SteuerschÀtzung 2027: Klingbeil sieht keinen Etat-Spielraum
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 15:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHaushaltszahlen fĂŒr Bund und LĂ€nder
- FĂŒr 2027 werden im Bundeshaushalt Steuereinnahmen von 398,6 Milliarden Euro erwartet.
- Gesamtstaatlich soll das Einnahmeplus bis 2030 gegenĂŒber der Mai-SchĂ€tzung 43,4 Milliarden Euro betragen.
- Der Haushaltsausschuss soll Mitte November letzte Ănderungen am Etat 2027 beraten.
SteuerschÀtzung erhöht Einnahmen, nicht den Etatspielraum
Die Konjunktur zieht leicht an und die Steuereinnahmen steigen, doch Finanzminister Lars Klingbeil gewinnt fĂŒr den Bundeshaushalt 2027 kaum zusĂ€tzlichen Spielraum. Zwar erwartet der Bund im kommenden Jahr 4,1 Milliarden Euro mehr als bislang angenommen, zugleich begrenzt die bessere Wirtschaftslage voraussichtlich die zulĂ€ssige Neuverschuldung.
Mehr Einnahmen bis 2030
âFĂŒr 2027 gewinnen wir insgesamt keine neuen SpielrĂ€ume hinzu, wir mĂŒssen aber auch keine neuen LĂŒcken schlieĂenâ, sagte Klingbeil in Berlin. Im Bundeshaushalt sei weiterhin Konsolidierung nötig, um kĂŒnftig HandlungsspielrĂ€ume zu erhalten.
FĂŒr den gesamten Staat prognostiziert der Arbeitskreis SteuerschĂ€tzung 2027 nun 10,9 Milliarden Euro mehr als im Mai. In den Bundeshaushalt sollen 398,6 Milliarden Euro flieĂen; fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen zusammen wird mit etwas mehr als einer Billion Euro gerechnet.
Prognose stĂŒtzt sich auf bessere Konjunktur
Bis 2030 summiert sich das erwartete gesamtstaatliche Plus gegenĂŒber der Mai-SchĂ€tzung auf 43,4 Milliarden Euro. Dem Arbeitskreis gehören Fachleute von Bundesregierung, Wirtschaftsforschungsinstituten, Statistischem Bundesamt, Bundesbank, SachverstĂ€ndigenrat sowie LĂ€ndern und Kommunen an.
Die SchĂ€tzung berĂŒcksichtigt die jĂŒngste Wirtschaftsentwicklung und seit Mai beschlossene Gesetze mit finanziellen Auswirkungen. Die Bundesregierung hob ihre Wachstumserwartung fĂŒr dieses Jahr von 0,5 auf 1,3 Prozent und fĂŒr 2027 von 0,9 auf 1,1 Prozent an.
Stromsteuer bleibt umstritten
Das erwartete Steuerplus reicht nach EinschĂ€tzung des Finanzministeriums allein nicht aus, um eine Senkung der Stromsteuer zu finanzieren. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte eine Absenkung auf das europĂ€ische Minimum auch fĂŒr private Haushalte und kleine Unternehmen angekĂŒndigt; die jĂ€hrlichen Kosten werden auf rund 5,4 Milliarden Euro geschĂ€tzt.
ZusĂ€tzliche Belastungen fĂŒr den Etat könnten auch der Ausgleich der kalten Progression mit rund vier Milliarden Euro sowie Streit ĂŒber geplante Einnahmen aus Plastik-, Tabak- und Zuckersteuer verursachen. In der Union gibt es insbesondere Vorbehalte gegen die Plastiksteuer und Forderungen nach Ănderungen bei der Zuckersteuer.
Entscheidung im Haushaltsausschuss
Der Bundeshaushalt 2027 wird derzeit im Bundestag beraten und soll Ende November beschlossen werden. Mitte November steht die entscheidende Sitzung des Haushaltsausschusses an.
Bis dahin mĂŒssen Union und SPD klĂ€ren, ob sie weitere Entlastungen finanzieren können und welche Einnahmen oder Einsparungen dafĂŒr herangezogen werden. Klingbeil fordert von der Union, die Gegenfinanzierung ihrer zusĂ€tzlichen Vorhaben zu benennen.
Die Herbst-SteuerschĂ€tzung verbessert zwar die Einnahmeperspektive von Bund, LĂ€ndern und Kommunen, sie schafft fĂŒr den Bundeshaushalt 2027 aber keinen entsprechend groĂen zusĂ€tzlichen Spielraum. Entscheidend ist, dass eine bessere Konjunktur nach den Regeln der Schuldenbremse zugleich die zulĂ€ssige Kreditaufnahme begrenzt.
FĂŒr die Haushaltsplanung bedeutet das: Das Plus bei den Steuern kann nicht vollstĂ€ndig fĂŒr neue Ausgaben oder Entlastungen verwendet werden. Bereits vereinbarte Vorhaben, noch nicht endgĂŒltig beschlossene Einnahmequellen und zusĂ€tzliche Forderungen konkurrieren um denselben finanziellen Spielraum.
Stromsteuer bleibt Haushaltsfrage
Besonders politisch sichtbar wird der Zielkonflikt bei der Stromsteuer. Eine Entlastung privater Haushalte und kleiner Unternehmen wĂŒrde zwar die Belastung durch hohe Energiekosten mindern, mĂŒsste aber dauerhaft finanziert werden. Zugleich gibt es weitere kostenintensive WĂŒnsche wie den Ausgleich der kalten Progression.
Die nĂ€chsten Beratungen im Bundestag und im Haushaltsausschuss werden deshalb maĂgeblich dafĂŒr sein, ob Union und SPD PrioritĂ€ten verschieben, zusĂ€tzliche Einnahmen durchsetzen oder Ausgaben begrenzen. FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bleibt offen, ob und in welchem Umfang die angekĂŒndigte Stromsteuerentlastung im Haushalt 2027 berĂŒcksichtigt werden kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: âArbeitskreis SteuerschĂ€tzung gibt Herbstprognose bekannt - mehr Einnahmen erwartetâ (22.10.2026)
Der Beitrag ordne die erwarteten Mehreinnahmen in die Herbst-SteuerschÀtzung und die Beratung des Bundeshaushalts ein. Als Schwerpunkt nenne er die politische Forderung nach einer Senkung der Stromsteuer auf das europÀische Minimum sowie Warnungen vor zu hohen Erwartungen.
BR24: âMinisterprĂ€sidenten fordern Entlastungen bei Stromsteuerâ (22.10.2026)
Der Bericht stelle die Forderungen mehrerer MinisterprĂ€sidenten nach Entlastungen bei der Stromsteuer in den Mittelpunkt. Damit verschiebe sich der Akzent gegenĂŒber dem Deutschlandfunk-Beitrag von der SteuerschĂ€tzung auf den politischen Druck fĂŒr eine Entlastung privater Haushalte.
Beide BeitrĂ€ge machten deutlich, dass höhere Einnahmeerwartungen und Forderungen nach niedrigeren Stromkosten zeitgleich auf die Haushaltsberatungen treffen. Offen bleibt, wie die Bundesregierung die Entlastung finanzieren und mit den ĂŒbrigen Etatvorhaben verbinden will.
