenzt. FĂŒr Kommunen ist die Regelung dennoch relevant, weil sie einspringen mĂŒssen, wenn Betroffene und Familien ihre Kosten nicht mehr tragen können.

Finanzierung bleibt der zentrale Streitpunkt

Mit dem Anstieg der kommunalen Ausgaben auf sechs Milliarden Euro binnen drei Jahren wird die Reform zu einer Frage der kommunalen Haushalte. StĂ€dte und Gemeinden verlangen deshalb nicht nur einen begrenzten Eigenanteil, sondern auch eine RĂŒckerstattung wĂ€hrend der Pandemie entnommener Mittel und einen dauerhaften Bundeszuschuss. ZusĂ€tzlich sehen sie die LĂ€nder bei der Finanzierung der Pflegeinfrastruktur in der Pflicht.

FĂŒr die Bundesregierung verschĂ€rft der kommunale Druck den Zeitplan vor dem geplanten Kabinettsbeschluss. Eine kurzfristige Begrenzung der Eigenanteile könnte die Kommunen entlasten, löst aber weder die strukturelle Finanzierung der Pflegeversicherung noch den wachsenden Personal- und Versorgungsbedarf. Diese Fragen sollen nach den bisherigen ReformplĂ€nen in einem weiteren Verfahren beraten werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Koalition ringt um Kompromiss zur Pflegereform“ (29.09.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt den Zeitdruck vor dem geplanten Kabinettsbeschluss und beschreibt den Streit zwischen Union und SPD ĂŒber Einsparungen, Eigenanteile und die weitere Strukturreform. Als zusĂ€tzlichen Schwerpunkt nennt er den Druck aus PflegeverbĂ€nden und Sozialorganisationen sowie die angespannte Finanzlage der Pflegekassen.

ZDF heute: „Wie eine Lösung bei der Pflegereform aussehen könnte“ (29.09.2026)

Das ZDF ordnet die Reform stĂ€rker ĂŒber die Finanzierungsstruktur der Pflegeversicherung und das VerhĂ€ltnis von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung ein. Übereinstimmung besteht beim Handlungsdruck und bei der UnterstĂŒtzung eines Pflegedeckels durch kommunale Akteure; offen bleibt, ob Union und SPD vor dem Kabinettstermin einen tragfĂ€higen Kompromiss finden.

Die Berichte stimmen darin ĂŒberein, dass die Reform kurzfristig den Finanzdruck begrenzen soll, unterscheiden sich aber beim Schwerpunkt: WĂ€hrend die tagesschau vor allem die politischen Verhandlungen und zusĂ€tzliche Kritik aus der Pflegepraxis beleuchtet, stellt das ZDF die Systemfinanzierung und mögliche nĂ€chste Schritte heraus.

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