Steinmeier-Nachfolge: Ines Claus signalisiert Interesse an Kandidatur
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 16:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie nächsten Schritte bis zur Bundesversammlung
- Die CDU-Führung befasst sich am 9. November mit der Frage der Steinmeier-Nachfolge.
- Die Wahl des neuen Staatsoberhaupts findet am 30. Januar 2027 in der Bundesversammlung statt.
- CDU, CSU und SPD verfügen dort gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
CDU berät über mehrere Kandidatinnen für Steinmeier-Nachfolge
Die hessische CDU-Fraktionschefin Ines Claus hat Interesse an einer Kandidatur für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier signalisiert. Die 49-Jährige sprach von einer „großen Ehre“, während aus dem Umfeld von Kanzler Friedrich Merz eine Festlegung auf Claus dementiert wurde.
Claus stellt geordnetes Verfahren heraus
Claus sagte der „Rheinischen Post“, nun gelte es, ein geordnetes Verfahren einzuhalten. Dazu gehörten die Ministerpräsidenten, die Führungsgremien von CDU und CSU sowie der Koalitionspartner.
Die Zeitung hatte unter Berufung auf hochrangige CDU-Kreise berichtet, Claus sei die Favoritin von Merz für das höchste Staatsamt. Aus dem Kanzlerumfeld hieß es dagegen, Merz habe sich weder festgelegt noch einen Vorschlag unterbreitet.
Kritik aus CDU und CSU
Maßgebliche CDU-Politiker bewerteten den Vorstoß laut dpa kritisch oder wiesen ihn als absurd zurück. Als Einwand wurde genannt, Claus fehle ein bundespolitisches Profil.
In der Unionsfraktion wurde auf Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verwiesen, die über die Parteigrenzen hinweg Anerkennung genieße. Auch in der CSU stieß die Nennung von Claus zunächst auf wenig Euphorie; dort war von einem „Testballon“ die Rede.
Mehrere Frauen im Rennen
Unionsfraktionschef Thorsten Frei wollte sich nicht auf Ilse Aigner als gemeinsame Unionskandidatin festlegen. Er nannte neben Klöckner auch Bildungsministerin Karin Prien und die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer.
Frei sagte, vieles spreche für eine Person mit umfassendem Verständnis der politischen Prozesse. Eine juristische Ausbildung sei für das Amt aus seiner Sicht nicht zwingend erforderlich.
Entscheidung nach Merz’ Asienreise
Die CDU-Führung will die Personalfrage am 9. November beraten, nachdem Merz aus Asien zurückgekehrt ist. Anschließend sind Gespräche mit CSU, SPD und möglicherweise den Grünen möglich.
Die Union beansprucht als stärkste Fraktion im Bundestag das Vorschlagsrecht. CSU-Chef Markus Söder unterstützt Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner, während SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sich hinter sie gestellt hat.
Wahl findet im Januar 2027 statt
Die Entscheidung über die Kandidatur soll noch im November fallen. Die Bundesversammlung wählt das neue Staatsoberhaupt am 30. Januar 2027.
CDU, CSU und SPD verfügen in der Bundesversammlung über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Die Union strebt dennoch eine möglichst breite Zustimmung über die Regierungsparteien hinaus an.
Die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier wird in der Union über mehrere Ebenen vorbereitet. CDU und CSU müssen zunächst eine gemeinsame Position finden, bevor Gespräche mit dem Koalitionspartner SPD beginnen können. Die Union beansprucht als stärkste Fraktion im Bundestag das Vorschlagsrecht, ist bei der Auswahl aber nicht auf eine einzige Kandidatin festgelegt.
Die Bundesversammlung wählt das Staatsoberhaupt. Ihre Zusammensetzung richtet sich nach der Stärke des Bundestags und den von den Landesparlamenten entsandten Mitgliedern. Die Regierungsparteien verfügen laut dpa-Meldung über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen, streben jedoch eine möglichst breite Zustimmung an.
Mehrere Kandidatinnen im Gespräch
Mit Ilse Aigner, Julia Klöckner, Karin Prien, Annegret Kramp-Karrenbauer und nun Ines Claus werden mehrere Frauen aus Union und CSU genannt. Die unterschiedlichen politischen Profile machen die Suche zugleich zu einer Frage des parteiinternen Ausgleichs: Aigner steht für den CSU-Vorschlag, während Klöckner, Prien und Claus aus der CDU kommen.
Die CDU-Führung will die Personalfrage nach der Rückkehr von Friedrich Merz aus Asien beraten. Für den 9. November ist die Befassung der Führungsgremien vorgesehen. Danach dürften Gespräche mit CSU, SPD und möglicherweise den Grünen folgen; die endgültige Entscheidung wird noch im November erwartet.
Warum die Personalie politisch zählt
Das Amt des Bundespräsidenten ist parteipolitisch unabhängig angelegt, seine Wahl besitzt jedoch hohe symbolische Bedeutung. Eine Kandidatur muss deshalb nicht nur die Mehrheiten in der Bundesversammlung sichern, sondern auch über die Regierungsparteien hinaus akzeptabel sein. Der Zeitplan bis zur Wahl am 30. Januar 2027 setzt die Union unter Druck, ohne das Verfahren vor der November-Entscheidung vorwegzunehmen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Focus: „Ines Claus ist heiße CDU-Kandidatin für Bundespräsidialamt“ (27.10.2026)
Der Beitrag ordnet Claus als neue CDU-Kandidatin in der offenen Nachfolgefrage ein. Damit bestätigt er den zusätzlichen Namen im Rennen; die endgültige Entscheidung der Union bleibt auch dort offen.
ntv: „Merz-Umfeld dementiert Steinmeier-Gerüchte um Ines Claus“ (27.10.2026)
Der Artikel stellt die Berichte über Claus als Favoritin von Friedrich Merz dem Dementi aus dem Kanzlerumfeld gegenüber. Anders als der Focus-Beitrag legt er den Schwerpunkt auf den fehlenden Beschluss und die weiterhin offene Personalentscheidung.
Einigkeit besteht über die offene Nachfolge und die wachsende Aufmerksamkeit für Claus. Unterschiedlich gewichten die Beiträge ihre mögliche Nähe zur CDU-Spitze; offen bleibt, welche Kandidatin die Union im November tatsächlich nominieren wird.
