Berlin, Deutschland

Wie verletzlich ist die deutsche Infrastruktur?

05.01.2026 - 16:27:45

StromausfÀlle, Sabotage gegen die Bahn und Drohnensichtungen: Immer wieder kommt es zu Angriffen auf die deutsche Infrastruktur. Manche meinen: Die TÀter haben es zu leicht.

Zehntausende Haushalte ohne Strom, und das mitten im Winter - der Stromausfall in Berlin dĂŒrfte fĂŒr viele Betroffene ein Alptraum sein. Die Landesregierung geht von einem linksextremistischen Anschlag aus. So dramatisch die Lage im SĂŒdwesten der Hauptstadt ist - zu Ă€hnlichen Störungen oder sogar AnschlĂ€gen kommt es immer wieder. 

Wie ungewöhnlich ist ein mutmaßlicher Anschlag wie jetzt in Berlin?

Erst im September waren Zehntausende Haushalte im SĂŒdosten Berlins nach einem politisch motivierten Brandanschlag auf Strommasten teils tagelang ohne Strom. 

Auch die Bahn wird immer wieder Opfer: So traf es 2022 Bahnanlagen in Berlin und Herne in Nordrhein-Westfalen, die Rede war von Sabotage. Die Auswirkungen waren großflĂ€chig: Der Bahnverkehr in Norddeutschland fiel ĂŒber Stunden aus. Auch Mobilfunkmasten trifft es gelegentlich. 

Drohnen ĂŒber deutschen FlughĂ€fen sorgten im Herbst immer wieder fĂŒr Störungen. Überhaupt haben Drohnensichtungen an wichtigen Einrichtungen in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine stark zugenommen. «Wir gehen in weiten Teilen davon aus, dass diese Drohnen auch von feindlichen MĂ€chten gesteuert sind», sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Einweihung eines neuen Drohnenabwehrzentrums im Dezember.

Woher wissen TĂ€ter, wo sie zuschlagen mĂŒssen?

«Sie finden sehr viel im Internet», sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey dem Deutschlandfunk. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beklagt, Strom- und Gasnetzbetreiber seien rechtlich verpflichtet, ihre Infrastruktur öffentlich «quasi auf dem Silbertablett» zu prÀsentieren. «Wir brauchen deshalb eine umfassende und praxistaugliche Neubewertung bestehender Transparenzpflichten», verlangt der Verband. 

Worum es geht, erlĂ€uterte der Betreiber von Strom-Übertragungsnetzen 50Hertz kĂŒrzlich als SachverstĂ€ndiger fĂŒr eine Anhörung im Bundestag. Bei behördlichen Planungsverfahren, bei UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfungen oder Öffentlichkeitsbeteiligungen mĂŒssten Betreiber Daten offenlegen. «In der Praxis bedeutet dies, dass hĂ€ufig detaillierte Karten, technische Parameter, Standortinformationen, Leitungs- und TrassenverlĂ€ufe sowie Infrastrukturstrukturen öffentlich zugĂ€nglich gemacht werden – digital, dauerhaft und ohne wirksame ZugriffsbeschrĂ€nkungen.» 

Solche Daten könnten dann mit KI-basierten Suchmaschinen und Algorithmen systematisch gesammelt, aufbereitet und fĂŒr Angriffe genutzt werden, warnte der BDEW in seiner Stellungnahme.

Wie werden die Anlagen geschĂŒtzt?

99 Prozent des Berliner Stromnetzes mit seinen etwa 35.000 Kilometern liegt laut Wirtschaftssenatorin Giffey ohnehin unter der Erde. «Wir reden ĂŒber ein Prozent, das noch oberirdisch verlĂ€uft. Es ist unser Ziel, auch dieses eine Prozent unter die Erde zu bringen», sagte sie. Man werde aber immer verletzliche Stellen im Netz haben. 

Die Gewerkschaft der Polizei verlangte mehr Redundanzen, also Parallelleitungen, die im Ernstfall genutzt werden können, sowie VideoĂŒberwachung. «Kameras an Strommasten könnten bei der Strafverfolgung helfen, aber auch prĂ€ventiv wirken», sagte der GdP-Landeschef Stephan Weh. 

Ein leichtes Ziel ist das rund 34.000 Kilometer lange Streckennetz der Deutschen Bahn. Die Bahngleise sind meist ungesichert, anders als zum Beispiel in Großbritannien, wo es ZĂ€une gibt. Die Deutsche Bahn setzt stattdessen zunehmend auf Technik. «Dabei kommt mobile und stationĂ€re Videotechnik zum Einsatz, ebenso wie Trittschallsensoren und WĂ€rmebildkameras», teilte der Konzern im Herbst mit. Luft nach oben gibt es bei der Leit- und Sicherheitstechnik, die in Deutschland bislang kaum digitalisiert ist. Stattdessen gibt es Kabel, die ebenfalls ein Ziel fĂŒr Saboteure sind. 

Was soll sich demnÀchst Àndern?

Der Bundestag berĂ€t derzeit ĂŒber eine Reform gesetzlicher Regelungen, bei denen es um den Schutz sogenannter kritischer Infrastruktur geht. Dazu gehören Bereiche, die die Versorgung mit als unentbehrlich geltenden GĂŒtern und Dienstleistungen sicherstellen. Neben der Energie- und Wasserversorgung gehören dazu unter anderem die ErnĂ€hrungswirtschaft und das Gesundheitswesen.

Nach dem Vorschlag der Bundesregierung sollen die Betreiber kritischer Infrastrukturen StörfĂ€lle kĂŒnftig melden mĂŒssen und PlĂ€ne zum Umgang mit jedem denkbaren Risiko entwickeln. Die Reform könnte auch Gelegenheit bieten, die aktuellen Transparenzpflichten neu zu regeln.

@ dpa.de

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