Stromsteuer: LĂ€nder fordern Senkung fĂŒr alle
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 16:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundeshaushalt und Stromsteuer
- Die MPK fasste ihren Beschluss in Berlin und forderte die Bundesregierung zur Umsetzung auf.
- Die Stromsteuer wurde bislang nur fĂŒr Industrie, produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft gesenkt.
- Finanzminister Lars Klingbeil verlangt fĂŒr neue Entlastungen zugleich VorschlĂ€ge zur Gegenfinanzierung.
LĂ€nder verlangen Stromsteuersenkung fĂŒr alle
Die MinisterprĂ€sidentenkonferenz fordert die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle schnellstmöglich umzusetzen. Die Entlastung soll BĂŒrger und Unternehmen erreichen, nachdem die Abgabe bislang nur fĂŒr bestimmte Wirtschaftsbereiche reduziert wurde.
Beschluss der MinisterprÀsidenten
Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der LĂ€nder begrĂŒnden ihre Forderung mit weiterhin hohen Energiepreisen im internationalen Vergleich. Der Bund mĂŒsse finanzielle SpielrĂ€ume nutzen, um Strom fĂŒr alle gĂŒnstiger zu machen.
MPK-Vorsitzender Gordon Schnieder, der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident, bezeichnete die Senkung als Bundesangelegenheit. Die Einnahmen aus der Stromsteuer flieĂen vollstĂ€ndig dem Bund zu, sodass die LĂ€nderhaushalte durch eine Absenkung nicht unmittelbar belastet wĂŒrden.
Koalitionsversprechen noch nicht umgesetzt
Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag angekĂŒndigt, die Stromsteuer fĂŒr alle auf das europĂ€ische MindestmaĂ zu senken. Umgesetzt wurde dies bislang nur fĂŒr die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.
Private Haushalte und andere Unternehmen profitieren bisher nicht von dieser Regelung. Auch Handwerk, Handel und Dienstleistungsunternehmen werden von den LĂ€ndern als Gruppen genannt, die von einer allgemeinen Senkung entlastet werden sollen.
Finanzierung bleibt umstritten
Bundeskanzler Friedrich Merz unterstĂŒtzt die vollstĂ€ndige Umsetzung des Koalitionsversprechens. Finanzminister Lars Klingbeil zeigte sich grundsĂ€tzlich offen, verlangte aber zugleich VorschlĂ€ge fĂŒr die Finanzierung.
Mehrere LÀnder teilen die Bedenken zur Finanzierbarkeit. Niedersachsens MinisterprÀsident Olaf Lies nannte niedrigere Energie- und Stromkosten zugleich ein besonders wirksames Instrument zur Entlastung. Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte erklÀrte, eine Senkung sei grundsÀtzlich richtig, habe aber finanzielle Konsequenzen.
Bund soll HaushaltsspielrÀume nutzen
Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst hatte vor dem LĂ€ndertreffen auf eine schnelle Entlastung gedrĂ€ngt. Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig bezeichnete die Senkung als dringend notwendig und verwies auf die Weitergabe gĂŒnstiger Erzeugungskosten an Wirtschaft und Bevölkerung.
Die LÀnder verbinden ihre Forderung auch mit der Erwartung, dass politische Zusagen eingehalten werden. Wann die Bundesregierung einen konkreten Finanzierungsvorschlag vorlegt und zu welchem Zeitpunkt die allgemeine Stromsteuersenkung in Kraft treten könnte, bleibt offen.
Die Forderung der LĂ€nder trifft auf eine angespannte Haushaltslage des Bundes. Die aktuelle SteuerschĂ€tzung weist zwar zusĂ€tzliche Einnahmen aus, eröffnet nach der Darstellung des Finanzministers aber nur begrenzte neue SpielrĂ€ume, weil zugleich Vorgaben der Schuldenbremse und weitere politische EntlastungswĂŒnsche berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen.
Die im Koalitionsvertrag angekĂŒndigte Senkung soll die Stromsteuer fĂŒr private Haushalte und fĂŒr Unternehmen auĂerhalb der bisher begĂŒnstigten Bereiche auf das europĂ€ische MindestmaĂ reduzieren. Bislang profitieren vor allem Industrie, produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft von der Absenkung. FĂŒr die ĂŒbrigen Verbraucher bleibt die finanzielle Wirkung deshalb eine politische Zusage ohne Umsetzung.
Finanzierung entscheidet ĂŒber Tempo
Die LĂ€nder argumentieren, dass eine niedrigere Stromsteuer die Energiekosten unmittelbar senken und damit Haushalte, Handwerk, Handel und Dienstleistungen entlasten könnte. Zugleich wĂŒrde die MaĂnahme ausschlieĂlich den Bundeshaushalt betreffen, weil die Stromsteuereinnahmen dem Bund zuflieĂen.
Der entscheidende Konflikt liegt damit weniger bei der ZustĂ€ndigkeit als bei der Finanzierung. Nach der aktuellen Haushaltsdebatte konkurriert die Stromsteuersenkung mit anderen Vorhaben und muss in den Etat fĂŒr die kommenden Jahre eingepasst werden. FĂŒr Verbraucher hĂ€ngt die praktische Bedeutung davon ab, ob Union und SPD einen konkreten Finanzierungsweg und einen Umsetzungstermin vereinbaren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: âEnergiepreise: LĂ€nderchefs: 'Schnellstmögliche' Stromsteuersenkung fĂŒr alleâ (22.10.2026)
Der Beitrag berichtet ebenfalls ĂŒber den gemeinsamen Beschluss der LĂ€nder und stellt die Forderung von MPK-Vorsitzendem Gordon Schnieder nach finanziellen Voraussetzungen durch den Bund heraus. Im Mittelpunkt stehen dabei die politische VerlĂ€sslichkeit und die Entlastung von Mittelstand, Handel, Handwerk und privaten Haushalten.
n-tv: âMehr Steuereinnahmen 2027 - aber wenig Spielraumâ (22.10.2026)
Der Artikel ordnet die LĂ€nderforderung in die Haushaltsberatungen ein und berichtet, die zusĂ€tzlichen Steuereinnahmen dĂŒrften fĂŒr die geplante Entlastung nicht ausreichen. Anders als der Stern-Beitrag legt n-tv den Schwerpunkt auf die Finanzierung: Als jĂ€hrliche Kosten der Stromsteuersenkung werden dort rund 5,4 Milliarden Euro genannt.
Einigkeit besteht ĂŒber die Forderung der LĂ€nder und das Ziel einer Entlastung fĂŒr alle. Offen bleibt, ob die Bundesregierung die nötigen Mittel bereitstellt und wann die Senkung umgesetzt werden könnte.
