1000 Euro Startkapital fĂŒr StudienanfĂ€nger
06.03.2024 - 09:36:56
StudienanfĂ€nger aus Ă€rmeren Familien sollen ab Herbst vom Staat 1000 Euro Startgeld fĂŒr die Anschaffung eines Laptops, fĂŒr LehrbĂŒcher oder zur Finanzierung des Umzugs zum Studienort bekommen. Die sogenannte Studienstarthilfe ist Teil einer Bafög-Reform, die heute vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht werden soll. Die eigentlichen Bafög-SĂ€tze werden dem Gesetzentwurf zufolge nicht erhöht. Bei der Bafög-RĂŒckzahlung steigt aber der Druck. Die Regelungen der geplanten Reform im Ăberblick:
Die 1000 Euro Studienstarthilfe sollen StudienanfĂ€nger bekommen, die unter 25 Jahre alt sind und beispielsweise BĂŒrgergeld beziehen oder in Familien leben, die durch andere staatliche Leistungen wie den Kinderzuschlag oder Wohngeld ihr Einkommen aufbessern mĂŒssen. Das Bundesbildungsministerium schĂ€tzt in seinem Gesetzentwurf grob, dass jĂ€hrlich etwa 15.000 StudienanfĂ€nger profitieren könnten. Im vergangenen Jahr wurden an deutschen Hochschulen knapp 480 000 Erstsemester gezĂ€hlt.
Die Antragsstellung soll zum nĂ€chsten Wintersemester möglich sein. Anlaufstelle wird voraussichtlich das Portal «Bafög Digital» sein, wo auch Bafög online beantragt werden kann. Nach derzeitiger Planung soll das Hochladen eines Nachweises ĂŒber den Bezug der genannten Sozialleistungen und einer Kopie der Immatrikulationsbescheinigung ausreichen. Die 1000 Euro mĂŒssen nicht zurĂŒckgezahlt werden und werden bei anderen Leistungen nicht als Einkommen angerechnet, auch nicht beim Bafög.
Keine Erhöhung der Bafög-SÀtze
Das Bafög selbst steigt nicht, wenn es nach dem Gesetzentwurf aus dem FDP-gefĂŒhrten Bildungsministerium geht. Möglicherweise drĂŒcken die Koalitionspartner SPD und GrĂŒne im Bundestag bei den Beratungen ĂŒber das Vorhaben aber noch Ănderungen durch. Auch Gewerkschaften und Studierendenvertreter fordern eine Anhebung und verweisen auf die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten. Und auch der bildungspolitische Sprecher der Union, Thomas Jarzombek (CDU), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Ich habe kein VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass das BĂŒrgergeld um 12 Prozent steigt und zeitgleich die Bafög-EmpfĂ€ngerinnen und -EmpfĂ€nger leer ausgehen.»
Die Ampel hatte zuletzt zum Wintersemester 2022/23 das Bafög um 5,75 Prozent erhöht. Wer studiert und noch bei den Eltern wohnt, kann damit 511 Euro pro Monat bekommen - darin enthalten sind ein sogenannter Grundbedarf von 452 Euro plus 59 Euro fĂŒrs Wohnen. AuswĂ€rts sind es 452 plus 360 Euro fĂŒr die Unterkunft.Â
Da Vermögen, eigenes Einkommen, Einkommen der Eltern und Ehepartner angerechnet werden, ist die eigentliche Bafög-Höhe aber immer individuell. Hier setzt der nĂ€chste Punkt der Reform an: Eine Anhebung der FreibetrĂ€ge, die bei der Anrechnung gelten. Sie sollen um fĂŒnf Prozent erhöht werden, um den Kreis der Bafög-EmpfĂ€nger zu vergröĂern. Hintergrund: In den vergangenen Jahren ist deren Zahl deutlich gesunken. 2022 bezogen laut Statistischem Bundesamt 630.000 Personen Bafög-Leistungen, zehn Jahre zuvor waren es noch 979.000. Höhere FreibetrĂ€ge bedeuten, Eltern und Bafög-EmpfĂ€nger dĂŒrfen kĂŒnftig mehr verdienen und fallen trotzdem nicht gleich aus der Bafög-Förderung heraus.
EinfĂŒhrung eines FlexibilitĂ€tssemesters
Das Bafög wurde seit seiner EinfĂŒhrung 1971 immer wieder reformiert. Aus dem anfangs reinen Zuschuss ohne RĂŒckzahlung wurde spĂ€ter zunĂ€chst ein Volldarlehen. Seit 1990 gilt aber die Regel: Eine HĂ€lfte gibt's geschenkt, die andere muss zurĂŒckgezahlt werden. Bei der RĂŒckzahlung, die etwa fĂŒnf Jahre nach dem Studium fĂ€llig wird und maximal 20 Jahre dauern darf, wird jetzt etwas mehr Druck gemacht. Die Reform sieht vor, dass kĂŒnftig mindestens 150 statt wie bisher 130 Euro monatlich getilgt werden mĂŒssen. Die Raten wĂŒrden an die «aktuelle Einkommens- und Preisentwicklung angepasst», heiĂt es in der BegrĂŒndung zum Gesetzentwurf.
AuĂerdem sieht die vorliegende Bafög-Reform die EinfĂŒhrung eines sogenannten FlexibilitĂ€tssemesters vor. Wenn zum Ende des Studiums die Zeit knapp wird und die Abschlussarbeit drĂŒckt, soll Betroffenen die Bafög-Förderung ein halbes Jahr lĂ€nger gewĂ€hrt werden dĂŒrfen, auch wenn das Ende der Regelstudienzeit schon erreicht ist. Einfacher soll es zudem werden, das Studienfach zu wechseln, ohne den Bafög-Anspruch zu gefĂ€hrden.

